Rathausbunker

Schon bald nach Kriegsbeginn war auch in Nürnberg klar, dass die vorhandenen Luftschutzräume nicht ausreichen würden. Insbesondere im Bereich der Nürnberger Altstadt fehlten z.T. sogar geeignete Kellergeschosse, die zu Luftschutzkellern hätten umgerüstet werden können.

Im Stadtteil St. Sebald wurden so u.a. auch die beiden Rathausbunker als Tiefbunker errichtet. Der sogenannte Bunker 2 kann heute noch auf Anfrage und zu bestimmten Anlässen besichtigt werden. Der Bunker 1 ist heute nicht mehr zugänglich. Der Zustand des Bauwerks wird von dem Stadthistoriker Michael Kaiser mit „desolat“ beschrieben. Die Zugänge am Fünferplatz sind jedoch deutlich erkennbar und gut ins Bild des Platzes integriert. Der Bunker war ein reiner Befehlsbunker für die Stadtkommandantur und erfüllte keinen Schutzauftrag für die Öffentlichkeit.

Bau und Kriegsnutzung

Der weitaus größere Bunker wurde 1941 unter dem Obstmarkt errichtet. Die besondere Topologie und die verkehrstechnische Bedeutung der Lokalität sowie die Zunahme der alliierten Luftangriffe führten zu der Entscheidung, den Bunker im Tagebau zu errichten. Es wurde also nicht bergmännisch gearbeitet, wie bei den meisten anderen unterirdischen Anlagen Nürnbergs, sondern eine offene Baugrube ausgehoben. Die Bauzeit der fast 900 qm großen Anlage betrug ein halbes Jahr.

Der extreme Zeitdruck führte dazu, dass bei den Bauarbeiten auf vorgefundene Überreste und Gemäuer z.B. aus dem Mittelalter keine Rücksicht genommen werden konnte. Sie verschwanden unter und hinter dem Stahlbeton.

Um das beträchtliche Gefälle des Obstmarkts auszugleichen wurde der Bunker stufig gebaut. Durch die Nähe zur Pegnitz und den dadurch sehr hohen Grundwasserspiegel musste ein Hebewerk eingebaut werden. Mit seiner Überdeckung von 12 – 15 Metern liegt der Bunker vollständig unterhalb des Grundwasserspiegels und musste mit Hilfe der Technik trocken gehalten werden. Das Hebewerk ist heutzutage allerdings nicht mehr funktionsfähig, so dass sich Feuchtigkeit im Bauwerk ausbreitet. Nach starken Regenfällen sammelt sich das Wasser in Pfützen am Boden, der Elektromotor des Hebewerks steht heute ca. 30 cm im Wasser und ist nicht mehr zu gebrauchen. Die Feuchtigkeit sorgt in den relativ warmen Räumen für eine stickige Atmosphäre.

Von den einst drei Ein- und Ausgängen existiert heute nur noch der ehemalige Notausgang, der über ein Untergeschoss des Rathauses erreichbar ist. Die beiden großen Eingänge, die auf dem Obstmarkt ein schnelles Betreten der Luftschutzanlage gewährleisteten sind nicht mehr erhalten. Sie sind lediglich von der Unterseite her noch zu erkennen.

Der Bunker was bis zum 20./21. April 1945 in Betrieb. Auch während der vier Tage dauernden Kämpfe in Nürnberg suchte die Bevölkerung darin Schutz.

Nach Kriegsende wurden zunächst 61 Personen dauerhaft in der Anlage untergebracht, für die anderweitig kein Wohnraum zur Verfügung stand.

Bunkerhotel

1948 wurden die letzten Bewohner umgesiedelt. Da es zu dieser Zeit in Nürnberg kein intaktes Hotel gab, das für zivile Zwecke zur Verfügung stand, stellte ein Gastwirt aus der Nachbarschaft den Antrag, ein Hotel darin errichten zu dürfen. Das Konzept sah 19 Räume und maximal 30 Betten vor, sowie Herren- und Damentoiletten und ein Bad. Aus den ehemals saalartigen Räumlichkeiten entstanden durch Zwischenwände kleine Zimmer und die Sanitäreinrichtungen. Beim ehemaligen Notausgang wurden der neue Eingang und die Rezeption erstellt.

Der Hotelbetrieb blieb bis 1951 bestehen. Der fortschreitende Wiederaufbau und die Freigabe der von der US Army zeitweise beschlagnahmten Hotels, die den Krieg überstanden hatten, führten zum Niedergang des Bunkerhotels. Eine anderweitige Nutzung wurde jahrzehntelang nicht erwogen, so dass das Bauwerk sich heute weitgehend im Zustand von 1951 präsentiert.

Das für die damalige Zeit ausgesprochen komfortable Bad, die Toiletten und die einzelnen Zimmer sind ebenso erhalten, wie die Wandgemälde, die der Hotelier anfertigen ließ. Sie zeigen ausnahmslos Gebäude des alten Nürnberg, von denen die meisten im Krieg zerstört wurden.