Flak in Heilbronn

Bereits während der Sudetenkrise 1938 war die Reserve-Flak-Abteilung 253 aufgestellt worden, der der Schutz Heilbronns zugewiesen wurde. Nach Ende der Krise wurde die Abteilung aufgelöst. Am 25./26. August 1939 wurde sie erneut aufgestellt. Die Mannschaften waren von der Flak-Kaserne in Ludwigsburg gekommen und in der Robert-Mayer-Oberschule in der Bismarckstraße gesammelt worden. Die Einkleidung erfolgte im Flak-Beständelager in der Salzstraße.

Am 27. August um 14 Uhr meldete die Abteilung aus ihren Stellungen feuerbereit.

Die Abteilung war in fünf Batterien gegliedert und verfügte über 12 Schwere und 16 Leichte Geschütze, sowie über 8 Scheinwerfer. Ihre Stellungen lagen in Heilbronn, Neckarsulm und Neckargartach. In Neckarsulm stand die Schwere Flak m Gewann Klauenfuß am Südausgang der Stadt, in Neckargartach am Grasigen Weg, in Heilbronn beim Wasserturm und dem Römerkastell in Böckingen.

Die Leichte Flak war in Neckarsulm bei der NSU zusammengezogen, sowie beim Wasserbehälter. In Heilbronn wurden die Geschütze bei den Firmen Hagenbucher, Silberwaren Bruckmann, Brauerei Cluss, auf den Silos von Knorr und Kaiser’s Kaffee, im Industrieviertel und bei der Gärtnerei Kölle am Kanalhafen aufgestellt.

Werbepostkarte der Firma Knorr mit Ansicht des Firmengeländes in Heilbronn. Das Luftbild dürfte noch aus der Vorkriegszeit stammen. Auf dem Dach des Silos stand während des Krieges eine Leichte Flak,

Der erste Kriegsmonat schien die Befürchtungen der Luftwaffe zu bestätigen. Immer wieder tauchten feindliche Flugzeuge im Luftraum über Heilbronn auf. Am 19. September 1939 gab die Flak erstmals einen Warnschuss ab, am 26. feuerte die Batterie in Neckargartach die ersten Salven mit insgesamt 16 Schuss, aber infolge dichter Wolken konnten keine Flugzeuge aufgefasst werden. Danach wurde es ruhiger.

Im Vorfeld des Westfeldzugs wurde die Schwere Flak am 03.Mai 1940 auf dem Güterbahnhof Böckingen mit Ziel Flugplatz Laupheim verladen. Zum Schutz Heilbronns und Neckarsulms blieb eine leichte Flakbatterie zurück.

Sowohl nach der Kapitulation Frankreichs als auch im Winter 1940 wurde nochmals kurzzeitig Schwere Flak in Heilbronn stationiert, dann jedoch endgültig abgezogen. Seit Frühjahr 1940 gab es im Raum Heilbronn/Neckarsulm mehrere Nachtscheinanlagen, die feindliche Angriffe auf sich ziehen sollten.

Bei Lauffen am Neckar hatte das Luftgaukommando VII seine größte Anlage dieser Art errichtet, den Scheinbahnhof „Brasilien“, der das Stuttgarter Bahnhofsviertel imitieren sollte.

Bei Stein am Kocher war die Nachtscheinanlage „Peru“ aufgebaut worden, die Angriffe auf Heilbronn und Neckarsulm auf sich ziehen sollte. Anders als „Brasilien“ verfügte „Peru“ nicht über eigene Flak. Ca. 10 km nördlich davon war bei Möckmühl ein Scheinflugplatz angelegt worden, der vom Flugplatz Oedheim ablenken sollte. Immerhin starteten von dort ab Mai 1940 Bomber gegen Ziele in Frankreich.

Eine weitere Nachtscheinanlage, „Rio Negro“ war südlich von Eppingen geschaffen worden. Auch sie sollte sehr wahrscheinlich von Heilbronn ablenken.

Zwischen August und November 1941 erlebte Heilbronn vier Luftangriffe, die wohl wesentlich auf die Scheinanlagen zurückzuführen waren. Sie hatten weder Heilbronn noch Stuttgart gegolten. Der Angriff vom 07. Mai 1942 ist nach heutigen Erkenntnissen eindeutig der Scheinanlage zuzuordnen, er hatte Stuttgart gegolten. In Heilbronn starben 7 Menschen, 150 Häuser wurden getroffen. Bis Spätsommer 1943 existierte die Scheinanlage bei Lauffen, von der immer auch die Gefahr von Bombenwürfen auf Heilbronn ausging. Zwischen dem 07.Mai 1942 und dem 04.Dezember 1944 blieb Heilbronn aber von Luftangriffen weitgehend verschont.

Kurzfristig war Heilbronn ganz ohne Flakschutz. 1943 unterstand der Flakschutz Heilbronns der Le. Heimatflakbatterie 2/VII, die über vier Scheinwerfer und neun 2-cm-Geschütze verfügte. Das Kommando hatte Oberleutnant Dr.-Ing. Helmuth Flammer. In seinem Geschäftsgebäude Ecke Süd-/Wilhelmstraße war auch die Batteriebefehlsstelle und die Telefonvermittlung eingerichtet worden.

Sowohl die Scheinwerfer als auch die Kanonen wurden weitgehend auf den Arealen der örtlichen Unternehmen aufgestellt, in vielen Fällen in den gleichen Stellungen, die 1939 belegt worden waren. So standen sie erneut auf den Silos von Knorr und Kaiser’s Kaffee, bei Hagenbucher, der Brauerei Cluss und Silberwaren-Bruckmann, sowie auf dem WüWa-Getreide-Lagerhaus (heute WLZ), bei Gelatine-Koepff, der Litei-Kalenderfabrik und Kuvert-Mayer. Auch am damaligen Ende des Neckarkanals standen wieder Kanonen der Le. 2/VII auf Holztürmen.

Die Scheinwerfer und Geschütze wurden zu diesem Zeitpunkt mehrheitlich von Flakhelfern bedient, die in der Nähe ihrer Stellung in Baracken untergebracht waren, oder mitunter direkt im Gebäude, auf dem die Kanone stand. So hatten die Flakhelfer des Geschützes auf dem WüWa-Lagerhaus in der Gottlieb-Daimler-Straße ihre Stuben im 11. Stock des Lagerhauses.

Die FluKo-Zentrale für Heilbronn war auf dem Wartberg untergebracht, in einem Behelfsbau unweit der dortigen Gaststätte.

Am 04. Dezember 1944 wurde Heilbronn von 292 britischen Bombern angegriffen. Sprengbomben und der entfachte Feuersturm zerstörten ca. 62% des Stadtgebiets. 6.530 Menschen kamen ums Leben. Viele erstickten oder verbrannten in den Kellern, in die sie sich geflüchtet hatten.

Die Leichte Flak konnte gegen die Bomber nichts ausrichten, sie flogen zu hoch und befanden sich damit außerhalb der Reichweite der 2-cm-Kanonen.

Bis 31. März 1945 erfolgten weitere 49 Luftangriffe auf Heilbronn, darunter einige Jabo-Angriffe, die dem Vormarsch der Amerikaner auf die Stadt vorausgingen.

Als die Amerikaner am 02. April 1945 Heilbronn erreichten, hatten sich 1.000 bis 1.200 deutsche Soldaten in der von Ruinen geprägten Stadt verschanzt. Sie verwickelten die US-Truppen in einen 10-tägigen, erbitterten Häuserkampf.