Gotthilf Holzwarth 1899 – 1977

Gotthilf Immanuel Holzwarth wurde am 28.02.1899 in Oberderdingen geboren. Er schlug zunächst eine Karriere bei der Reichsbahn ein. Als Reichsbahnobersekretär kam er nach Bietigheim. Dort war er Anfang 1933 das einzige NSDAP-Mitglied im Gemeinderat.

Er diskreditierte den amtierenden Bürgermeister Schmidbleicher beim Staatsministerium, weil dieser am 19. Februar 1933 einen gemeinsamen Aufmarsch der KPD und SPD geduldet und einen Aufmarsch des Reichsbanners am 12. März unterstützt hatte. Am 24. März 1933 wurde Schmidbleicher vom Staatskommissar Landrat Fuchs beurlaubt und Holzwarth zum kommissarischen Bürgermeister Bietigheims bestellt.

Am 01. Mai 1933 wurde er in der Turnhalle eingeführt, am 29. August vom Innenminister endgültig ernannt. Hätte das NS-Regime die Zeit überdauert, wäre wohl auch Holzwarth bis an sein Lebensende Bürgermeister geblieben. Als überzeugter Nationalsozialist setzte er alle staatlichen Maßnahmen pflichtbewusst, sachlich und kritiklos um. Wer nicht mitzog oder sich zu widersetzen versuchte wurde freilich genauso sachlich und emotionslos auf die Konsequenzen hingewiesen, bzw. bekam diese zu spüren.

Dienstbeflissen nahm sich der Bürgermeister der Luftschutzthemen an. Von den städtischen Einrichtungen (Schulen, Kindergärten, Krankenhaus,…) forderte er immer wieder vorbildliches Verhalten bei Verdunkelung, Ausstattung mit Ausrüstung, Stellung von Personal etc.

Auch die Errichtung von Bunkern hat er zumindest geprüft. Die Stadtverwaltung hielt dann aber die zahlreichen Gewölbekeller für ausreichend. Hinzu kam, dass ab dem Frankreichfeldzug acht Bunker der Neckar-Enz-Stellung im Stadtgebiet als Luftschutzräume für die Bevölkerung freigegeben wurden.

Als Anfang 1944 klar wurde, dass zum Schutz der Bevölkerung bombensichere Stollen gebaut werden müssen, nahm Holzwarth auch diese Aufgabe mit der ihm üblichen sachlichen und pflichtorientierten Art an. Seine pragmatische Umsetzung aller Regelungen und Verordnungen trug viel dazu bei, dass die Stollen in Bietigheim in vergleichsweise kurzer Zeit zur Verfügung standen und Reichsbahn, Stadt und Wirtschaft vor Ort sich über eine optimale Ausnutzung der Luftschutzräume verständigten, so z.B. als mit der DLW die Regelung getroffen wurde, dass diese ihren Stollen auch für Bahnreisende öffnet.

Am 13. März 1945 ruft die Stadtverwaltung die Bevölkerung zur Evakuierung auf, freilich ohne Erfolg. So bleiben die Bewohner in der Stadt, während die Front immer näher rückt. Am 07. April folgt Holzwarth der Aufforderung sich nach Oberschwaben abzusetzen. Seine Stadtoberinspektoren Friz und Schneider sollen die Geschicke der Stadt übernehmen. Tags darauf sprengen deutsche Truppen alle Übergänge über die Enz. In den folgenden 12 Tagen verläuft die Front durch die Stadt.

1947 wird Holzwarth als Haupttäter eingestuft und zu 7 Jahren Arbeitslager verurteilt. Im Berufungsverfahren wird das Strafmaß auf 4 Jahre vermindert. Ihm wird Stadt- und Berufsverbot auf Lebenszeit auferlegt. 1969 kehrt er nach Bietigheim zurück. Im Juli 1975 siedelt er in ein Altersheim in Wüstenrot um. Am 18.April 1977 stirbt er. Er wird in Bietigheim beerdigt.

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