Gundelsheim Schloss Horneck

In Gundelsheim, neben dem Freibad und dem historischen Ortsteil liegt Schloss Horneck. Die ehemalige Residenz des Deutschen Ordens beherbergt heute das Heimathaus Siebenbürgen mit Museum, Bibliothek, Siebenbürgen Institut, und eine Ferien- und Seniorenanlage.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss an einen Unternehmer verkauft, der dort eine Brauerei gründete. Er ließ zum Neckar hin einen Brau-Stollen unter dem Schloß anlegen, musste sein Vorhaben nach einigen Jahren aber wieder einstellen.

Das Schloss wurde 1890 von dem Münchener Immobilienspekulanten Friedrich Trump erworben, der darin eine „Wasserheil-, Bade- und Kur-Anstalt“ einrichtete, in der ab 1891 die Methoden Sebastian Kneipps sowie von Johann Schroth und Louis Kuhne („System Kneipp-Kuhne-Schroth“) angewendet wurden. Trump plante umfangreiche Umbauten, die nicht alle ausgeführt wurden. Die als GmbH geführte Anstalt meldete bereits 1896 wieder Insolvenz an. Die wirtschaftliche Leiterung der Heilanstalt übernahm nun Julie Eberhardt-Herrmann, Erbin des Hotels „Herrmann“ in Cannstatt. Sie brachte nicht nur Branchen-Erfahrung mit, sondern auch wichtige politische Kontakte. Auf ihr Initiative wurde 1899 Dr. Ludwig Roemheld zum ärztlichen Leiter der „Kuranstalt Schloss Hornegg“ berufen. Er gewann die Unterstützung mehrerer Heilbronner Unternehmer (Carl Knorr, Peter Bruckmann und auch dem Wachs- und Stearin-Fabrikanten Link) die eine GmbH gründeten, welche weitreichende Modernisierungen und Umbauten trug und Roemhelds Vorstellungen eines modernen gehobenen Sanatoriums umsetzten.

Während des 1. Weltkriegs war Schloss Horneck Kriegslazarett. Unmittelbar nach Kriegsende 1918 wurde der Santoriumsbetrieb wieder aufgenommen. Mit Beginn des 2. Weltkriegs wurde 1939 im Schloss erneut ein Lazarett eingerichtet.

Zweigeteilter Luftschutzraum

Im zweiten Weltkrieg diente der Brau-Stollen als Luftschutzanlage für eine Zweiklassen-Gesellschaft. Der obere Teil des Stollens war für die im Schloß untergebrachten Angehörigen der Waffen-SS reserviert. Der untere Teil blieb der Zivilbevölkerung Gundelsheims vorbehalten. Die beiden Stollenteile waren baulich voneinander abgetrennt. „Hier oben kam keiner der Zivilisten rein“, berichtete ein Zeitzeuge.

Im unteren Teil wurde ein Abzweig in den Berg getrieben, der jedoch nach einigen Metern endet. Die Bauarbeiten wurden offenbar nicht abgeschlossen. Der Abzweig, so die Zeitzeugen, diente als Bunker-Latrine, in der Trockentoiletten standen. Es gibt keine Informationen über geplante Erweiterungen dieses Abzweigs, so dass davon auszugehen ist, dass der Abzweig ausschließlich als Toilettenraum angelegt wurde.

Die Zwischenwände und Druckschleusen im Stollen wurden nach dem Krieg wieder zurückgebaut. Dadurch präsentiert sich das Bauwerk heute wieder als ein durchgehender Stollen ohne Abteilungen.

Mythen und Gerüchte

Um die Rolle, die das Schloss zum Kriegsende hin spielte, ranken sich diverse Gerüchte, die trotz Nachforschungen in der Bevölkerung Gundelsheims bis heute nicht ganz geklärt werden konnten. Die Ursache für die florierenden Mythen dürften in der massiven Präsenz von SS-Angehörigen in Gundelsheim und Umgebung liegen, die freilich auch aus unterschiedlichen Gründen vor Ort waren. Standen sie in der Umgebung von Neckarelz/Mosburg häufig in Verbindung zu den Lagern der KZ-Außenlager Neckarelz I und II, so waren SS-Angehörige auch im Lazarett untergebracht und Ende März 1945 war es die 2. Kompanie des SS-Panzergrenadier-Regiments 38 der 17. SS-Panzergrenadierdivision, die sich in Gundelsheim den amerikanischen Truppen entgegen stellte. Trotz der hohen Dichte an Kampfbunkern der Neckar-Enz-Stellung, beschränkte sich diese Verteidigung aber auf die drei Tage zwischen dem 30. März und dem 1. April 1945, da die Bunker keine Bewaffnung und keine Kommunikationsmittel mehr besaßen. Am 2. April setzten sich die Verteidiger ab und Gundelsheim konnte von den Amerikanern besetzt werden.

Der exponierte Turm des Schlosses, der einen weiten Ausblick ins Umland gewährt, war  stets von SS und / oder Hitlerjugend besetzt und diente zum Kriegsende hin als Beobachtungsposten für die Einheiten, die im Bereich der Neckar-Enz-Stellung stationiert waren. Noch heute findet man Spuren aus jener Zeit, wie z.B. Inschriften an den Wänden des Turmzimmers.

Ob allerdings vom Schloss aus 1945 die Verteidigung der Neckar-Enz-Stellung hätte koordiniert werden sollen, ist eine jener offenen Fragen, die bis heute nicht abschließend geklärt werden konnte. Letztlich gab es keine einheitliche Verteidigung an der Neckar-Enz-Stellung. Die „Koordination“ war möglicherweise nur eines der vielen Phantome der letzten Kriegstage, die mehr dem Wunsch oder der Phantasie von einzelnen entsprach als der Realität.

Wahrscheinlich war der Turm nur mit Beobachtern besetzt, die ihre Informationen an die Heeresverbände im Erdkampf weitergaben, möglicherweise auch an die drei Züge der leichten Flak, die Ende 1944 nach Gundelsheim gekommen waren, und die die Bahnlinie sichern sollten. Auch ihre Mission war von Mythen umrankt, die sich insbesondere aus den in der Nachbarschaft liegenden Neckarlagern von Neckarelz I speisten.

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