Iselshausen bei Nagold

calwer deckenfabrik fw 0613

Ehemaliges Fabrikgebäude der Calwer Deckenfabrik in Iselshausen Ende 2018. 1944-45 produzierte hier Daimler-Benz Flugmotorenteile, weil die Fertigung in Sindelfingen zu stark von Luftangriffen bedroht war. Im September 1944 wurde das Werk Sindelfingen durch alliierte Bomben zu 75% zerstört. Foto: Florian Wein.

Die Geschichte der Calwer Deckenfabrik Iselshausen geht zurück auf Adam Sannwald, der im Mai 1837 zusammen mit A.F. Hartranft auf den Safferwiesen eine Wollspinnerei eröffnete.

Das Unternehmen war jedoch unrentabel. 1839 pachtete Sannwald Räume in der Wollspinnerei Rentschler in der Freudenstädter Straße in Nagold. 1844 verlegte er sein Unternehmen zurück nach Iselshausen. 1866 heiratete er die Calwer Unternehmerstochter Ida Wagner. 1887 fusionierten die beiden Firmen. Aus dieser Zeit stammt auch der neue Shedbau.

Das Unternehmen prägte Iselshausen für Jahrzehnte. Bis zu 300 Menschen arbeiteten in der Deckenfabrik, die auch in Werkswohnungen investierte und so zur Entwicklung Iselshausens maßgeblich beitrug.

Mit dem Beschluss des Rüstungsministeriums zur Verlagerung der Textilproduktion nach Frankreich, um die einheimischen Fabriken der Rüstungsindustrie zur Verfügung stellen zu können, folgte auch in Iselshausen die Umwidmung.

Ab Oktober 1943 wurden die Gebäude der Deckenfabrik für Daimler-Benz umgerüstet. Das Projekt unter dem Decknamen „Schwarzwald I“ war die größte Teilverlagerung aus dem Daimler-Werk in Sindelfingen.

Im Januar 1944 lief in Iselshausen die Produktion von Flugmotorenteilen an. Der Verlagerungsbetrieb beschäftigte 490 Personen, davon 311 Ausländer, vor allem Niederländer und Franzosen, die zwar nicht den Status von KZ-Häftlingen hatten, aber dennoch zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt worden waren.

Die Beschäftigten waren teilweise in einem Sägewerk in Nagold untergebracht, teilweise in der Gaststätte „Lamm“. Neben der Produktionstätigkeit wurden die Arbeiter auch zum Schneeräumen, für Luftschutzarbeiten und im Steinbruch für den Bau eines Flugplatzes eingesetzt. Dieser wird in den Quellen nicht namentlich genannt. Die nächstgelegene Flugplatz-Baustelle war zu diesem Zeitpunkt Mötzingen, der seit 1940 als Scheinflugplatz genutzt, und nun zumindest zum Ausweichplatz für Nachtjäger ausgebaut wurde.

Die Produktion für Daimler-Benz endete erst im April 1945.

Nach dem Krieg ging die Deckenproduktion in Iselshausen weiter. Das Werk existierte noch bis in die 1990er Jahre.

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