Gundelsheim Schloss Horneck

In Gundelsheim, neben dem Freibad und dem historischen Ortsteil liegt Schloss Horneck. Die ehemalige Residenz des Deutschen Ordens beherbergt heute das Heimathaus Siebenbürgen mit Museum, Bibliothek, Siebenbürgen Institut, und eine Ferien- und Seniorenanlage.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss an einen Unternehmer verkauft, der dort eine Brauerei gründete. Er ließ zum Neckar hin einen Brau-Stollen unter dem Schloß anlegen, musste sein Vorhaben nach einigen Jahren aber wieder einstellen.

zweigeteilter Luftschutzraum

Im zweiten Weltkrieg diente der Brau-Stollen als Luftschutzanlage für eine Zweiklassen-Gesellschaft. Der obere Teil des Stollens war für die im Schloß untergebrachten Angehörigen der Waffen-SS reserviert. Der untere Teil blieb der Zivilbevölkerung Gundelsheims vorbehalten. Die beiden Stollenteile waren baulich voneinander abgetrennt. „Hier oben kam keiner der Zivilisten rein“, berichtete ein Zeitzeuge.

Im unteren Teil wurde ein Abzweig in den Berg getrieben, der jedoch nach einigen Metern endet. Die Bauarbeiten wurden offenbar nicht abgeschlossen. Der Abzweig, so die Zeitzeugen, diente als Bunker-Latrine. Über eine weitergehende geplante Nutzung oder einen eventuell geplanten weiteren Vortrieb gibt es keine einheitliche Quellenlage.

Die Zwischenwände und Druckschleusen im Stollen wurden nach dem Krieg wieder zurückgebaut. Dadurch präsentiert sich das Bauwerk heute wieder als ein durchgehender Stollen ohne Abteilungen.

Mythen und Gerüchte

Um die Rolle, die das Schloss zum Kriegsende hin spielte, ranken sich diverse Gerüchte, die trotz Nachforschungen in der Bevölkerung Gundelsheims bis heute nicht ganz geklärt werden konnten.

Als sicher gilt, dass das Schloss als Lazarett genutzt wurde und Angehörige der Waffen-SS beherbergte, die in den letzten Kriegsmonaten wahrscheinlich auch eine Rolle bei der Verteidigung der Neckar-Enz-Stellung hätten spielen sollen. Das tatsächliche Ausmaß und die wirkliche Aufgabe dieser Verbände ließ sich allerdings nicht mehr mit Sicherheit bestimmen.

Der exponierte Turm des Schlosses, der einen weiten Ausblick ins Umland gewährt, war freilich stets von SS und / oder Hitlerjugend besetzt und diente zum Kriegsende hin als Beobachtungsposten für Einheiten, die im Bereich der der Neckar-Enz-Stellung stationiert waren. Noch heute findet man Spuren aus jener Zeit, wie z.B. Inschriften an den Wänden des Turmzimmers.

Ob allerdings vom Schloß aus 1945 die Verteidigung der Neckar-Enz-Stellung hätte koordiniert werden sollen, ist eine jener offenen Fragen, die bis heute nicht abschließend geklärt werden konnte. Letztlich gab es keine einheitliche Verteidigung an der Neckar-Enz-Stellung. Die „Koordination“ war möglicherweise nur eines der vielen Phantome der letzten Kriegstage, die mehr dem Wunsch oder der Phantasie von einzelnen entsprach als der Realität.