Karlsruhe Rheinhafen

Am 01. Mai 1901 war der Karlsruher Rheinhafen für die Schifffahrt freigegeben worden. 1833 war das Dörfchen Schröck in Leopoldshafen umbenannt worden, als der dortige Hafen eröffnet wurde. Mit der Umbenennung wurde der regierende Großherzog Leopold geehrt. Allerdings waren die Hafenanlagen bescheiden und schon bald nicht mehr ausreichend. 1862 wurde daher der kleine Hafen Maxau ausgebaggert, dessen Kapazität zum Ende des 19. Jahrhunderts ebenfalls schon nicht mehr ausreichte. So fiel die Entscheidung zum Bau des heutigen Rheinhafens.

Zunächst gab es ein kleines Ölbecken und den Vorhafen. 300.000 Tonnen Güter sollten hier jährlich umgeschlagen werden. Diese Menge war schon im dritten Jahr erreicht. 1911 würde die Millionengrenze überschritten. So wurde bis 1916 das Nordbecken fertiggestellt. 1934 wurden mit dem Südbecken und 1935 mit der Erweiterung des Ölbeckens weitere Vergrößerungen geschaffen. Außerdem wurde der Stichkanal verbreitert.

Diese Baumaßnahmen waren teilweise noch als Notstandsprogramme zur Reduktion der Massenarbeitslosigkeit aufgesetzt worden. Im Zuge des Westwallbaus ab 1936 wurden auch im Rheinhafen Bunker eingebaut, so z.B. nördlich der Nördlichen Uferstraße. Über den Hafen wurden auch große Mengen Zement und Kies für die Westwallbaustellen am Oberrhein umgeschlagen.

Kriegsbeginn und erste Angriffe

Ab Beginn des Krieges wurden die Hafenschleppboote „Karlsruhe“, „Fidelitas“ und „Rhein“ im 24-Stunden-Luftschutzdienst eingesetzt. Sie sollten durch Luftangriffe verursachte Brände auf Schiffen und in Hafenanlagen löschen oder brennende Schiffe aus gefährdeten Hafenbereichen schleppen.

Eine eigene Fliegerabwehr erhielt der Hafen zunächst nicht. Am 25. August 1940 fielen erstmals Bomben auf den Hafen, ein Brennstofflager geriet dadurch in Brand. Auch am 07. November 1940 wurde der Hafen von Bomben getroffen, die Schäden blieben jedoch gering.
Der erste schwere Angriff erfolgte in der Nacht vom 05. auf den 06. August 1941 mit 97 Bombern. Getroffen wurde vor allem der Südwesten der Stadt, sowie der Rheinhafen. Es gab 33 Tote und 80 Verwundete. Da die Schwere Flak am 10. April 1941 aus Karlsruhe abgezogen worden war, standen lediglich 2- und 3,7 cm-Batterien zur Verteidigung zur Verfügung. Eine dieser Batterien war ab Februar 1941 in Mühlburg in Stellung.

Noch am 06. August wurde die Eisenbahnflakres.Abt. 224 nach Karlsruhe beordert, und im Rheinhafen in Stellung gebracht. Die Verstärkung kam gerade rechtzeitig. Denn in der folgenden Nacht schickte die RAF erneut 38 Bomber nach Karlsruhe, um die Bahnanlagen anzugreifen. 31 Flugzeuge fanden das Ziel, aber auch ein stärkere Flakabwehr. 1.105 Schuss feuerten die in Hafen stehenden, auf Eisenbahnwaggons montierten Schweren Flak auf die Angreifer. Ein britischer Bomber ging verloren.

Das Jahr 1942

Zum Leidwesen Karlsruhes wurde die Eisenbahnflakres.Abt. 224 allerdings wieder abgezogen.
Bis August 1942 blieb der Rheinhafen weitgehend verschont. Mehrere Angriffe auf Karlsruhe in dieser Zeit wurden von den Scheinanlagen abgelenkt, mehrere Attacken wurden nur von wenigen Flugzeugen ausgeführt, die sich im Anflug auf andere Ziele verflogen hatten, und ihre Bomben auf das Stadtgebiet Karlsruhes warfen.

Am 28./29. August 1942 schickte die RAF 159 Bomber nach Nürnberg und 113 zum Angriff auf Saarbrücken. Wie die Mai-Angriffe auf Stuttgart waren auch diese Angriffe aus britischer Sicht herbe Fehlschläge. Vermutlich erreichten nur 50 Bomber Nürnberg und auch Saarbrücken wurde nur von wenigen Flugzeugen gefunden. Die Bombenwürfe verteilten sich über weite Gebiete im Saarland, Baden, Württemberg-Hohenzollern und Franken. 30 Maschinen (10,2 %) gingen verloren.

Über Karlsruhe tauchten 50 Bomber auf, die 81 Tonnen Spreng- und knapp 298 Tonnen Brandbomben auf die Stadt warfen. Im Hafen geriet ein Schiff in Brand. Den Flakschutz des Hafens lag zu dieser Zeit bei den Batterien in Fritschlach, Mühlburg und Knielingen.
Bereits am 03. September 1942 erlebte Karlsruhe den nächsten Angriff. In dieser Nacht war die ehemalige Residenzstadt das Ziel von 200 Bombern, von denen 152 die Stadt erreichten. Wieder traf es vor allem den Südwesten und den Rheinhafen mit dem umliegenden Stadtteilen. Mehrere Industriebetriebe wurden zerstört oder erheblich beschädigt, es gab 73 Tote und 711 Verwundete. Die Briten verloren acht Bomber.

Als eine Reaktion auf diesen Angriff wurden im Rheinhafen noch am 04. September 1942 zwei 2-cm-Vierlingsflak stationiert, die allerdings nicht zum Einsatz kamen. Denn nach diesem Angriff blieb der Rheinhafen zunächst erneut verschont. 1943 gab es auf Karlsruhe praktisch keine Luftangriffe.

Batterie am Stichkanal

Als die RAF am 24./25. April 1944 637 Bomber zum Angriff auf Karlsruhe schickte, entwickelte sich die Operation zu einem erneuten Fehlschlag. Zwar tauchten 569 Flugzeuge über Karlsruhe auf, doch die Bombenwürfe waren weit verstreut. Vor allem die Oststadt wurde getroffen.

Insgesamt sollen in dieser Nacht an 120 verschiedenen Stellen in Südwest- und Westdeutschland Bomben gefallen sein. In Karlsruhe kamen 118 Personen ums Leben, 294 wurden verletzt. Die Briten verloren 19 Flugzeuge. Der Karlsruher Rheinhafen hatte nun seine eigene Schwere Flakbatterie, die mit 8,8 cm-Kanonen am Stichkanal in Stellung lag.

Bis Kriegsende änderte sich daran nichts mehr. Allerdings verlagerten sich die Angriffe der Alliierten im letzten Kriegsjahr immer mehr auf die Bahnanlagen und das Zentrum der Stadt.