Nürnberg Felsenkeller

Am Albrecht-Dürer-Platz, halb verdeckt vom Standbild des Meisters, führt eine unspektakulär wirkende Treppe in die Tiefe. Man könnte es für den Eingang zu einer Tiefgarage halten, wären nicht die Infotafeln des Nürnberger Felsenkeller e.V. auf der Einfassung des Abgangs.

Die Treppe wurde während des zweiten Weltkriegs erstellt. Sie wurde bewusst zentral auf dem Platz angelegt, außerhalb des Trümmerschattens der umstehenden Gebäude. Es ist der Zugang zu einem in Beton gefassten Luftschutzstollen, der direkt mit den historischen Felsenkellern Nürnbergs verbunden ist.

Der Bunker

Hinter der Stahltür führt zunächst eine weitere Treppe nach unten, bis eine Überdeckung von ca. 7 Metern erreicht ist. Von dort gelangt man durch eine Gasschleuse in den Bunker unter dem Albrecht-Dürer-Platz.

Das Bauwerk ist auch heute noch in einem hervorragenden Zustand. Beschriftungen an den Wänden, eine Luftschutzapotheke und andere historische Details können hier in ungewöhnlich guter Konservierung besichtigt werden und machen die Geschichte lebendig.

Vor allem zum Ende des zweiten Weltkrieges herrschte hier dranghafte Enge, als die Luftangriffe auf die Stadt immer intensiver und die Abwehr immer unzureichender wurden.

Dennoch ist das Bauwerk nur eine Durchgangsstation zu einem bauhistorischen Erbe, das während des zweiten Weltkriegs zahlreichen Bewohnern Nürnbergs das Leben rettete.

Durchgang in die Geschichte

Über eine Zwischentür und einen engen, ca. 1,80 m hohen Stollen im Fels betritt man eine Welt, die Nürnberg von vielen anderen Städten unterscheidet.

Bereits im 14. Jahrhundert hatte man in der Stadt begonnen, in den harten Fels des Burgbergs Stollen hinein zu treiben. In Nürnberg saßen zahlreiche Brauereien, die für ihr Bier geräumige Keller mit ganzjährig weitgehend konstanten Temperaturen benötigten. Da der Untergrund unter der Stadt nicht überall die gleiche Beschaffenheit aufweist, konzentrierten sie sich dort, wo der Fels hart genug für die zu errichtenden Keller war – unterhalb der Burg.

Über Jahrhunderte hinweg wurden die Keller erweitert, verzweigt und tiefer in den Fels hineingetrieben. Es entstand ein Labyrinth von Stollen, Gängen, Hallen und Räumen unter der historischen Altstadt, das in seinem ganzen Ausmaß bis heute nicht gänzlich erforscht ist.

Der Aushub dieser umfangreichen Baumaßnahmen wurde in die Pegnitz geschüttet. Die Insel, die so entstand, verdankt dieser Vorgehensweise ihren Namen: Schütt.

Vom Bierkeller zum Luftschutzlabyrinth

Die Fläche der bekannten Brauereikeller beträgt insgesamt über 25.000 qm, die sich auf bis zu vier übereinanderliegenden Etagen durch die Felsen unter der Altstadt erstrecken. Sie werden daher Felsenkeller genannt.

An Zahlreichen Stellen führten Schächte ans Tageslicht, die für eine natürliche Durchlüftung dieser Unterwelt sorgten. Das bis zu 20 Metern unter der Erde liegende Kellersystem verfügte über Treppenhäuser, Rampen für die Bierfässer und Aufzüge, Brunnen und Wasserrinnen. Die Treppen sind auch heute noch weitgehend erhalten und ermöglichen die Besichtigung des Kellersystems. Die Rampen und ihre Zugänge sind inzwischen weitgehend vermauert, von den Aufzügen zeugen die alten Schächte, in denen zum Teil noch die Überreste der Körbe zu erkennen sind, verfallen, verrostet, geborsten.

Die natürliche Durchlüftung der Keller funktionierte über ein halbes Jahrtausend. Sie sorgte für einen weitgehenden Abtransport feuchter Luft aus dem unterirdischen System. Im Zuge der Einbindung in den Zivilschutz wurden viele Zugänge und Schächte zugemauert, oder zumindest durch Luken verschlossen. Luftschutztüren wurden eingebaut, um die gigantische Anlage unterteilen zu können. Wie bei vielen anderen unterirdischen Anlagen auch, wurden alle Maßnahmen unter rein praktischen, schnell realisierbaren und oft kurzfristig ausgelegten Gesichtspunkten durchgeführt.

Untertagequellen

Da die Felsenkeller in wasserführende Bodenschichten hineinreichen, dienten sie auch der Wassergewinnung für die Brauereien. Im Sandsteinfels verlaufen wasserundurchlässige Tonschichten, an denen sich das Grundwasser sammelt. Wo sie von Kellerwänden angeschnitten werden, tritt das Wasser aus. Dies wurde im Mittelalter genutzt, um die Wasserversorgung der Stadt auch im Belagerungsfall zu sichern.

Für die Bierbrauer war dies ein praktischer Effekt. Das zum Brauen dringend benötigte Wasser war so bereits in unmittelbarer Nähe der Brauerei, nämlich direkt darunter.

Seit den Luftschutzmaßnahmen des zweiten Weltkrieges jedoch hat sich die Atmosphäre unter Nürnbergs Altstadt dramatisch verändert. Die zum Schutz der Bevölkerung verschlossenen Lüftungsöffnungen können die Feuchtigkeit nicht mehr im ausreichenden Maße abtransportieren. Die Feuchtigkeit setzt sich in den Sandsteingewölben fest und destabilisiert die Kellersysteme, so dass an manchen Stellen bereits Stützkonstruktionen erforderlich wurden, die einen Einbruch der unterirdischen Räume verhindern sollen.

Auf www.felsengaenge-nuernberg.de bietet der Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V. weitere Informationen, inklusive den Zeiten für Führungen und der Verkaufsstelle für die Eintrittskarten.

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