Eisberg

1942 begann die Firma J. Eberspächer am Eisberg auf dem Gebiet der heutigen Jugendfarm mit der Errichtung eines Lagers für 98 polnische Zwangsarbeiter. Es zeigte sich schnell, dass das Gelände nur bedingt für Baumaßnahmen geeignet ist. U.a. durch die Schaffung von bis zu 3 m tiefen Sickergräben kam es zu Erdrutschen, wodurch teilweise Obstgärten verloren gingen. Dennoch wurde das Lager gebaut. Am 05. Mai wurde das Lager bei einem Luftangriff auf Stuttgart getroffen, mehrere Baracken wurden zerstört, 2 Polen kamen ums Leben, 23 wurden verletzt. Am 15./16. März 1944 wurde das Lager erneut bei einem Angriff auf Stuttgart getroffen. Es beherbergte zu diesem Zeit zumindest auch italienische Zwangsarbeiter, von denen zwei bei diesem Angriff zu Tode kamen.

1943 war Esslingen in das Stollenbauprogramm des Luftgaukommandos VII aufgenommen worden und hatte Zuteilungen an Material und Maschinen erhalten. Die Stadt hatte aber massive Schwierigkeiten, Arbeitskräfte für den Stollenbau zu bekommen, da insbesondere die Bevölkerung kaum zum Beitrag an diesen Maßnahmen zu bewegen war.

So wundert es nicht, dass in Esslingen bis Dezember 1944 gerade einmal für 10.250 Einwohner (ein Fünftel bis ein Sechstel) Plätze in öffentlichen Luftschutzstollen bereit standen. Diese Kapazität konnte bis März 1945 noch auf 13.400 erhöht werden. Für die große Mehrheit der Esslinger stand aber bis Kriegsende schlichtweg kein öffentlicher Luftschutzplatz zur Verfügung.

Zu den Maßnahmen, die trotz der Widrigkeiten vorangetrieben wurden, gehörte auch ein Stollen zwischen Zollberg und Unterem Eisbergweg. Mit dem Bau wurde wahrscheinlich 1944 begonnen. Bedingt durch die Beschaffenheit des Untergrunds wurde der Stollen größtenteils betoniert. Die Seitenwände wurde über lange Strecken in Magerbeton errichtet, die Decke als Eisenbetongewölbe ausgeführt. Stellenweise kam Ziegelmauerwerk zum Einsatz.

Da der Stollen komplett in einem Hang liegt, war die Entsorgung des Aushubs relativ unproblematisch. Es ist davon auszugehen, dass der Stollen von zwei Zugängen aus in den Hang getrieben, und der Abraum über Loren auf Feldbahngleisen nach draußen geschafft wurde, wo man die Loren auskippte.

Der Stollen hatte elektrisches Licht und Trockentoiletten, sowie eine Lüftungsanlage.

Am Unteren Eisbergweg sind noch heute mehrere Feldbahnschienen unweit eines ehemaligen Stollenzugangs senkrecht im Gelände eingelassen. Möglicherweise wurden sie nach Ende der Bauarbeiten in den steilen Hang eingebaut und mit einem Seil verbunden, um als Geländer zu dienen.

Wie in anderen Esslinger Stollen wurde während des Kalten Kriegs auch am Eisberg mit einer Modernisierung begonnen, die allerdings nach ersten grundlegenden Arbeiten aber abgebrochen wurden. So wurden Teile der Anlage mit Spritzbeton gesichert und Abmauerungen vorgenommen. Weitere Baumaßnahmen erfolgten jedoch nicht. Nach Abbruch der Modernisierung wurde die Anlage verschlossen und sich selbst überlassen.