Hornisgrinde – Die Wehrgeschichte eines Schwarzwaldberges

Hornisgrinde TitelseiteFriedrich, Florian und Felix Wein: Hornisgrinde – Die Wehrgeschichte eines Schwarzwaldberges

Explorate-Verlag Königsfeld, 2014, ISBN: 978-3-937779-33-1, 116 Seiten

Ab 1930 wurde auf der Hornisgrinde Segelflug betrieben. 1938 wurde der Berg mit dem Bau der Luftverteidigungszone (LVZ) West in eine militärische Konzeption einbezogen und zum militärischen Sperrgebiet. Nach dem Abzug der schweren Flak nach der Kapitulation Frankreichs diente die Hornisgrinde vor allem als Jägerleitstelle. Noch 1945 führte die Wehrmacht hier Schanzarbeiten aus. Im April 1945 kam es in der Region zu Kampfhandlungen. Der Vormarsch der französischen Armee konnte aber nicht nachhaltig gestoppt werden.

Nach dem Krieg übernahm das französische Militär die Anlagen und baute den Berg für ihre Bedürfnisse um. Dabei wurden einige Bauten der deutschen Luftwaffe zerstört und neue hinzugefügt: Kasernengebäude, zusätzliche Bunker, eine Trafostation, Nachrichten- und Aufklärungsanlagen und andere Baumaßnahmen fallen in die Zeit der französischen Nutzung als „Station radiogoniométrique VHF“. 1999 gab die französische Armee den Stützpunkt Hornisgrinde auf und den Berg an die Bundesrepublik Deutschland zurück.

Friedrich, Florian und Felix Wein haben sich den militärischen Relikten vor allem des 2. Weltkriegs im Bereich des Schwarzwalds und angrenzender Themen verschrieben. So reiht sich dieses Buch thematisch neben jenem über die Sperrstellen in Schwarzwald und dem Werk über die LVZ West in der Region ein.

Auch in diesem Band haben die Autoren die rekonstruierte Geschichte und die Spurensuche kombiniert. Friedrich Weins Texte sind verständlich und sachlich. Sie beschreiben die militärischen Maßnahmen genauso wie die Beseitigung der Bauwerke. Dass Denkmalschutz und Konversion ihm ein Anliegen sind verhehlt er nicht. Die erweiterte Neuauflage enthält gegenüber der 1. Auflage zahlreiche historische und neue Fotos, die die Aktivitäten und das Ausmaß der militärischen Anlagen erkennbar machen. Zusätzliche Planskizzen und Karten runden das Buch ab.

Einen ungewöhnlichen und bislang praktisch gar nicht publizierten Einblick in die Geschichte der Hornisgrinde bietet die Neuauflage gleich zu Beginn. Mehrmals fanden im Bereich Hornisgrinde / Murgtal / Mummelsee grössere Polizeiübungen statt, die paramilitärischen Charakter hatten. Die Polizeiverbände unternahmen ausgedehnte Märsche, Schwimmübungen und hatten auch teilweise gepanzerte Sonderfahrzeuge dabei. Mindestens drei solcher Übungen im Jahre 1930 sind belegt. Die hier enthaltenen Fotos waren zuvor nocht nie veröffentlicht worden.

Es ist das Verdienst von Friedrich Wein und seinen Söhnen, dass die LVZ West und ihre Bestandteile in der Schwarzwald-Region publizistisch näher behandelt wurden. Neben ihren Büchern gibt es zu diesem Thema kaum vertiefende Literatur. Die Neuauflage des Werks über die Hornisgrinde bietet auch hier neue zusätzliche Informationen. Beschäftigten sich in der ersten Auflage 12 Seiten mit den Aktivitäten der deutschen Luftwaffe auf der Hornisgrinde und der LVZ West, so umfasst dieser Teil nun 28 Seiten.

Der Abschnitt „Die französische Armee auf der Hornisgrinde umfasst nun 16 Seiten gegenüber vier Seiten in der ersten Auflage, und auch der fotografische Rundgang ist deutlich erweitert.

1992 fand zum ersten Mal ein Westwalltag statt, der die LVZ West zwischen Nagold, Neckar und Schwarzwald thematisierte. Zu diesem Zeitpunkt war die Hornisgrinde noch militärisches Sperrgebiet. 2002 konnten die noch weitgehend erhaltenen Bauten dann vor Ort in Augenschein genommen werden. 2005 fand die erste Führung im Rahmen des Tags des offenen Denkmals auf der Hornisgrinde statt. Seit 2009 kann der französische Kommandobunker am Tag des offenen Denkmals besichtigt werden. Zusätzlich werden Führungen über die Gipfelhochfläche angeboten, die ein Bild der ehemaligen militärischen Anlagen vermitteln.

2009 erschien auch die erste Auflage dieses Buches. Sie hatte 70 Seiten. Die Neuauflage umfasst 116 Seiten und ist somit nicht nur für diejenigen empfehlenswert, die das Buch noch nicht hatten, sondern durchaus auch für Interessierte, die nach der ersten Auflage mehr zum Thema wissen wollen.