Möhringen Speick-Keller

Drei große Betriebe prägten in den 30er und 40er Jahren das Richterviertel in Möhringen: „D‘ Milche, d‘ Kraute ond d‘ Soife“, die Milchverwertungsgenossenschaft, die Krautfabrik und die Seifensiederei. Nach 80 Jahren an exponierter Stelle in der Sigmaringer Str. 31-33 verschwand Ende 2008 auch der letzte dieser drei Betriebe fast vollständig aus dem Stadtbild: Das Speickwerk. Nur ein ehemaliger Gebäudetrakt blieb erhalten bleiben. Er wurde 2009 in ein Wohngebäude mit modernen Lofts umgewandet.
1928 gründete Walter Rau hier in einem alten Brauereigebäude das „Feinseifenwerk WALTER RAU“, heute Walter Rau GmbH & Co.KG Speickwerk. 1930 hatte er sich am Markt etabliert, 1940 konnte Speick auf eine Markenbekanntheit von mehr als 50 Prozent verweisen.

Bis 2001 wurde am Gründungsstandort Möhringen noch die Rohseife gesiedet. Dann lief der Bestandsschutz für die Siederei aus. Bereits 1968 wurde in Leinfelden ein zweiter Standort errichtet, an den in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Teile der Produktion verlagert worden waren. Im Frühjahr 2008 wurden auch die Verwaltung und das Labor nach Leinfelden verlegt und der Standort Möhringen komplett aufgegeben.

Aus der früheren Nutzung des Areals durch eine Brauerei stammen die umfangreichen Kelleranlagen. Im Zentrum der unterirdischen Räume befand sich eine 25 Meter lange Halle, deren imposante Gewölbekonstruktion bis zu 6 Meter hoch war. Die Keller waren aus Sandstein gemauert, Manche Zugänge hatten ein Ziegelgewölbe. Während des Krieges wurden die Keller zu Luftschutzräumen umgebaut und erhielten Luftschutztüren.

An mehreren Stellen gab es Abzweige in andere unterirdische Räumlichkeiten, davon waren die meisten im Laufe der Zeit wieder abgemauert worden. es ist davon auszugehen, dass die Keller in Richterviertel während des Zweiten Weltkriegs alle miteinander verbunden waren und gegenseitig als Notausgänge fungierten. Eine Verbindung zum benachbarten Richterkeller konnte bei der Begehung 2009 nicht nachgewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen werden.

Die ehemaligen Bierkeller des Richterviertels dienten in Möhringen als zentrale Luftschutzanlage für die Bevölkerung. Spezielle Hoch- oder Tiefbunker wie in Stuttgart wurden dort nicht errichtet.

Mit dem Abbruch der ehemaligen Fabrikationshallen des Seifenwerks folgte auch das Aus für die Kelleranlagen. Unsere Bilder zeigen die unterirdischen Gemäuer zum Jahreswechsel 2008/2009, als die Gebäude darüber bereits weitgehend abgebrochen, die Keller jedoch noch größtenteils intakt waren, sowie im Frühsommer 2009 beim Abbruch. Zusätzliche Eindrücke der einstigen Möhringer Braukeller bietet die Event-Location im benachbarten 400 qm großem Richterkeller auf ihrer Homepage.