Regensburg Neupfarrplatz

Der Neupfarrplatz in Regensburg ist ein geschichtsträchtiger Ort. Das Areal lag einst innerhalb des römischen Lagers Castra Regina. Die damalige Lagerstraße würde sich heute von der Neupfarrkirche aus durch die Altstadt ziehen. Im Mittelalter war der Bereich des Platzes dicht überbaut. Hier lag das Judenviertel mit über 40 Gebäuden inklusive einer Synagoge.

Die jüdische Gemeinde war Jahrhunderte lang ein fester Bestandteil Regensburgs. 1519 wurden die Juden nach langjähriger wirtschaftlicher Krise enteignet und vertrieben. Ihre Häuser wurde abgerissen und das Areal des Judenviertels eingeebnet. Unmittelbar neben dem Platz, wo die Synagoge gestanden hatte, wurde eine Kirche errichtet, die schließlich die erste protestantische Kirche Regensburgs werden sollte: Die neue Pfarrkirche bzw. Neupfarrkirche.

Bunkerbau

1939/40 wurde ein Luftschutzbau unter dem Neupfarrplatz angelegt. Das Bauwerk aus armierungslosem Stampfbeton hat eine Überdeckung von ca. 1,5 Metern. Es handelt sich jedoch nicht um einen typischen Tiefbunker, wie sie vor allem ab 1940 in vielen Städten gebaut wurden. Vielmehr läuft der Bunker als betonierter Stollen mit ca. 2,5 m Breite unter dem Platz in der Form eines unregelmäßigen Fünfecks mit ursprünglich drei Ausgängen auf den Platz.

Der sogenannte Ringbunker war nicht als Luftschutzraum ausgelegt, in dem die Bevölkerung Schutz vor Bombenangriffen finden sollte. Es handelt sich bei diesem Bauwerk um einen Fluchtstollen, der die Gebäude am Neupfarrplatz auf Kellerniveau miteinander verband. Von den umliegenden Häusern führten Verbindungen in den Ringbunker. So sollte sichergestellt sein, dass sich die Menschen aus ihren Kellern über den Stollen retten konnten, wenn ihre Häuser zerstört werden würden.

Der Stadtverwaltung war seinerseits bewusst, dass der Luftschutzstollen in das Areal des einstigen Judenviertels hineingebaut würde. Die historischen Gebäudereste waren für sie keinen Gedanken wert. Es ist allerdings eine Ironie der Geschichte, dass der Stollen auf dem gleichen Niveau liegt, wie die Keller der 1519 abgebrochenen Häuser der Juden. Mit den massiven Kellermauern hatte sich beim Abbruch des Judenviertels keiner beschäftigt. Sie wurden einfach zugeschüttet und der Platz planiert. Somit läuft der Ringbunker mitten durch die Keller der längst von der Oberfläche verschwundenen Gebäude.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg wurde ein Teil des Ringbunkers als öffentliche Bedürfnisanstalt genutzt. Direkt neben der Neupfarrkirche lag der Treppenabgang zu der Toilettenanlage. 1995 beschloss die Stadt den Platz komplett neu zu gestalten. Der dort stattfindende Weihnachtsmarkt und zahlreiche andere Veranstaltungen benötigten dringend technische Versorgungseinrichtungen wie eine Trafostation, Hydranten, Elektranten und die zugehörigen Verbindungsleitungen.

Es war klar, dass man bei den notwendigen Grabungsarbeiten auf zahlreiche historische Baureste aus fast 2000 Jahren stoßen würde, deren jüngster Bauzeuge der Ringbunker war.

Neugestaltung

Nach aufwändigen und spektakulären Grabungen wurden große Teile der Mauerreste wieder sorgfältig in den Boden eingeschlossen. Um die Geschichte des Platzes zu dokumentieren wurde das document Neupfarrplatz geschaffen. Es ist ein unterirdisches Museum, dessen Exponate die Mauern aus 2000 Jahren sind. Neben römischen Fundamenten sind zwei Kellerräume jüdischer Häuser zu sehen, sowie benachbarte Mauerreste und ein Teil des Fundaments der Neupfarrkirche.

Der Ringbunker wurde für den Zugang zum document Neupfarrplatz aufgeschnitten und führt so vom ersten Raum in beiden Richtungen weg. Auch er ist ein Stück weit freigelegt, so dass man die Mauerdicke und den Querschnitt komplett sehen kann. An der Stelle des einstigen Toilettenzugangs befindet sich heute der Zugang für die Dokumentationsstätte.

Der Bunker ist allerdings nur ca. 15 Meter weit begehbar. Er dient größtenteils als Technikraum für die Versorgung der umliegenden Häuser und des document Neupfarrplatz, dessen Notausgang ebenfalls im Bunker liegt.

document Neupfarrplatz

1945 gab es in Regensburg offiziell keinen einzigen Juden mehr. Wenige Jahre später begann sich die Gemeinde erneut aufzubauen. Im Gegensatz zu dem meisten Regensburger Juden überlebte der Bunker die NS-Zeit. Etliche Grundmauern des mittelalterlichen Judenviertels, die den Abbruch 1519 überstanden hatten, wurden für seinen Bau zerstört. Heute ist das Luftschutzbauwerk Bestandteil der Dokumentationsstätte und beherbergt die Versorgungstechnik mit der die Erinnerung an die erste jüdische Gemeinde Regensburgs und ihre Zerstörung wachgehalten wird.

Das document Neupfarrplatz ist in erster Linie eine Stätte zur Dokumentation der archäologischen Arbeit und des mittelalterlichen Judenviertels. Eine ausführliche Dokumentation des Bunkers liefert sie nicht und auch die Führung behandelt den Bunker nur am Rande. Weitere Informationen zum document Neupfarrplatz finden sich hier.