Feuerbach Bahnhof

Im Spätsommer 1939 begannen die Arbeiten für einen Luftschutzstollen neben dem Bahnhofsgebäude in Feuerbach. Es war das erste Bunkerprojekt an diesem Standort, mit dessen Bau begonnen wurde.

Im Bahndamm unter den Gleisen entstand ein 75 Meter langer und 3 Meter breiter Stollen, der vom Bahnhofsgebäude bis zum Bahndurchlass der Borsigstraße reicht. Zugänge soll es neben dem Bahnhofsgebäude und im Bahndurchlass gegeben haben. Der Stollen wurde komplett ausbetoniert. Toiletten und elektrisches Licht wurden eingebaut. Die Anlage wurde als öffentlicher Luftschutzraum vom Reich bezahlt und vom Tiefbauamt der Stadt Stuttgart als lokalem Bauherrn erstellt. Dies ist insofern bemerkenswert, als der Bunker im Gelände der Reichsbahn errichtet wurde, die aber weder als Bauherr noch als Auftraggeber fungierte.

Die Bahnhöfe Feuerbach und Untertürkheim waren beim Bau von Luftschutzräumen besonders hoch priorisiert worden, da sie täglich von einer großen Zahl an Pendlern genutzt wurden, die in den nahegelegenen Industriebetrieben arbeiteten, die überdies auch als kriegswichtig eingestuft waren.

Die Baumaßnahmen zum Schutz der Pendler vor Luftangriffen lagen in der Hoheit der Stadt, die die Kosten dafür selbst trug, sie mit dem Reich teilte oder von dort ganz erstattet bekam. Die Kostenteilung war einzelfallabhängig. So übernahm das Reich nicht nur die 170.000 RM Baukosten für diese Baumaßnahme sondern auch die 100.000 RM für den Winkelturm am Bahnhof Untertürkheim. Der Winkelturm in Feuerbach schlug dagegen nur mit 70.878,84 RM zu Buche. Der Baubeschluss hierfür erfolgte am 10.10.1939, die Auftragserteilung ging an die Baufirma Wayss & Freytag am 31.10.1939.

Zu diesem Zeitpunkt waren am Wiener Platz die Bauarbeiten für den Luftschutzstollen längst im Gange. In einer nichtöffentlichen Sitzung der Ratsherren der Stadt Stuttgart vom 21. September 1939 berichtete Stadtrat Dr. Schwarz jedoch von erheblichen Schwierigkeiten bei der „Beifuhr der Baustoffe“ „wegen der bekannten Einschränkungen im Kraftwagenverkehr“. Man rechnete in den ersten Wochen des Krieges mit „einer nun eintretenden Arbeitslosigkeit, solange die Umstellung auf die Kriegswirtschaft nicht durchgeführt ist“ (Dr. Schwarz).

In der Bauwirtschaft rührte das unter anderem daher, dass viele nicht kriegsrelevante Bauprojekte eingestellt wurden, wie etwa die Adolf-Hitler-Kampfbahn (das heutige Daimler-Stadion), das Reichsinstitut für Puppenspiele oder der Wohnungsbau. Doch die laufenden Bauprojekte litten unter der Kontigentierung von Kraftstoffen und der Requirierung von Transportkapazitäten für die Wehrmacht. Dr. Schwarz führte daher in seinem Bericht aus: „Es ist vorgesehen, nach Möglichkeit die Strassenbahn einzusetzen.“ So kamen wohl Baustoffe für den Stollen und den benachbarten Winkelturm auch mit Fahrzeugen der Straßenbahn zum Wiener Platz.

Im Frühjahr/Sommer 1940 war der Stollen fertig und konnte genutzt werden. Der Winkelturm war zwar am 05. Mai 1940 im Rohbau fertig, doch erst im Oktober wurde dort die Lüftungsanlage eingebaut. Die Bauarbeiten am Wiener Platz waren damit aber nicht abgeschlossen, sondern steuerten geradewegs auf einen neuen Höhepunkt zu: Den Bau des Tiefbunkers, der im Herbst 1940 beschlossen wurde.

Bis zu dessen Fertigstellung 1941 standen den Pendlern am Feuerbacher Bahnhof der Stollen im Bahndamm und der Winkelturm zur Verfügung. Wurde letzterer während des Kalten Krieges noch in Zivilschutzbindung genommen, geriet der Stollen am Bahnhof in Vergessenheit. Mit der Neugestaltung des Wiener Platzes 1988-90 verschwanden auch die letzten Spuren des Bauwerks.

So waren im Sommer 2014 die Erwartungen durchaus beträchtlich, als im Rahmen der Baumaßnahmen für Stuttgart 21 auch Untersuchungen begannen, die den Verbleib und Erhalt dieses ersten Bunkers am Feuerbacher Bahnhof klären sollten. An Ideen zur musealen Nutzung hatte es nicht gefehlt. Der Standort in unmittelbarer Nähe der beiden bereits existierenden Museumsbunker wäre hoch attraktiv gewesen.

Die Untersuchungen ergaben jedoch im Herbst 2014, dass das Bauwerk spätestens im Zuge der Umgestaltung des Wiener Platzes vollständig und dauerhaft verfüllt worden war. Für die Bauleiter des Feuerbacher Stuttgart 21-Bauloses war dies eine gute Nachricht, für die Unterstützer der Idee eines weiteren Museumsbunkers eine Enttäuschung.