Wilhelmsplatz

Der Wilhelmsplatz war lange Zeit der Richtplatz für die Vollstreckung von Todesurteilen außerhalb der Stadtmauer, direkt vor dem Hauptstätter Tor gelegen. Von dieser Örtlichkeit leitet sich auch der Name der Hauptstätter Strasse ab. Es war der Weg zur Stätte an der u.a. auch enthauptet wurde.

1811 ließ König Friedrich die Richtstätte in die Feuerbacher Heide verlegen und beauftragte den Ausbau der Gerber- und Tübinger Vorstadt. Mit der Fertigstellung der neuen Weinsteige 1831 erhielt der Platz als deren Anfang eine zunehmende verkehrstechnische Bedeutung. In den immer zahlreicher werdenden Gasthäusern rund um den Platz kehrten die Fuhrleute bei ihrer Ankunft in Stuttgart ein oder bevor sie die Stadt verließen. Noch heute trägt die Gastronomie entscheidend zum Erscheinungsbild des Platzes bei.

1832 erhielt er den Namen Wilhelmsplatz zu Ehren König Wilhelms I, nach dem auch die Neue Weinsteige in Wilhelmstraße benannt wurde. Im späteren 19. Jahrhundert fanden hier immer wieder Kirmes und Veranstaltungen statt.

Der Bunker im Krieg

Der Tiefbunker unter dem Wilhelmsplatz entstand als eine Maßnahme der im November 1940 in Auftrag gegebenen Bunker für die Stuttgarter Innenstadt. Er ist dem Tiefbunker zwischen Gustav-Siegle-Haus und Leonhardskirche ähnlich. Er wurde in einer offenen Baugrube als eingeschossiges Bauwerk mit zwei Zugängen errichtet. 4200 Kubikmeter umbauter Raum wurden mit einer 1,40 Meter dicken Eisenbetondecke überdacht, auf der der Wilhelmsplatz neu angelegt wurde. Vom Bau des Bunkers sind Fotos erhalten. Die Außenwände sind 1,80 Meter dick. Im Innern sind die Räume um einen rechteckigen Rundgang herum angeordnet an dessen kurzen Seiten die Zugänge liegen.

Mit ca. 6 qm Grundfläche entsprechen diese Räume dem Standard damaliger Bunker. Zusätzlich gibt es einem größeren Gemeinschaftsraum. Insgesamt sollten sich hier laut Planung 450 Personen vor Luftangriffen in Sicherheit bringen können. Die tatsächliche Belegung wird während des Krieges auch hier höher gewesen sein, wie bei allen Bunkern in Stuttgart. Die Fertigstellung erfolgte 1941.

Nach dem Krieg

Nach dem Krieg wurde das Bauwerk mehrere Jahre als Hotel genutzt, danach zur Betreuung von Wohnsitz- und Obdachlosen durch die Caritas bis 1967. Während des kalten Krieges wurde der Bunker modernisiert und in die Zivilschutzbindung aufgenommen. Damit waren anderweitige Nutzungen für lange Zeit ausgeschlossen.

Erst nach der Entwidmung gab es wieder Ansätze das Bauwerk in die örtliche Struktur einzubinden. So erlebte der Bunker eine kurze Nutzung als Töpferwerkstatt eines Sozialprojekts. Letztlich blieben dies aber Episoden. Zuletzt war der Bunker nur noch im Rahmen der Langen Nacht der Museen für die Öffentlichkeit zugänglich.

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