Nockherberg

Der Nockherberg verdankt seinen Namen der Bankiersfamilie Nockher, die seit 1789 auf der östlichen Isarhöhe ein Sommerhaus an der heutigen Straße Am Nockherberg hatte.

1623 wurde in der Au das Kloster Neudeck gegründet, das zunächst Basilianer und ab 1627/29 Paulaner beherbergte. 1799 wurde das Kloster aufgelöst. Die Gebäude wurden zunächst als Militärhospital weiter genutzt, später als Gefängnis (Justizvollzugsanstalt Neudeck). Teile des Klosters sind heute noch erhalten und gehören zum Landratsamt.

Die Paulaner-Mönche begründeten im Kloster die Bierbrautradition und auch die Tradition des Starkbiers, die bis heute mit dem Nockherberg verbunden ist. Nach der Aufhebung des Klosters etablierte Bräu Franz Xaver Zacherl hier ab 1806 die Paulaner Brauerei als private Braugesellschaft.

Mit der Expansion des Unternehmens wuchs auch der Bedarf an Kellerraum. So entstanden im Nockherberg entsprechende Bierkeller als Lagerräume. Der Bierausschank verlagerte sich vom ehemaligen Kloster auf den Nockherberg, nachdem Bankier Nockher sein dortiges Sommerhaus 1858 an Franz Xaver Zacherl verkaufte. Dieser baute das Sommerhaus zum Biergarten mit Bierkeller (Kellerlokal) um. Bei einem Luftangriff am 24. April 1944 wurde das Anwesen samt Bierkeller fast vollständig zerstört. Am 11. März 1950 wurde der Bierkeller wiedereröffnet, 2001 jedoch endgültig abgerissen und 2003 durch den heutigen rein oberirdischen Paulaner Festsaal ersetzt.

Am 02. Mai 1919 traf am Nockherberg die 1. Kompanie der Freikorps auf die Verteidiger der Kommunistischen Räterepublik, die hier Maschinengewehre in Stellung gebracht hatten. Auf Seiten der Freikorps stand hier auch der spätere SA-Chef Ernst Röhm. Die Koalition aus Reichswehr und Freikorps kämpfte die Revolution nieder. Den Kämpfen fielen in München insgesamt 557 Menschen zum Opfer.

In den Brauereistollen im Nockherberg wurde bereits 1938 der sogenannte „Gauleiter-Bunker“ für Gauleiter Adolf Wagner eingerichtet, in dem sich die „Zentrale Befehlsstelle des Luft- und Feuerschutzes“ für München befand. Ein Teil der Anlage wurde auch als Luftschutzanlage für die Zivilbevölkerung ausgelegt. Aus dieser Zeit stammen die massiven Betonvorbauten, die noch heute vorhanden sind, sowohl am Nockherberg als auch am eigentlichen Eingang zu den Brauereistollen von der Strasse aus.

Von der Strasse her gibt es noch immer drei Zugänge. Neben dem durch den Splitterschutzvorbau gedeckten Eingang verbergen sich diese hinter zwei unscheinbaren Türen in der Mauer, wovon eine immerhin mit einer Hausnummer versehen ist. Hinter dieser führt eine Treppe in die Anlage, von der rechten Türe aus gelangt man über eine Rampe in den Stollen.

Zum Bach hin wurden am Hang zwei Notausstiege angebracht, die auf den ersten Blick wie Stützmauern wirken. Die massiven Betonbauten sind vor allem im Winter gut zu erkennen, wenn die umgebende Vegetation das Laub abgeworfen hat. Die Notausgänge sind heute vermauert. Die ehemaligen Ausgänge sind aber noch immer erkennbar.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Stollenanlage von der Polizei als Schiessbahn verwendet, danach nutzte ein Verein namens Schlaraffia die Räumlichkeiten. Eine zeitlang wurden in den ehemaligen Brauerei- und Luftschutzstollen Veranstaltungen ausgerichtet. Heute obliegt die Verwaltung der Paulaner Brauerei. Leider scheint dort kein Interesse daran zu bestehen die historischen Räumlichkeiten für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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