Noch einmal davon gekommen

Hermann Queck (Hrsg): Noch einmal davon gekommen

Verlag DMZ Gerlingen, 2010, ISBN: 978-3-940606-49-5, 450 Seiten

2007 veröffentlichte Hermann Queck mit „das ‚bisschen’ Angriff…“ sein erstes Buch, das Erinnerungen von Flakhelfern im Südwesten versammelte. Es waren vor allem die Jahrgänge 1927 und 1928 die man zu Tausenden rekrutierte, um die eigentlichen Flak-Soldaten an der „Heimatfront“ zu ersetzen, und diese an der Front einsetzen zu können. So waren es nach Schätzungen rund 20.000 Schüler im Alter von 15 bis 17, die in den letzten beiden Kriegsjahren gegen die immer größeren Bomberflotten kämpften, angeleitet von älteren Soldaten.

Viele überlebten den Einsatz nicht. Und die Überlebenden waren gezeichnet. Waren sie zunächst keine Wehrmachtsangehörigen – also eigentlich irreguläre Kämpfer – wurden sie vor dem Eindruck des herannahenden Feindes schnell zu regulären Soldaten gemacht. So waren sie bei Gefangennahme zwar rechtlich nicht mehr wie Partisanen vogelfrei, aber andererseits Kindersoldaten ohne eigenes Zutun geworden, mit allen Folgen: Kriegsgefangenschaft zunächst, später Anfeindungen als Mitläufer und „Nazis“. Sie hatten letztlich keine Chance es jemandem Recht zu machen, irgendwann einmal auf der „richtigen Seite“ zu stehen.

So kam es auch, dass es sehr lange dauerte, bis eine entsprechende Literatur über die Flakhelfer entstand. Das erste Buch von Hermann Queck war ein löbliches und mutiges Unterfangen. Mit vielen, bis dahin unbekannten Fotos vor allem aus Stuttgart und Umgebung, aber auch mit den Erinnerungen von Flakhelfern aus dem Südwesten die in Rastatt, Ulm, ja sogar in Berlin und Auschwitz eingesetzt wurden, schloss er eine große Lücke. Dabei rechnete er nicht damit, dass er eine Lawine ins Rollen bringen würde.

Sein 80 Seiten starker Band brachte ihm schlagartig Ummengen an Zeitzeugenberichten, Fotos, Zuschriften von ehemaligen Flakhelfern aus der Region ein, so dass Hermann Queck 2008 mit „Jugend an der Front“ auf 338 Seiten eine Neuauflage des Themas startete.

2010 schließlich erschien unter dem Titel „Noch einmal davon gekommen“ das dritte Werk zum Thema. Es enthält alle Beiträge der vorhergehenden Bücher und ist noch einmal deutlich erweitert. Nach eigenen Aussagen ist jetzt „Schluss mit dem Thema.“ Und Queck kann sich tatsächlich wohlverdient anderen Projekten widmen.

Vermutlich hat er mit diesem Buch eine der umfassendsten Dokumentationen zum Thema überhaupt geschaffen. Neben zahlreichen Details zur Organisation der Luftwarnzonen und der Luftabwehr im Südwesten sind inzwischen zu sehr vielen Flak-Stellungen im Südwesten Zeitzeugenberichte mit teils erstaunlichen Details und zahlreiche Fotos versammelt, so dass das Buch eine erstklassige Quelle zur Rekonstruktion der Ereignisse, aber auch der örtlichen Gegebenheiten der ehemaligen Flakstellungen liefert.

Queck gibt eine Aufstellung der Angriffe auf Stuttgart und der dabei entstandenen Opfer mit spezifischen Kommentaren zur Situation der Luftwaffenhelfer, bzw. der Flak, so z.B. den Angriff vom 26.07.1944 als in Möhringen 16 Luftwaffenhelfer fielen. Und er zitiert amerikanische Quellen, die die Wirkung der deutschen Flak in Zahlen fassen. Während vor dem Hintergrund der dauernden Luftangriffe und später der Niederlage die Flak auf deutscher Seite als weitgehend wirkungslos dargestellt wurde, sprechen diese Quellen eine andere Sprache: Deutsche Flak schoss 5.400 US-Flugzeuge ab und an der Ostfront ca. 17.000 Flugzeuge. Britische Zahlen sind hier nicht eingerechnet. Diese Angaben zeigen, wie erbittert der Kampf geführt wurde und auch wie verlustreich die Luftangriffe für die Alliierten letztlich waren.

Viele Fotos, Zeichnungen, sogar Aquarelle von Stellungen oder von Kampfhandlungen in diesem Buch wurden zuvor noch nie veröffentlicht. Dazu zählt auch das Aquarell von Paul Fischer auf dem Umschlagbild. Es zeigt die Flakstellung auf dem Birkenkopf im Einsatz.

Allen, die sich für das Schicksal der Stuttgarter Flak-Batterien und ihrer Flak-Helfer interessieren sei auch Günter Aicheles Buch „Schülersoldaten Soldatenschüler“ empfohlen.

Mehr zur Flak in Stuttgart im 2. Weltkrieg:

Innenstadt-Flak

Die Batterie Birkenkopf und der Trümmerberg

Flakbatterie und Scheinanlage Weilimdorf