Scheinanlagen der Luftwaffe

Während des 2. Weltkriegs errichtete die deutsche Luftwaffe im Reichsgebiet und den besetzten Ländern mehrere hundert Scheinanlagen, die Luftangriffe auf sich ziehen und somit ins Leere laufen lassen sollten. Die Geschichte dieser Anlagen ist bis heute kaum erforscht.

Viele Scheinanlagen hatten nur wenige feste Gebäude, die zumeist nach dem Krieg wieder entfernt wurden. Spuren im Gelände sind häufig nicht mehr vorhanden. Auch die Unterlagen zu den Scheinanlagen sind häufig vernichtet worden. Die Zahl umfangreicherer deutschsprachiger Dokumentationen zum Thema ist einstellig, zu einigen Anlagen sind bislang bestenfalls  lokale Berichte mit geringer Reichweite erscheinen.

Neben Scheinflugplätzen, die für sehr viele Militärflugplätze angelegt wurden um Angriffe dorthin abzulenken, oder die Angreifer auch gezielt in den Wirkungsbereich von Flakbatterien locken sollten, gab es vor allem zahlreiche Nachtscheinanlagen, die im Dunkeln mit Lichtern und vorbereiteten Brandstellen zivile Ziele wie Städte, Bahnhöfe oder Fabriken vortäuschen sollten. Diese Anlagen waren in der Regel im freien Feld errichtet, so dass die Bombenwürfe in unbebautes Gelände gelenkt werden sollten.

Bedingt durch die Ungenauigkeit der Bombenwürfe waren die Anrainergemeinden solcher Anlagen aber immer wieder auch Opfer von durch die Scheinanlagen provozierten Bombenwürfen und hatten unverhältnismäßig hohe Schäden und Opferzahlen zu beklagen.

Eine der bekanntesten deutschen Scheinanlagen des 2. Weltkriegs war der Scheinbahnhof bei Lauffen am Neckar, der 1940 zum Schutz der Stadt Stuttgart errichtet wurde. Nachdem die Navigationstechnik ab 1943 immer genauer wurde, wurde die Anlage wirkungslos und abgebaut. Zwischen Ditzingen, Hausen und Stuttgart-Weilimdorf wurde 1943 eine Nachfolgeanlage errichtet.

Zu Beginn des Krieges waren auch die Rüstungsbetriebe im Schwarzwald als durch Luftangriffe besonders gefährdet eingestuft. Zum Schutz der Mauserwerke in Oberndorf, der Uhrenfabrik Junghans in Schramberg und der Pulverfabrik in Rottweil wurden insgesamt vier Scheinanlagen errichtet. Die Mauserwerke wurden zusätzlich mit Seilsperren gegen Tiefflieger und durch eine Vernebelungsanlage geschützt. Es stellte sich im Laufe des Krieges heraus, dass diese Orte bei der britischen Luftwaffe keine hohe Priorität hatte. Vor allem nachdem Arthur Harris das Bomber Command übernahm griff die RAF zunächst vor allem große Städte an.

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Splitterschutzzellen

Splitterschutzzellen sind ein Spezialgebiet des Luftschutzes und noch immer nicht umfassend erforscht. Viele wurden unmittelbar nach dem Krieg entfernt, viele weitere Zellen fielen im Laufe der Zeit Bauvorhaben zum Opfer. Dennoch ist noch eine stattliche Anzahl dieser Kleinbunker erhalten. Wir haben mit Schwerpunkt Großraum Stuttgart einige Exemplare auf unserer Webseite vorgestellt.

„Monumente“ heißt das Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. In der Print-Ausgabe 2/2017 (April) berichtet das Magazin auf drei Seiten über Splitterschutzzellen. Das Literaturverzeichnis des Artikels enthält auch unsere Webseite.

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Nachlese und Vorschau auf den 02.04.

Rund 1.800 Besucher konnten wir im Rahmen der Langen Nacht der Museen im Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße begrüßen. Es war wieder ein spannender und kurzweiliger Abend, der uns viel Spaß gemacht hat.

Wir bedanken uns bei allen Besuchern für ihr Interesse und auch für die vielen interessanten Gespräche.

Wenn Sie mehr über unsere Arbeit erfahren wollen und/oder sich für weitere Luftschutzanlagen und deren Geschichte interessieren können Sie uns am kommenden Sonntag, den 02.04.2017 in Bietigheim-Bissingen besuchen, wo wir den ehemaligen Luftschutzstollen in der Gaishalde zeigen. Er ist von 11 – 17 Uhr geöffnet. Der Eingang liegt bei der Bushaltestelle Auwiesenbrücke. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

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Lange Nacht der Museen

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Am Samstag, den 25.03. sind wir bei der Langen Nacht der Museen dabei. Wir zeigen den Luftschutzstollen unter der Heilbronner Straße beim Hauptbahnhof.

Von 19:00 h – 02:00 h sind wir vor Ort und vermitteln Einblicke in die Stollenanlage und die damit verbundene Geschichte während des Krieges. Nahezu alle Stuttgarter Bunker wurden erst ab Anfang 1941 gebaut. Bis dahin standen den Einwohnern bei Fliegeralarm nur die Keller ihrer Häuser zur Verfügung.

Am Hauptbahnhof, sowie den Bahnhöfen Untertürkheim und Feuerbach waren bereits 1939 Bunker errichtet worden, die vor allem für Bahnpendler vorgesehen waren. Am HBF war dies der Stollen unter der Heilbronner Straße. Er wurde im September 1939 fertig und bis zum Kriegsende durchgehend genutzt.

Unsere Karte zeigt, wie Sie zu uns kommen. Bitte folgen Sie den Beschilderungen vor Ort.

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12 Jahre Forschung


Die Forschungsgruppe Untertage wurde 2005 von Geschichtsinteressierten aus dem Raum Stuttgart, Ludwigsburg und Heilbronn gegründet. Der Verein war von Anfang an regional ausgerichtet. Er entstand aus der Erkenntnis, dass die Vielzahl der historischen Relikte aus dem 2. Weltkrieg, aber auch aus dem Kalten Krieg nur verstanden werden können, wenn sie in einem thematischen Gesamtzusammenhang betrachtet werden und als Teil von Maßnahmen, die häufig über die jeweils örtliche Geschichte hinaus reichten.

In den Städten und Gemeinden an Neckar und Enz liegen die Zeugnisse von militärischen Verteidigungskonzepten der Weimarer Zeit oft unmittelbar neben Relikten der Kämpfe zum Kriegsende 1945 und in unmittelbarer Nähe zu Orten, in die 1944 und 45 die Produktion aus den Industriezentren Stuttgart und Mannheim verlagert wurde. Vor allem im letzten Kriegsjahr nahm die Dichte an KZ-Betrieben und –Außenkommandos in Württemberg dramatisch zu.

So ergab sich das Forschungsfeld des Vereins geradezu automatisch im Geflecht von militärischen Anlagen, Zivilschutz, Werksluftschutz, Betriebsverlagerungen und KZ-Kommandos.

Diese Themenvielfalt bestimmt das Angebot unseres Internetauftritts. Diese Vielfalt und auch die unterschiedlichen Zusammenhänge sind an ausgewählten Beispielen dargestellt. Sie spiegeln sich ebenfalls in unseren Veranstaltungen wieder, die von regelmäßigen Öffnungstagen in den von uns betreuten Anlagen über historische Spaziergänge bis zu Ausstellungen im Galerie-Umfeld reichen.

Unsere Nächsten Termine:
Lange Nacht der Museen (Luftschutzstollen Heilbronner Straße): 25.03.2017
Öffnungstag Luftschutzstollen Gaishalde in Bietigheim-Bissingen: 02.04.2017

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Modernisierung

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Die inhaltlichen Schwerpunkte dieser Seite haben sich im Laufe der Zeit verändert. Die Themenbreite nahm genauso zu wie die Vielfalt der Aspekte, die in die Beschäftigung mit historischen Anlagen des 20 Jahrhunderts hineinspielen. Hierzu gehören Teile der lokalen Industriegeschichte genauso wie Berichte aus dem Alltag der Bevölkerung und die Nachkriegsnutzung von Bauwerken bzw. der Konversion für die Neunutzung durch die Zivilgesellschaft.

Die Aufarbeitung lokaler Geschichte in der Region bringt immer wieder wertvolle und fundierte Publikationen hervor, die den Blick auf die regionale Zeitgeschichte erweitern und auch schärfen.

In den sich wandelnden Großstädten wie Stuttgart oder München scheitert der Erhalt ehemaliger Zivilschutzanlagen oft an den übergeordneten Interessen der Stadtentwicklung oder der Wirtschaft.

Allerdings werden insbesondere in Stuttgart noch immer diverse Bunker vor allem von Musikern als Proberäume genutzt. Und in der Sattelstraße wurde erstmals in Stuttgart ein Hochbunker in ein Wohnhaus umgebaut. Ein vergleichbares Projekt ist in Steinhaldenfeld seit mehreren Jahren projektiert, jedoch bislang noch nicht umgesetzt.

Wir haben die Menüstruktur dieser Website überarbeitet, um dem erweiterten Themen-Spektrum Rechnung zu tragen: Mehr regionale Geschichte, mehr Zusammenhang, aber auch mehr Brücke zur Gegenwart. Dadurch wurde auch teils die logische Zuordnung von Beiträgen geändert.

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KZ im Großraum Stuttgart

Am 27.01.1945 erreichten Verbände der Roten Armee das KZ Auschwitz und befreiten die Überlebenden. In zahlreichen anderen KZ-Betrieben, in denen die Front noch nicht angekommen war, gingen die Arbeiten weiter, so z.B. in den KZ-Betrieben im Großraum Stuttgart.

Bis Februar 1945 wurde am Projekt „Galenit“ in Großsachsenheim gearbeitet, wo Daimler-Benz Fahrzeuge produzieren wollte. Noch bis April 1945 wurden im KZ-Betrieb im alten Engelbergtunnel in Leonberg Tragflächen für die Me 262 gefertigt, deren Endmontage in Waldlagern wie z.B. bei Schwäbisch Hall erfolgte. Auch auf dem Flugplatz Großsachsenheim war ein KZ-Außenkommando eingesetzt, das den Ausbau des Flugplatzes vorantreiben und Schäden durch Luftangriffe beheben sollte.

Auf dem Flugplatz Hailfingen-Tailfingen war bis Februar 1945 ein KZ-Außenkommando ebenfalls zum Ausbau eingesetzt. Der Fliegerhorst sollte zu einer leistungsfähigeren Basis für die Nachtjagd ausgebaut werden und eine zweite Rollbahn erhalten.

Das KZ Vaihingen/Enz wurde ursprünglich für Bau und Betrieb einer unterirdischen Fabrik zur Fertigung des Marschflugkörpers Fi 103 (besser bekannt als V1) errichtet. Die U-Fabrik wurde dann vom Jägerstab umgeplant, um dort Me 262 montieren zu können. Nachdem die Baustelle ab Sommer 1944 massiv aus der Luft angegriffen wurde, wurde sie im Oktober aufgegeben. Die arbeitsfähigen Häftlinge wurden in andere Produktionsbetriebe verbracht. Das Lager Vaihingen/Enz mutierte zum zentralen „Sterbelager“ für alle Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof. Es wurde erst am 07. April 1945 von französischen Truppen befreit.

Auch in den Außenlagern des KZ Natzweiler-Struthof an Neckar und auf der Schwäbischen Alb („Wüste-Lager“) gingen die Arbeiten bis März (Neckarelz und Neckargerach) bzw. bis April 1945 („Wüste“-Lager) weiter.

Die meisten Lager in Württemberg waren erst ab 1944 errichtet worden. Fast alle waren ausgesprochen primitiv eingerichtet und durch eklatanten Mangel selbst grundlegender Dinge wie Kleidung, Toiletten und Grundnahrungsmitteln gekennzeichnet, was die Ausbreitung von Krankheiten und Seuchen binnen weniger Wochen und Monate begünstigte und dramatische Sterblichkeitsraten unter den Häftlingen nach sich zog.

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