Ludwigsburg Schloss

Vor dem 2. Weltkrieg war Ludwigsburg eine bedeutende Garnisonsstadt. 1921 wurde sie die größte Garnison Südwestdeutschlands. Mit der Flak-Kaserne Ludwigsburg gab es ab 1933 eine Luftwaffeneinrichtung, die bei der Ausbildung von Einheiten für die Flugabwehr bedeutsam war. Auch während des Krieges verlegte das Luftgaukommando VII Einheiten, die im Großraum Stuttgart eingesetzt werden sollten, zumeist erst nach Ludwigsburg und danach an den eigentlichen Einsatzort.

Im Zuge der Industrialisierung war die Einwohnerzahl rasch gestiegen. Zwischen 1900 und 1939 verdoppelte sie sich von 20.000 auf dann fast 44.000. 1933 waren es noch 34.000 Einwohner gewesen.

Die Bahnverbindung nach Stuttgart, Kornwestheim und Bietigheim und den dortigen Gleis-Abzweigen verliehen der Stadt auch im Personen- und Güterverkehr ein gewisses Gewicht.

Dennoch wurde Ludwigsburg nicht als primäres Ziel für Luftangriffe angesehen. Die größten Anstrengungen wurden zunächst darauf verwendet die weitläufigen und markanten Anlagen und auch das aus der Luft gut erkennbare Schloss weniger „sichtbar“ zu machen.

So wurden die hellen Kieswege mit Erde und Grasmatten bedeckt. Die Gebäude des Schlosskomplexes wurden mit Tarnnetzen verhängt. Dadurch konnten sie dem Blick gegnerischer Flugzeuge zwar nicht vollständig entzogen werden, aber die Netze veränderten die optische Wirkung und Struktur der Gebäude erheblich, was ihre Identifikation aus der Luft tatsächlich erschwerte. Das Schloss diente zu diesem Zeitpunkt überwiegend als Archiv. Zahlreiche Räume waren vom Staatsarchiv mit Aktenschränken und Regalen belegt, die die Räume bis unter die Decke füllten. In den hohen Räumen von ehemaligen Beamtenwohnungen waren sogar Zwischendecken eingezogen worden, um die Örtlichkeiten optimal ausnutzen zu können.

Den See des Schlossparks wollte man als Löschteich erhalten. So wurde, wie auch in Stuttgart beim Feuersee und Theatersee, eine Abdeckung aus dunklen Planen konstruiert, die auf den See gelegt werden konnte. Damit wurde verhindert, dass sich im Wasser spiegelndes Licht für Flugzeuge als Orientierungspunkt dienen konnte. Vor allem nächtlich einfliegende Bomber orientierten sich bis 1942 an solchen Landmarken, da sie bis dahin keine geeigneten elektrischen Verfahren zur genauen Positionsbestimmung hatten.

Da die an den Außenfassaden angeordneten herrschaftlichen Räume mit ihren hohen Fensterfronten gegen Nahtreffer nur bedingt geschützt werden konnten wurden die dort noch vorhandenen Kunstgegenstände und wertvolles Inventar eingelagert. So wurde die Einrichtung des Schlosses auf mehr als ein halbes Dutzend Orte in Württemberg verteilt.

Etliche Gegenstände verblieben allerdings in den weitläufigen Räumlichkeiten der ehemaligen Residenz. Dabei machte man sich die Struktur der Gebäudetrakte zunutze. An die herrschaftlichen Räume angegliedert befanden sich in der jeweiligen Gebäudemitte die Kammern der Bediensteten, die teilweise über schmale Gänge mit anderen herrschaftlichen Räumen verbunden waren, und mitunter über eigene Treppenhäuser erschlossen sind. Sie grenzen an enge, geschlossene Innenhöfe, die Zwischengänge sind fensterlos.

In diesen Bereichen wurden ab 1939 ebenfalls zahlreiche Gegenstände eingelagert, da man hier direkte Bombentreffer für eher unwahrscheinlich hielt. Die Spuren dieser Einlagerung sind heute nur noch an sehr wenigen Stellen zu finden. Dennoch ist das Schloss in der Lage, dieses Kapitel der Geschichte sehr anschaulich zu präsentieren.

Im Laufe des Krieges wurde man sich bewusst, dass das Schloss auch den dort lebenden und arbeitenden Menschen Schutz bieten musste. So wurden einige der mitunter verwinkelten Keller- und Untergeschossräume in Luftschutzräume verwandelt. Insgesamt konnte das Schloss einige Hundert Menschen in solchen Räumen aufnehmen, die teilweise noch heute mit Luftschutztüren ausgestattet sind, inzwischen allerdings teilweise als Versorgungs- und auch wieder als Lagerräume dienen.

Nicht alle dieser Luftschutzräume lagen wirklich unter der Erde. In einem Flügel wurden die Räumlichkeiten unter einem Terrassenbereich umgenutzt. Um die Außenwand gegen Bombenwürfe abzuschirmen wurde diese einfach angeerdet. Nach dem Krieg wurde diese Erde wieder abgetragen. Auch im hinteren Teil des Weinkellers wurden Räumlichkeiten für den Luftschutz ausgewiesen.

Gegen Kriegsende diente der Keller des Schlosstheaters auch noch der Firma Beru als Verlagerungsstätte für einen Produktionsbetrieb. Auch wenn das Gewölbe heute leer ist sind doch noch verschiedene Einbauten und Spuren der Nutzung zur Fabrikation erkennbar. Die Produktion fand in einem großen Gewölberaum statt, der einen direkten Zugang an einem Ende und einen zweiten Zugang über einen Vorraum an seinem anderen Ende besitzt. An den Werkbänken wurden Zündkerzen und Sicherungen für Fahrzeuge gefertigt, die an die Wehrmacht geliefert wurden.

Tatsächlich wurde Ludwigsburg kaum von alliierten Bombern angegriffen. Mit 140 komplett zerstörten Häusern blieben die Zerstörungen im Vergleich zu anderen Städten relativ gering. Es gibt zahlreiche Spekulationen warum die Stadt weitgehend glimpflich davon kam. Weit verbreitet ist die Ansicht, dass die Alliierten die Kasernen für die eigenen Truppen erhalten wollten. Letztlich hatte aber Ludwigsburg wahrscheinlich nur das Glück auf der Prioritätenliste so weit unten zu stehen, dass es bis Kriegsende nicht zum Ziel für einen Grossangriff bestimmt wurde.

Eine Besichtigung der Räumlichkeiten im Ludwigsburger Schloss, die einem besonderen Bezug zum 2. Weltkrieg haben, ist ausschließlich über die Volkshochschule Ludwigsburg möglich.