Karl-Benz-Platz

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Ähnlich wie am Bahnhof Feuerbach wurde am Karl-Benz-Platz in Untertürkheim zunächst ein Winkelturm gebaut und Anfang 1941 mit dem Bau eines Tiefbunkers begonnen. Allerdings wurde der Untertürkheimer Winkelturm als Maßnahme des Daimler-Benz-Werksluftschutzes errichtet und als Flakturm fertiggestellt.

Untertürkheim galt bereits im 1. Weltkrieg als erstrangiges Ziel gegnerischer Luftangriffe, auch wenn diese zunächst die Stuttgarter Innenstadt angriffen. Allerdings wurde 1918 bei Obertürkheim bereits eine Scheinanlage aufgebaut, die durch Licht-Täuschungen nächtliche Angriffe auf das Daimler-Werk in Untertürkheim auf sich ziehen sollte. Es liegt aber kein Hinweis darauf vor, dass es zu dieser Zeit noch zu einem solchen Angriff kam und die Anlage hätte zum Einsatz kommen können.

Im 2. Weltkrieg galt bereits der erste Luftangriff auf Stuttgart in der Nacht vom 24. auf den 25. August 1940 den Daimlerwerken in Untertürkheim. 20 britische Bomber griffen kurz nach Mitternacht an, trafen allerdings vor allem Gaisburg, wo vier Menschen starben, aber auch mehrere Wohngebäude in Untertürkheim. Der in der darauf folgenden Nacht durchgeführte erste Großangriff auf Berlin führte zum sogenannten „Luftschutz-Führersofortprogramm“ das die Grundlage für die Bunkerbauprogramme in den deutschen Großstädten ab Ende des Jahres lieferte, und damit auch für den Bau des Tiefbunkers am Karl-Benz-Platz.

In Stuttgart wurde das entsprechende Bauprogramm im November 1940 auf den Weg gebracht. Die Baumaßnahmen für die beschlossenen Bunker begannen Anfang 1941.
Mit einer Grundfläche von 1.581 qm ist er fast genauso groß wie der Bunker unter dem Marienplatz, verfügt jedoch über drei Zugänge. Der Haupteingang liegt heute neben der Fußgängerbrücke über die Stadtbahn. Der Bunker liegt unter dem Bahnhofsvorplatz zwischen und teils unter den beiden Stadtbahnhaltestellen.

Wie schon zuvor der Winkelturm wurde der Tiefbunker auf der Seite der Daimler-Werke errichtet und nicht im eng bebauten Ortskern Untertürkheims. Dort wurden in der Wallmer-Siedlung zwei Hochbunker geschaffen und unterirdische Anlagen der Weinkellereien zu Luftschutzstollen ausgebaut, wie z.B. in der Strümpfelbacher Straße.

Der Tiefbunker erhielt Anschlüsse an das Stadtwasser, die Kanalisation, sowie Elektrik für Licht, Filter- und Lüftungsanlage. Die Werkshallen von Daimler-Benz erhielten Tarnanstriche. Im Laufe des Krieges wurde sogar auf die Dächer der Werksgebäude und benachbarter Bauwerke ein neuer Stadtplan aufgemalt. Aus dem Flugzeug sollte damit das Areal wie eine Wohnsiedlung aussehen. Durch eine Teilabdeckung des Neckars im Bereich des Inselbads sollte auch dieses charakteristische Detail für die feindlichen Piloten unsichtbar werden. Auf die Gleisanlagen wurden Straße und Häuser aufgemalt.

All diese Maßnahmen verhinderten freilich nicht, dass Untertürkheim vor allem ab 1943 immer wieder angegriffen wurde. Vor allem die Versuche, durch großflächige Bemalung ein vollkommen anderes Stadtbild vorzutäuschen, waren bei nächtlichen Luftangriffen nicht sehr erfolgreich. Der erste schwere Angriff auf das Daimler-Werk Untertürkheim am 26. November richtete einen Schaden von 40 Mio. Reichsmark an. Die schwersten Zerstörungen mit 112,7 Mio. Reichsmark Schaden erlitt die Daimler-Werke in Untertürkheim jedoch am 5. September 1944 bei einem Tagangriff der USAAF mit ca. 200 Bombern.

Die großflächigen Angriffe auf die Fabrikanlagen trafen allerdings auch die Wohngebiete, und auch wenn die Bunker und Stollen vielen Einwohnern das Leben retteten, zahlten die Neckarvororte für ihre Nähe zur Industrie einen hohen Preis.

Nach dem Krieg diente der Tiefbunker unter dem Karl-Benz-Platz als Notunterkunft für Familien. Die Einrichtung wurde von der Arbeiterwohlfahrt betreut. Leider gibt es keine genauen Angaben über die Zahl der Familien, die hier untergebracht waren. Auch die Dauer dieser Nutzung ist unbekannt.

Im Kalten Krieg wurde der Bunker komplett modernisiert und für 800 Personen ausgelegt. Dafür wurden auch einige Zwischenwände herausgebrochen. Nach der Jahrtausendwende wurde der Bunker sporadisch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Um 2010 endete die Zivilschutzbindung. Seither wird das Bauwerk nicht mehr benutzt.