BUNKERbiotop

Werner Lorke: BUNKERbiotop

Im Bunker unter dem Marktplatz von Stuttgart, herausgegeben von Jörg Esefeld und Werner Lorke, edition esefeld & traub, Stuttgart 2006, ISBN 3-9809887-2-4, Broschur 144 Seiten

Der Bunker unter dem Stuttgarter Marktplatz ist inzwischen zu einer mythenumrankten Legende geworden. Wenn das Bauwerk im Rahmen der langen Nacht der Museen einmal im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich ist, stehen die Menschen weit länger als eine Stunde an, um  in jenes geheimnisvolle Bauwerk gelangen können, das unter dem Marktplatz langsam aber sicher verschimmelt.

Die einzigartig lange Nutzungszeit des einstigen Luftschutzbunkers als Hotel bis 1985 und die dadurch entstandenen unzähligen Referenzen prominenter Gäste haben den Kultstatus des Bunkers genauso befördert, wie seine exponierte Lage und diverse Vorstöße zur weiteren Nutzung.

Doch es waren letztlich keine Historiker, die sich an ein Buch zu diesem geschichtsträchtigen Ort machten, sondern der Architekt und Stadtplaner Jörg Esefeld, der von Berufs wegen an solchen Anlagen interessiert ist und der Physiker und Fotograf Professor Werner Lorke, der sich mit der Veränderung von Materialien im Laufe der Zeit beschäftigt.

So ist ein außergewöhnliches Bild entstanden, das sehr verschiedene Aspekte des Bunkers beleuchtet. Die beiden liefern die Geschichte des Bunkers von den Planungen, den schon vor dem Bau diskutierten möglichen Nachkriegsnutzungen, über die Realisierung, die eigentliche bestimmte Nutzung während des Krieges und die lange Nachkriegsnutzung bis hin zu jenen Diskussionen, die den Bunker der Vergessenheit entreißen wollten.

Schon dieses Unterfangen ist äußerst löblich, gerade im Sinne einer guten architektonisch und geschichtlich geprägten Dokumentation. Da sind aber noch die teilweise spektakulär zu nennenden Fotos Werner Lorkes, der die Räume und ihre Details mit einem nüchternen, aber sehr scharfen Auge eingefangen hat. Ihn interessierte das geheime Leben im verlassenen Bunkerhotel. So enthält das Buch zahlreiche Fotos von Schimmelpilzkulturen, die die Autoren im Bunker vorgefunden haben und eine ausführliche Erklärung und Darstellung dieser Pilze.

Das Thema Schimmelpilz ist für viele sicher zunächst abschreckend. Doch was Lorke und Esefeld in ihrem Buch  auf 24 x 34,5 cm in bestechenden Farben präsentieren sind imposante Momentaufnahmen des sterbenden Mythos Bunkerhotel.

Die Tapetenreste hängen teils von den Wänden, sind teils abgerissen, an anderen Stellen kleben sie noch fest, durchzogen vom Farbspiel der dort aktiven Pilzkulturen, die eine ganz erstaunliche Ästhetik liefern.

Dieses Buch ist eine Momentaufnahme in einem Ort, der in den letzten Jahren immer mehr Kult wurde. Es ist eine Bereicherung für jeden, der sich für den Bunker unter dem Marktplatz interessiert. Und es schärft den Blick, wenn man durch historische unterirdische Bauwerke geht.

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