Als Schüler gegen Bomber

 

Anfang 1943 wurden mehr als 100.000 Soldaten der Luftwaffe für den Erdkampf herangezogen. Vor allem die Flakwaffe hatte erhebliche Kontingente abzugeben.

Die Batterien waren bereits ab September 1942 mit angelernten Zivilisten versetzt worden, um Soldaten für die Front abziehen zu können. Dieses „Heimatflak“ genannte Programm sah vor, dass auch Zivilpersonen zusammen mit Luftwaffensoldaten an den Fla-Geschützen ihren Dienst tun sollten, die explizit wohnortnah einzusetzen waren, z.B. zum Schutz von Fabriken. Damit mussten diese Hilfssoldaten nicht aus dem Arbeitsumfeld herausgelöst werden, sondern sollten quasi „nebenher“ feindliche Flieger bekämpfen. Bei einem (in der Regel nächtlichen) Alarm hatten sich die Angehörigen der Heimatflak zu ihrer Stellung zu begeben und den Dienst aufzunehmen. Tagsüber gingen sie ihrer Arbeit nach.

Allerdings setzte diese Maßnahme nicht genügend Soldaten frei, so dass der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Hermann Göring, am 26. Januar 1943 unter dem Az. 11b Nr. 1/43 (Chef d. Lw./1 Wehr 1 III) die sogenannte „Luftwaffenhelfer-Verordnung“( „Kriegshilfseinsatz der Jugend bei der Luftwaffe“) erließ.

Auf der Basis dieser Verordnung wurden ab dem 15. Februar 1943 zunächst die Oberschüler der Jahrgänge 1926 und 1927 als Luftwaffenhelfer eingezogen. Der Einsatz sollte in Heimatnähe erfolgen und auch weiterhin regelmäßigen Schulunterricht umfassen.

Auch die Flak-Stellungen in Stuttgart wurden auf diese Weise zunehmend mit Jugendlichen besetzt, die ihren Dienst an den leichten und schweren Kanonen und den Scheinwerfern der Flak taten.

Waren die Jugendlichen zunächst überwiegend froh von zuhause weg zu kommen und voller Hoffnung etwas für ihr Land leisten zu können, wich die Begeisterung bald schon Verbitterung und Ernüchterung. Der Dienst in den Batterien war von militärischem Alltag geprägt, bei Luftangriffen stellte sich bald das Gefühl von Ohnmacht ein, angesichts der ständig wachsenden Übermacht der alliierten Bomberverbände. Vor allem von den Schweren Flak-Batterien auf den Höhen um Stuttgart bestand eine weitreichende Sicht auf die brennende Stadt im Juli und September 1944. Der Anblick des Flammenmeers war für die Jugendlichen ein schwerer Schock.

Noch härter traf es die Flakhelfer der leichten Flak, die auf den Hochbauten der Stuttgarter Innenstadt ihren Dienst taten, und damit inmitten des Infernos standen, teils verwundet und sogar getötet wurden.

Ab 1944 waren auch die Schweren Flak-Batterien Luftangriffen ausgesetzt, dabei wurden dort ebenfalls Flakhelfer verwundet und getötet. Der Unterricht der Jungen wurde immer spärlicher, der Alltag immer soldatischer. Im Sommer 1944 wurden mehrere schwere Flak-Batterien mit ihren Flakhelfern nach Auschwitz verlegt. Vom anfangs zugesagten „Einsatz in Heimatnähe“ war längst keine Rede mehr.

Über die Geschichte der Stuttgarter Flakhelfer sind im Wesentlichen zwei Bücher erschienen:

Hermann Queck versammelte Berichte von Flakhelfern aus dem gesamten Südwesten.

Günter Aichele schrieb seine eigene Geschichte als Flakhelfer auf, die ihn von Vaihingen bis nach Auschwitz führte.

Die genaue Anzahl der Jugendlichen, die 1943-45 als Flakhelfer in der Luftwaffe dienten, ist nicht bekannt. Ihre Zahl lag im Bereich von 200.000.

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Konversion


Der Hochbunker Zuckerbergstraße in Steinhaldenfeld soll in ein Wohnhaus umgewandelt werden. Das Vorhaben des Cannstatter Büros PlanQuadrat Projekt GmbH & Co. KG wäre der zweite Hochbunker in Stuttgart, der zum Wohnhaus würde, und nach dem Willen von Stadtkämmerer Föll nicht der letzte. Auch der Hochbunker in der Talstraße in Stuttgart-Ost ist verkauft und soll in ein Wohngebäude umgewandelt werden.

Unsere Bilderstrecke zeigt Eindrücke von verschiedenen Hochbunkerkonversionen, teils in einer Vorher/Nachher-Sicht, teils auch als Zwischenschritte der Baumaßnahmen.

Vergleichbare Projekte gibt es inzwischen auch in vielen anderen Städten.

Das Projekt in Steinhaldenfeld würde den Bunker ebenfalls innen komplett entkernen, jedoch die Außenwand nicht verändern, aus der noch immer die Monniereisen ragen, die einst die geplante Natursteinverkleidung halten sollte. Von dieser Verkleidung ist lediglich die Umrahmung des straßenseitigen Eingangs angebracht worden, bevor die Maßnahme 1942 aus Kostengründen abgebrochen wurde. Diese Eisen sind nur noch bei zwei Stuttgarter Hochbunkern sichtbar: In der Sattelstraße 70 und in der Zuckerberstraße.

Zum Weiterlesen:
„Mind Bunker“ – Der Künstler Georg Mühleck nutzte den Hochbunker Zuckerbergstraße als Lager und Inspiration

„Schlimme Kindheit“ – Eine Punkband probte im Hochbunker Sattelstr. 46

Die Geschichte des Hochbunkers Ungererstr. 158 in München

Die Hochbunker an der Rosenheimer/Anzinger Straße in München

 

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Zeitreise

Der Hochbunker in  der Zuckerbergstraße in Steinhaldenfeld soll in ein Wohnhaus umgebaut werden. Die Projektgesellschaft Planquadrat Stuttgart stellt das Vorhaben auf ihrer Webseite vor.

Zu Zeit birgt der Bunker noch eine einzigartige Dokumentation. Die Hochbunker in Steinhaldenfeld waren bis in die frühen 1960er Jahre als Wohnheim genutzt worden, da in der Stadt Stuttgart trotz rasantem Wiederaufbau noch immer ein eklatanter Wohnraummangel herrschte.

Im Bunker Zuckerbergstraße waren zahlreiche Umbauten vorgenommen worden, um das Gebäude als Wohnheim zu nutzen. So wurden aus den Wänden vieler Zellen Fenster herausgebrochen, die zwar nur in den engen Flur führten, doch sie gaben den Bewohnern der kleinen Zimmer zumindest teilweise das Gefühl, in einem regulären Haus zu wohnen.

Die Tapeten sind an manchen Wänden noch sehr gut erhalten, an anderen hängen sie inzwischen herunter.  In manchen Räumen finden sich noch Bilder von damaligen Stars, mit denen die Bewohner ihre dürftige Behausung schmückten. In einem Raum wurde die Decke der aufkommenden Beat-Kultur entsprechend bunt bemalt, auch die Namen damals angesagter Bands finden sich an einer Wand.

Dadurch, dass große Teile des Bunkers seit über 50 Jahren nicht mehr genutzt wurden, blieb so ein außergewöhnlich authentisches Zeitdokument erhalten. Es wird jedoch mit dem Umbau des Bunkers verschwinden.

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Eindrücke vom Westwalltag 2017

Der Westwalltag 2017 war vom 22.-24.09.2017 im Raum Bietigheim-Bissingen / Markgröningen / Ludwigsburg / Stuttgart zu Gast.

An jedem der drei Tage verantwortete ein lokaler Partner das Programm.
Freitag, 22.09. Gruppe Bunker 302
Samstag; 23.09. Arbeitskreis Bunkerforschung
Sonntag, 24.09. Forschungsgruppe Untertage e.V.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern und bei den Organisatoren des Westwalltags. Es war eine gelungene und erfolgreiche Veranstaltung.

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Fachtagung „Westwalltag 2017“

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Vernebelungsversuch, 1930er Jahre.

Die Betreiber des Museumsbunkers 302 der Neckar-Enz-Stellung in Bietigheim, der Arbeitskreis Bunkerforschung des Geschichtsvereins der Stadt Bietigheim-Bissingen e.V. und die Forschungsgruppe Untertage sind die Gastgeber der Fachtagung Westwalltag vom 22.- 24.09.2017.

Das Programm wird mehrheitlich die Neckar-Enz-Stellung thematisieren, deren Überreste Ziele mehrerer Geländebegehungen sind.

Die Vorträge der Abendveranstaltungen thematisieren technische Aspekte der Neckar-Enz-Stellung und Forschungsergebnisse zum Scheinbahnhof „Brasilien“ bei Lauffen am Neckar.

In der Begleit-Dokumentation nimmt die Luftverteidigung der Stadt Stuttgart einen gewichtigen Teil ein. Aktuelle Erkenntnisse zum Schutz der Stadt durch Jagdflugzeuge, Flak, Vernebelung, Tarnung, Ablenkungsmaßnahmen etc. und eine Zusammenfassung der Luftangriffe auf Stuttgart aus dem Blickwinkel des Großraums Stuttgart liefern Ansätze für weitere Forschung und Diskussionen. Die Dokumentation kann auch unabhängig von der Teilnahme an der Fachtagung beim Verlag bestellt werden.

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Öffungstag im Stollen Gaishalde in Bietigheim 03.09.2017

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Durchgang im Stollen Gaishalde in Bietigheim.

Am Sonntag, den 03.09.2017 zeigen wir noch einmal den ehemaligen Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen. Es ist der letzte offizielle Öffnungstag in diesem Jahr. Er wurde 1944 als einer von sechs Luftschutzstollen in Bietigheim als städtische Luftschutzanlage gebaut.

Bietigheim und Bissingen erlebten bis Ende 1944 keinerlei Luftangriffe, so dass in der Bevölkerung die Hoffnung bestand, dass man den Krieg doch einigermaßen unbeschadet überstehen könne. Dies erklärt auch, warum, die beiden Städte erste Anfang 1944 zu dem Ergebnis kamen, dass die schon zu Kriegsbeginn eingerichteten Luftschutzkeller nicht mehr ausreichten und unterirdische Stollenanlagen als öffentliche Luftschutzbunker geschaffen werden müssen.

Im Stadtgebiet von Bietigheim waren ab 1942 auch mehrere Militärbunker der Neckar-Enz-Stellung zu zivilen Luftschutzräumen umgerüstet worden. Ein solcher stand auf dem Grundstück, wo heute der aldi-Markt ist. Diese Bauwerke boten allerdings nur in begrenztem Umfang Schutzplätze.

Der Status als vermeintlich „ungefährdetes Gebiet“ bescherte Bietigheim zwischen 1941 und 1944 den Zuzug von Industriebetrieben und Fertigungszweigen aus Stuttgart. So verlegte etwa die Feuerbacher Firma SWF ihren Firmensitz 1942 komplett nach Bietigheim. Daimler-Benz nutzte große Teile der Kammgarnspinnerei und einige Räumlichkeiten der DLW für Produktionsverlagerungen aus Untertürkheim und auch andere Stuttgarter Firmen verlegten Teile ihrer Betriebe hierher.

Der Luftschutzstollen in der Gaishalde war bis zum Dezember 1944 weitgehend fertig. Bis Ende Dezember wurden vor allem noch Farbmarkierungen und die Sitzplatznummern der Holzbänke angebracht. Beim ersten Luftangriff auf das Bietigheimer Bahnhofsareal am 09. November 1944 suchten die Menschen aber schon Schutz im Stollen.

Die Holzbänke sind nicht mehr vorhanden, aber baulich ist die Anlage seither praktisch unverändert und vermittelt einen plastischen Einblick in die Situation der Bietigheimer Bevölkerung im letzten halben Jahr des Krieges.

Der ehemalige Luftschutzstollen liegt neben der B27 im Fels unter der katholischen Kirche St. Laurentius (Bushaltestelle Auwiesenbrücke).

Der Stollen ist von 11 – 17 Uhr geöffnet.

Unsere nächsten Termine im Überblick.

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Ein Blick in den Kalten Krieg

Eindrücke von unserer Sonderführung durch den ehemaligen Luftschutzstollen unter der Heilbronner Strasse in Rahmen der Ausstellung Titos Bunker im Württembergischen Kunstverein. Die Führung zeigte die Maßnahmen der Stadt Stuttgart zum Schutz der Zivilbevölkerung während des Kalten Krieges und erläuterte das zugrunde liegende Zivilschutzkonzept. Die Fotos wurden uns vom Württembergischen Kunstverein zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung „Titos Bunker“ kann dort noch bis Sonntag, 06. August besucht werden.

Unser nächster Termin ist der Öffnungstag im ehemaligen Luftschutzstollen in der Gaishalde in Bietigheim-Bissingen am Sonntag, den 03. September 2017, von 11 – 17 Uhr.

Unsere nächsten Termine.

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