Die Sperrstellen im Schwarzwald

Sperrstellen TitelseiteFriedrich Wein: Die Sperrstellen im Schwarzwald – Die Anfänge des Westwallbaus 1936

Explorate-Verlag Königsfeld, 2014, ISBN: 078-3-937779-20-1, 122 Seiten

Das Bild des Westwalls in der Öffentlichkeit ist im Wesentlichen geprägt von den Bunkern, die man ab 1938 hastig und von immensem propagandistischem Aufwand begleitet auf 630 km Länge an der Grenze zu Frankreich errichtete.

Tatsächlich waren die Maßnahmen zur Sicherung der Westgrenze schon deutlich früher eingeleitet worden. Erste Erkundungen östlich der 50-km-Zone gab es ab ca. 1920. Diese führten u.a. zur Konzeption der Neckar-Enz-Stellung und Wetterau-Main-Tauber-Stellung. Passive Sperrmaßnahmen wurden aber bereits im Grenzland geschaffen, so wurden bei Straßenneubauten und in Brücken Sprengkammern eingebaut, um im Falle eines Angriffs von Westen diese Infrastruktur zerstören zu können. Schranken wurden so massiv ausgeführt, dass sie als Hindernisse fungieren konnten.

Nach der Wiederbesetzung des Rheinlands im März 1936 wurden an den Grenzübergängen mit dem Bau von ersten Bunkern begonnen, die als Brückenköpfe einer Verteidigungsfront dienen sollten. Als erste zusammenhängende Linie von Bunkern im Rahmen des späteren Westwalls entstand der Ettlinger Riegel.

Im Schwarzwald wurden ab Frühjahr 1937 Sperrstellen errichtet, die einen Vorstoß durch das Kinzigtal und das Dreisamtal verhindern sollten. Solche Sperrstellen, bestehend aus bis zu 9 Kampfständen für Maschinengewehre wurden an 33 Punkten zwischen Ettlingen und Rheinfelden (Baden) angelegt. Im Bereich des Ettlinger Riegels wurde ein bis zu 20 m breiter Panzergraben angelegt, der durch MG-Kasematten und Schartenstände verstärkt wurde. In Bereitschaft stehende Panzerabwehrkanonen sollten im Verteidigungsfall feldmäßig in Stellung kommen. Bei Baden-Baden wurde eine Panzermauer errichtet, Höckerhindernisse, Drahtverhaue und Schranken verbanden die Bauwerke.

Das Buch beschreibt alle 33 Standorte der Sperrstellen, ihren einstigen Ausbau, ihre Funktion und was davon noch übrig ist. In vielen Fällen ist das nichts mehr, oder es sind die kleinen Spuren, die nur aufmerksame Besucher entdecken: Die Betonplatten der Steckhindernisse, die heute mit Kies bedeckt sind, Betonreste, rechteckige Erdwälle oder Hügel, die die Reste gesprengter Bunker bedecken oder andere Unebenheiten, die auf einstige Bauten schließen lassen.

Andere Überreste sind aber durchaus noch in sehenswertem Zustand erhalten wie die Anlage 6042 bei Karsau, die auf der Titelseite des Buches zu sehen ist, der Vierschartenstand bei Kandern, oder die Ruine des gesprengten Schartenstands 6008 bei Bleibach.

Zu den meisten Sperrstellen gibt es Kartenskizzen, die den Standort zeigen, dazu  Grundrisse der typischen Bauwerke und am Ende des Buches einige Fotos. Das Buch erschien erstmals 2008 als überarbeitete und erweiterte Fassung der Veröffentlichung „Die Sperrstellen des Westwalls im Schwarzwald“ und war zwischenzeitlich vergriffen. Es liegt nun als unveränderte 2. Auflage vor. Auch wenn sich an manchen Örtlichkeiten die im Buch beschriebene Situation seither verändert haben kann, ist diese Arbeit ein wertvoller Beitrag zur Dokumentation der deutschen Westbefestigung der 1930er Jahre in Baden-Württemberg und bislang das einzige Buch zu diesem Thema.

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