Die Flakbatterie 3./s. 436 in Esslingen Sulzgries

Gerhard E. Kümmel: Die Flakbatterie 3./s. 436 in Esslingen Sulzgries
Einsatz Esslinger Oberschüler als Luftwaffenhelfer

Esslingen, 2019 (epubli), ISBN: 978-3-7502-4293-7, 60 Seiten

Zum Schutz der Stadt Stuttgart vor Luftangriffen hatte die Luftwaffe ab Kriegsbeginn um den Talkessel herum Schwere Flakstellungen geschaffen. Die Markungsgrenzen interessierten die Militärs nicht, so dass nur ein Teil der schweren Stuttgarter Flak auch tatsächlich im Stadtgebiet in Stellung ging.

Die meisten Informationen zu den Flakstellungen und eingesetzten Einheiten in Stuttgart stammen von ehemaligen Luftwaffenhelfern, die ab 1943 als Schüler zum Dienst an den Kanonen, Scheinwerfern und teilweise auch den Horchgeräten der Luftwaffe eingezogen wurden. Dies trifft auch auf die Publikation von Gerhard E. Kümmel zu, der selbst freilich ein Nachkriegskind ist. Aber seine wesentlichen Quellen sind die teils schriftlich vorhandenen Berichte von Flakhelfern, sowie Gespräche, die er mit ehemaligen Flakhelfern führen konnte.

Kümmel hat die Geschichte der Batterie Sulzgries aus den zur Verfügung stehenden Quellen rekonstruiert, vor allem vom ersten Einsatz von Flakhelfern an, aber auch bis in die Nachkriegszeit hinein. Er zitiert die Berichte der Zeitzeugen, hat Luftbilder, eine Karte und Fotos zusammengetragen und damit ein schlüssiges und rundes Bild geschaffen, das sich erfreulich sachlich in die Literatur zu den Stuttgarter Flakstellungen einfügt.

Die Einschätzung, dass wenige schwere Flakstellungen in Stuttgart so groß waren wie Sulzgries ist nicht ganz richtig. Sie basiert auf der Einschätzung der dort stationierten Flakhelfer. Letztlich ist diese Art von Kategorisierung aber unerheblich. Die schweren Flak-Batterien um Stuttgart verfügten über 8,8-cm, manche sogar über 10,5-cm Kanonen. Vor allem nach 1943 kamen auch ältere 8,8-cm Kanonen zum Einsatz, oder Beutegeschütze. Mit sechs 8,8-cm Kanonen 18/36 und der beigeordneten Leichten 2 cm-Flak hatte die Batterie aber eine beachtliche Feuerkraft, die mit den Nachbarbatterien in Luginsland, Heumaden und auf der Wangener Höhe das Neckartal sperren sollten.

Die Batterien konnten letztlich die schweren Angriffe auf die Industrie und die umliegenden Wohngebiete im Neckartal nicht verhindern, genauso wenig wie die künstliche Vernebelung, die die Luftwaffe trotz Protesten aus der Landwirtschaft und den erheblichen Schäden an der Vegetation über die Produktionsstätten im Tal legte. Aber sie trieben auf alliierter Seite den Preis für diese Angriffe in die Höhe.

Kümmel liefert auch bemerkenswerte Einblicke in die letzten Stunden der Batterie, als die Flakhelfer bereits weggeschickt worden waren, und die Batterie am 21.04.1945 noch in den Erdkampf eingriff. Sowohl ihr Feuer auf gegnerische Einheiten im Raum Ruit und der Autobahn nach Kirchheim ist von Zeitzeugen an mehreren Stellen erwähnt, als auch der letzte Schußwechsel einer deutschen Flakbatterie mit den auf Stuttgart vorrückenden Alliierten.

Die Batterie Sulzgries richtete noch am 21.04.1945 um 15 Uhr ihr Feuer auf eine Artilleriestellung der Amerikaner, bei Stetten im Remstal. Die Antwort kam aus Richtung Katharienlinde um 18 Uhr. Unter dem Eindruck dieses Beschusses wurde die Batterie geräumt und gesprengt. Erfreulicherweise wird auch die Scheinwerferstellung in Esslingen-Hegensberg kurz beschrieben. Da zu den Scheinwerferstellungen nur sehr wenige Berichte vorliegen, liefert Kümmel damit zusätzlichen einen wertvollen Beitrag zur lokalen Geschichte.