Not Named Band (NNB), Eiernestbunker

Band Ok Hoch

Not Named Band am Eingang des Bunkers in der Eierstraße. Foto: NNB

Wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, seit wann Bunker in Stuttgart von Musikern als Proberäume genutzt werden, kommt man an der „Not Named Band“ nicht vorbei, die durch ihre Mitglieder überdies auch längst eine Institution der lokalen Rockmusik-Geschichte Stuttgarts ist. Die „Not Named Band“ formierte sich aus drei langjährigen Freunden zu einem Gastauftritt während eines Urlaubs 2011 bei einem Harley-Treffen in Les Vans in der Ardeche in Frankreich.

Eckardt Dietel und Klaus-Peter Graßnick hatten schon Anfang der 1960er Jahre zunächst bei „The Time“ und dann Anfang der 1970er bei „Müll“ zusammen gespielt. In den Jahren zwischen der Auflösung von „Müll“ bis zur Gründung der „Not Named Band“ spielten sie in diversen anderen Stuttgarter Bands. Tilman Schmid trommelt außerdem auch bei „Forty Years Later“.

„Müll“ und „Spratzel Strull“ waren die ersten Bands in Stuttgart, die Verträge zur Nutzung von Bunkerräumen als Proberäume abschlossen. Wer von beiden nun tatsächlich zuerst beim Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz (BzB) – dem späteren Amt für Zivilschutz mit Dienstsitz in der Böheimstrasse – unterschrieb, ist nicht ganz klar. Letztlich halten solche Diskussionen aber auch die Legenden der Bands am Leben.

Sicher ist, dass Gitarrist Eckardt Dietel in seiner inzwischen über 50-jährigen Musikerkarriere ( unter anderem bei den Stuttgarter Bands „Villa Rouge“, „Insert Coin“, „Tune-up“und „Spin“ ) mehr Zeit in Stuttgarts Bunkern verbracht haben dürfte als alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Katastrophenschutzes. Denn Dietel hatte seit den frühen 1970er Jahren fast ununterbrochen Übungsräume in Bunkern angemietet.

1975 übernahm er die Räumlichkeit im Diakonissenplatz-Bunker von Graßnick und hat dann Anfang der 80er Jahre nach der Kündigung des Mietvertrages im Bunker unter dem Leonhardsplatz mit „Fallwind“ geprobt. Direkt im Anschluss bekam er dann den Mietvertrag im Eiernestbunker.

Nur etwas weniger Bunkerluft hat Bassist Klaus-Peter Graßnick in seinem ziemlich genauso langen Musikerleben inhaliert. Er spielte bei der Darmstädter Spaß-Jazz-Band „Circus O. Stark“ und den Stuttgartern „Moking Bird“. Bei ihm führte dies aber zu einer weiterreichenden Beschäftigung mit den Bunkern der Stadt und insbesondere zu einer unverminderten Verbundenheit mit dem Tiefbunker unter dem Diakonissenplatz.

Die „Not Named Band“ hat ihren Proberaum im Hochbunker Eiernest, wo Eckardt Dietel den großen Aufenthaltsraum im Erdgeschoss mit erheblicher Eigenleistung in ein komfortables Domizil umbaute, das den Standard der Bunker-Proberäume vieler anderer Stuttgarter Bands deutlich übersteigt. Das gilt nicht nur für das Platzangebot, sondern auch für die Innenisolierung und die im Laufe der Jahrzehnte perfekter gewordene Technik.

Das Repertoire der „Not Named Band“ orientiert sich an Jimi Hendrix, Cream, ZZ-Top, Ten Years After, Black Sabbath, Popa Chubby oder Joe Bonamassa. und wird durch Eigenkompositionen ergänzt. Gelegentlich kommen auch Songs von „Müll“ hinzu. Für die Selbstbeschreibung der Band orientierte sich Klaus-Peter Graßnick an den Kollegen aus der Metal-Szene. Dort hat sich international der Gebrauch des „Metal-Umlaut“ etabliert (üblicherweise das Ö wie bei Löud). So schuf Klaus-Peter Graßnick das Label MÆXXM ROCK & BLUES, in Anlehnung an ein Veranstaltungsplakat von „The Who“. Live Auftritte der „Not Named Band“ finden in Stuttgart und Umgebung in der Rock- und Blues-Szene statt.

Inspiriert von den städtischen Plänen zur Umgestaltung des Diakonissenplatzes entwickelte Klaus-Peter Graßnick ein Konzept für ein Kulturzentrum im Tiefbunker unter dem Diakonissenplatz, das inzwischen eine stattliche Zahl von Unterstützern gefunden hat. Im Mai 2018 gründete sich aus dieser Initiative der „Verein Kultdiak e.V. Stuttgart“, der die Realisierung des Konzepts zum Ziel hat. Zur Eröffnung des Kulturzentrums dürfte dann sicher die „Not Named Band“ aufspielen.

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