Grötzingen

Die Stellung lag Luftwaffenhelfern zufolge ca. 2 km nordwestlich des Turmbergs in der Ebene am Rande des Pfinztals und damit ungefähr im Bereich der heutigen Kreuzung der Bundesstraßen 3 und 10.

Die Baracken standen unweit der Pfinz. Vom Batteriegelände blickte man direkt auf den Turmberg.

Am 18.09.1943 verlegte die 8./s.458 von der Stellung Schweihof nach Grötzingen. Dort befand sich an der Pfinz ein Werk der DWM, der den Luftwaffenhelfern als Schutzobjekt naheliegend schien, da sie im vorigen Standort bereits neben der DWM gelegen hatten. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Stellung Grötzingen nicht auf ein einzelnes Schutzobjekt ausgelegt war, sondern den Anflug auf Karlsruhe von Osten über das Pfinztal sperren sollte.

Die Stellung war höchstwahrscheinlich Ende 1941 / Anfang 1942 errichtet und möglicherweise von der 1./s. 506 belegt worden, als nach den Luftangriffen vom 05. und 06. August 1941 wieder Schwere Flak in Karlsruhe stationiert worden war. Ab dem 10.09.1941 hatte das Flakregiment 35, Flakabteilung z.b.VA Karlsruhe, seinen Gefechtsstand auf dem Turmberg.

Dafür, dass die Stellung unter Zeitdruck und ohne vorherige ausführliche Erkundung errichtet wurde, spricht, dass die Planer der Luftwaffe die örtliche Situation bei Hochwasser nur bedingt einkalkuliert hatten.

So schreibt ein Flakhelfer der 8./s.458 nach mehreren Tagen Dauerregen: „Man würde im Dreck versinken, wenn nicht Lattenroste die Baracken verbinden würden. Das Wasser kann nirgends ablaufen, Schuh- und Kleiderbürsten sind fortwährend in reger Tätigkeit“.

Im März 1942 war es zu Beschwerden des Finanzministeriums beim Landesarbeitsamt gekommen, da dieses die ins Stocken geratene Pfinzkorrektion in Grötzingen bei der Zuteilung von Kriegsgefangenen nicht in gewünschtem Maße priorisierte. Dies änderte sich erst, als darauf verwiesen wurde, dass die Produktion der DWM in Grötzingen durch Hochwasser gefährdet sei. Dennoch stand das Batteriegelände der Schweren Flak auch eineinhalb Jahre später mitten im Schlamm.

Im November 1942 war schließlich mit dem Bau der Schweren Flakstellung auf dem Turmberg beim Rittnerthof begonnen worden. Der Bau verzögerte sich erheblich. Erst im August 1943 wurde die Stellung erstmals belegt.

Am 24.Oktober 1943 wurden die Geschütze der 8./s.458 auf Eisenbahnwaggons verladen und nach Friedrichshafen-Seemoos verlegt. Es ist davon auszugehen, dass die Stellung Grötzingen danach aufgelassen wurde. Es findet sich für die Zeit nach dem Abzug der 8./s.458 keine Erwähnung der Stellung mehr und die Batterie Rittnerthof war nun Einsatzbereit, um den Ostrand Karlsruhes abzudecken.

Auf dem Knittelberg bei Grötzingen war zu Beginn des Krieges eine Horchstelle mit mindestens einem hölzernen Beobachtungsturm eingerichtet worden, die dort bis 1944 bestand. Bereits vor dem Krieg war dort eine Sperrstelle der Bodenverteidigungslinie der Luftverteidigungszone (LVZ) West zur Sicherung der Kreuzung der damaligen Reichsstraßen 3 und 10 (die heutigen B3 und B10) und der Reichsstraße 3 nördlich des Knittelbergs mit mehreren Unterständen errichtet worden.