Lauffen am Neckar

In Lauffen entstanden während des 2. Weltkriegs vier zivile Luftschutzstollen. Allerdings begannen die Arbeiten erst sehr spät. Lauffen hatte am 13. April 1944 einen Luftangriff am hellichten Tag erlebt, bei dem 56 Menschen umkamen und 108 z.T. schwer verletzt wurden. 26 Wohngebäude wurden total zerstört, 47 Wohnhäuser schwer beschädigt und 76 mittel. Die Verluste im Nutztierbestand trafen die Bevölkerung ebenfalls schwer: 70 Stück Vieh, 304 Vögel (Enten, Gänse, Hühner, Tauben) und 153 Hasen fielen dem Angriff zum Opfer.

Dennoch fasste der Gemeinderat erst am 14. September 1944 den Beschluss zum Bau von zwei öffentlichen Stollenanlagen, nämlich dem Ausbau des Eiskellers an der Mauerseuge und den Stollen unter der Regiswindiskirche.

Das Württ. Portland-Cementwerk, der größte Betrieb am Ort, der u.a. die Baustellen am Westwall und am Atlantikwall belieferte hatte schon etwas früher mit einem eigenen Stollen begonnen.

Ende Dezember 1944 war der Ausbau des Eiskellers noch immer nicht begonnen. Immerhin war der Stollen unter der Kirche zur Hälfte fertig. Mit der Untersuchung für einen weiteren Stollen an der Seugenstaffel war begonnen worden.

Die Felsen beidseitig des Neckars bestehen aus Muschelkalk und boten damit ein ausreichend stabiles Gestein für die Errichtung von Luftschutzanlagen. Beim Bau der Stollen stellten sich aber unerwartete Komplikationen ein. Die Feuchtigkeit in den Felsen war erheblich unterschätzt worden, so dass die Arbeiter mit unerwarteter Nässe zu kämpfen hatten. An diesem Umstand änderte sich auch nichts, als die Stollen schließlich für die Zivilbevölkerung freigegeben wurde.

Diesem Umstand ist es letztlich auch geschuldet, dass die Stollen heute alle verschlossen und für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind. Nicht nur die Ansammlung von Wasser in den Anlagen, sondern auch damit verbundene Verbrüche schufen ein zu hohes Haftungsrisiko.