Löschteiche der Hirth-Motorenwerke

Die Schlotwiese war bis zum Beginn des 2. Weltkriegs ein Sport- und Naherholungsgebiet am Rand von Zuffenhausen, dessen Entstehungsgeschichte bereits vor dem 1. Weltkrieg begann.

1942 beantragte der Flugmotoren-Hersteller „Hirth-Motoren GmbH“ die Genehmigung für die Errichtung eines Zwangsarbeiter-Lagers auf der Schlotwiese. Die Arbeiter sollten in der Produktion von Kolbenmotoren eingesetzt werden. Das Unternehmen war von dem Mahle-Mitbegründer Hellmuth Hirth 1927 in Zuffenhausen gegründet worden.

Nach Hirths Tod 1938 war das Unternehmen 1941 in die Ernst Heinkel Flugzeugwerke eingegliedert worden, der Name Hirth wurde jedoch weitergeführt. In Zuffenhausen wurde Anfang 1943 die Sonderentwicklung der Heinkel-Werke angesiedelt, da der vormalige Standort in Rostock durch Luftangriffe zerstört worden war. Im Werk der Firma Hirth wurde das Strahltriebwerk He S 011 entwickelt und zur praktischen Baureife gebracht. Die geplante Serienfertigung kam allerdings kriegsbedingt nicht mehr zustande.

Neben den Baracken des Hirth-Lagers entstanden kurz darauf weitere Baracken, in denen die Stadt Stuttgart Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene einquartierte. So wurde das Lager Schlotwiese mit rund 3.000 Zwangsarbeitern das größte Lager dieser Art auf Stuttgarter Gemarkung.

Unweit des Lagers wurden 1942 im Wald auch zwei Staubereiche angelegt, die noch heute erhalten sind. Durch die Staustellen entstanden zwei Löschteiche, aus denen die Werksfeuerwehr der „Hirth-Motoren GmbH“ Löschwasser beziehen konnte, wenn im Werk durch Luftangriffe Brände ausbrechen würden. Die Bauarbeiten führte der Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) durch, in dessen Zuständigkeit derartige Maßnahmen lagen. Die Gravur „SHD 1942“ ist bis heute im Beton sehr gut erhalten.

Zwar waren die Hirth-Werke nicht explizit auf der Liste der hochrangingen Bombenziele aufgeführt, ihre Lage im Norden Stuttgarts und unweit der Feuerbacher Bosch-Werke begründete eine akute Gefährdung durch Luftangriffe. In den Jahren 1944 und 1945 flogen die Alliierten mehrere Luftangriffe gegen den Industriegürtel im Norden / Nordosten der Stadt und verursachten schwere Verwüstungen in Zuffenhausen, Feuerbach, entlang der Pragstraße, in Bad Cannstatt und Untertürkheim.

Noch heute finden sich im Stadtwald von Zuffenhausen zahleiche Bombentrichter, die zeigen, wie heftig diese Bombardements ausfielen. Auch unweit der Löschwasserteiche schlugen Bomben ein. Die Staustellen blieben jedoch unversehrt. Nach dem Krieg wurden sie geöffnet und sich selbst überlassen. Heute sind sie praktisch in Vergessenheit geraten und von den zahlreichen Spaziergängern, Joggern und Radfahrern, die unweit der Stauwehre die Waldwege benutzen bleiben sie unbeachtet.

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