Flakbatterie S-Stammheim

Die Nördlichste Batterie der Schweren Flak zur Verteidigung der Stadt Stuttgart befand sich auf Möglinger Gemarkung. Im Heimatbuch Münchingens wird sie in den Gewannen Kallenberg und Witthau verortet. Das Batteriegelände lag jedoch nördlich davon auf der Stammheimer Höhe. In der Liste der Schweren Flak-Stellungen Stuttgarts wird sie als Batterie Stammheim geführt.

Die Batterie nahm für ihre Baracken, Geschützstellungen, sowie die Meß- und Umwertungsstaffel ein Gebiet zwischen der A 81 und der heutigen L 1110 ein westlich vom Brosi-Hof ein, das heute im Norden vom Hofladen Giek und im Süden von der Gärtnerei Appich begrenzt wird. Das Batteriegelände bot eine freie, weite Sicht nach Ludwigsburg, Kornwestheim, Stammheim, Feuerbach, Burgholzhof, Korntal und Münchingen. Damit konnten bei Nacht auch die Mündungsfeuer der direkten Nachbarbatterien in Kornwestheim, Münchingen und auf dem Burgholzhof gesehen werden.

Die Stellung wurde bereits zu Beginn des 2. Weltkriegs mit vier 8,8 cm-Kanonen besetzt, die in feldmäßigen Bettungen aufgestellt und von Erdwallungen umgeben wurden. Die Baracken der Geschützstaffel waren in die Erde eingegraben worden. Damit waren sie dem Luftdruck weniger ausgesetzt, der beim Abfeuern der Geschütze entstand, außerdem behinderten sie so die Geschütze nicht, die einen kompletten 360-Grad-Umkreis abdecken konnten. Die etwas von den Kanonen entfernten Baracken der Meßstaffel waren ebenerdig angelegt.

Im Februar 1941 war hier die 1./Res.502 stationiert. Anfang 1943 war die Batterie mit der 3./s. 241 (3. Schwere Flakbatterie 241) belegt und verfügte bereits über sechs 8,8 cm-Geschütze, die in einem 150 m durchmessenden Kreis angeordnet waren.

Am 15. Februar Februar 1943 wurden Oberschüler des Jahrgangs 1926 der Ludwigsburger Mörike Oberrealschule als Luftwaffenhelfer eingezogen. Mehrere von ihnen wurden der Batterie Stammheim zugeteilt. Ihren ersten Einsatz bei einem Luftangriff auf Stuttgart absolvierten sie am 15. April 1943.

Obwohl im September 30 neuen Flakhelfer des Jahrgangs 1927 in die Batterie kamen, wurden offenbar nicht alle Flakhelfer der ersten Besetzung ausgetauscht. So war Manfred Wagner bis zu seiner Entlassung am 22. Februar 1944 in der Stellung bei Stammheim, die irgendwann von der 6./s. 460 belegt wurde. Wagner diente in beiden Batterien, wie seinem Bericht in Hermann Quecks Buch „Noch einmal davongekommen“ zu entnehmen ist.

Am 10. Januar 1944 wurden Schüler des Jahrgangs 1928 der Ludwigsburger Friedrich-Schiller-Oberschule sowie aus den Oberschulen in Leonberg und Korntal zur Flak in Stammheim einberufen. Während die erste Gruppe der Flakhelfer in Stammheim das Glück hatte, keinen Angriff auf die Batterie miterleben zu müssen, verloren die Flakhelfer des Jahrgangs 1928 in Stammheim einige persönliche Utensilien, als eine Brandbombe ihre Baracke zerstörte.

Am 13. Juli 1944 verlegte die 6./s. 460 zusammen mit mehreren anderen Batterien der Schweren Flakabteilung 460 nach Auschwitz. Entgegen der Verordnung über den Einsatzort von Luftwaffenhelfern nahmen die Batterien diese mit nach Polen.

Die 6./s. 460 löste sich am 22. Januar 1945 in Chelmek auf. Die Geschütze wurden einzeln zum Erdkampf aufgestellt und bekämpften vor allem sowjetische Panzer bis sie wegen Munitionsmangel gesprengt wurden. Zwar überlebten die meisten der Flakhelfer die mörderischen Kämpfe und konnten einer Einkesselung entgehen. Doch viele von Ihnen wurden anschließend in den RAD eingegliedert, wo sie bei Kehlheim an der Donau erneut bei der Flak eingesetzt wurden.

Welche Batterie die 6./s. 460 in der Stellung in Stammheim im Juli 1944 ersetzte, ist nicht bekannt.