Cannstatt Kursaal

Der Kursaal in Cannstatt

Der Cannstatter Kursaal besteht heute aus drei Bauteilen, die zu drei unterschiedlichen Zeiten entstanden. Der älteste Teil ist der sogenannte „Große Kursaal“, der vom Brunnenverein Cannstatt mit Unterstützung des Württembergischen Königs Wilhelm I. von 1825 bis 1841 geschaffen wurde. Die Einweihung fand allerdings schon 1837, also vier Jahre vor der endgültigen Fertigstellung statt. Es gab zunächst nur eine offene Trinkhalle. Nach Fertigstellung fungierte er als Bade- und Kurhaus. Am Hang zum Kurpark liegt der Brunnenhof für Trinkkuren.

In dem Gebäude wurden ab 1858 auch sogenannte „Fortschritts-Ausstellungen“ ausgerichtet, die einen erheblichen Impuls für die Entwicklung der württembergische Veredelungsindustrie darstellten.

1907-1909 entstand neben dem klassizistischen Großen Kursaal der Kleine Kursaal im Jugendstil. Zwischen den beiden Sälen verblieb ein Durchgang, der zum Brunnenhof und zum Kurpark führte.

1976 musste dieser Durchgang dem Verbindungsbau zwischen Großem und Kleinem Kursaal weichen. Der Komplex präsentiert sich heute als Ensemble aus drei Bauepochen, das nur in seiner Gesamtheit umrundet werden kann.

Bereits im 1. Weltkrieg hatte Stuttgart, wie die meisten anderen Städte auch, in größerem Umfang verwundete Soldaten aufgenommen, die in den Krankenhäusern und während des Krieges noch hinzugekommenen Hilfskrankenhäusern versorgt wurden.

So waren auch zu Beginn des 2. Weltkriegs die Krankenhäuser darauf vorbereitet worden, größere Zahlen an Verwundeten aufzunehmen. Auch waren erneut Hilfskrankenhäuser eingerichtet worden. So wurde auch im Kursaal ein Reservelazarett eingerichtet, das jedoch den Betrieb nicht aufnehmen musste. Die Zahl der im Krieg gegen Polen Verwundeten fiel nicht so groß aus, dass die Reservelazarette beansprucht werden mussten. So wurde der Kursaal am 01.November 1939 wieder freigegeben.

Am Durchlass zwischen Großem und Kleinem Kursaal wurde allerdings ein Luftschutzstollen errichtet, der in den Hang des Kurparks hineingebaut wurde. Der Stollen hat eine Grundfläche von 252 qm und konnte rund 500 Personen aufnehmen.

Der Zugang wurde mit Naturstein ausgekleidet und so optisch weitgehend an den Felshang und das Ensemble aus den beiden Kursälen und Brunnenhof angepasst. Der Stollen ist heute nicht mehr zugänglich, bis auf den Zugang, in dem die Außentoiletten des Kursaals und des Biergartens untergebracht sind. Dass hier einmal der Eingangsbereich eines Luftschutzstollens für hunderte von Menschen war, wird den meisten Benutzern dieser Toiletten freilich nicht bewusst.

Direkt oberhalb der Becken des benachbarten Cannstatter Bads befindet sich inmitten des Grüns im Hang noch ein Lüftungskamin dieses Stollens. Er liegt freilich so versteckt, dass er weder den Besuchern des Bads noch denen des Parks auffällt.

Nur 300 m Fußweg entfernt wurde 1941 der Luftschutzstollen in der Sulzerrainstraße / Schmidener Straße in den Fels getrieben. Die Stollen wurden nicht miteinander verbunden. Im Gegensatz zum Nachbarbauwerk war eine Nutzung des Stollens hinter dem Kursaal im Kalten Krieg nicht vorgesehen.

Der Große Kursaal brannte in Folge eines Luftangriffs 1943 aus und wurde 1949 wieder aufgebaut. Der Kleine Kursaal überstand den Krieg.