Hermann Käser 1885 – 1965

Die Geschichte des Hermann Käser ist bemerkenswert, auch wenn sie bezogen auf das gesamte Reichsgebiet kein Einzelfall gewesen sein mag. Der Bürgermeister von Asperg stand der Stadt vor, während und nach der NS-Zeit vor. Er überstand mehrere Versuche zur Entmachtung und überlebte ein Todesurteil.

National und volksnah

Hermann Käser wurde am 16.03.1885 in Heimsheim geboren, wo sein Vater Bürgermeister war. 1907 kam er nach Asperg in den Verwaltungsdienst. 1915 übernahm er stellvertretend das Bürgermeisteramt für den verstorbenen Karl Kinzler. 1919 und 1929 wurde er jeweils für 10 Jahre wiedergewählt. Käser dachte deutschnational. Er mag als Beispiel für jenen Teil der Bevölkerung gelten, der sich vom Sieg der NSDAP eine Stabilisierung der Verhältnisse und eine nationale Erneuerung in Deutschland erhoffte. So fügte er sich mit den städtischen Beamten widerspruchslos in die „neue Ordnung“ ein.

Der in Asperg ausgesprochen populäre Schultheiß hatte schon vor 1933 in „nationalen“ Fragen immer mit den Rechten gestimmt, war aber auch mit den Stimmen der SPD wiedergewählt worden. Käser hatte durchaus die Unterstützung des NS-Ortsgruppenleiters und der NS-Gemeinderäte. Man kannte sich seit Jahren. Doch obwohl Käser im April 1933 in die NSDAP eintrat, betrieben eine Gruppe von lokalen Parteigenossen und NSDAP-Kreisleiter Otto Trefz die Ablösung Käsers. Die Unterstützung durch die SPD und sein Parteibeitritt aus überwiegend pragmatischen Überlegungen waren den fundamentalistischen Parteimitgliedern ein Dorn im Auge.

Intrigen

So suchte man nach Gründen den Bürgermeister loszuwerden, teilweise wurden „Belege“ seiner politischen Unzuverlässigkeit auch konstruiert. Der Fall ging bis zur Gauleitung, wo man sehr wohl erkannte, dass Käser innerhalb der Partei Feinde als auch Freunde hatte, und die attestierte „politische Unzuverlässigkeit“ letztlich nicht beweisbar war. So wurde Käser am 18. November als NS-Bürgermeister auf Lebenszeit berufen und auf Adolf Hitler vereidigt.

Seine Amtsführung war in den folgenden Jahren unspektakulär und typisch für einen Bürgermeister einer kleinen Stadt. Viele Gesetze und Verordnungen aus Berlin wurden umgehend und kritiklos umgesetzt. Das „Gemeinleben“ musste ja funktionieren. Da sich der Bürgermeister aber von der Partei nicht in die Amtsgeschäfte hineinregieren lassen wollte, ging der Machtkampf ab 1935 in eine neue Runde. Eine von Adolf Meister angeführte Gruppe in der Partei betrieb nun seine Amtsenthebung. Der Konflikt schwelte bis Mitte 1937 und wurde erneut in die Gauleitung getragen. Auch diesmal konnte der Schultheiß die Vorwürfe entkräften. Die Amtsenthebung wurde verworfen.

Aus diesen Vorgängen lässt sich ablesen, dass Käser sicher kein Abweichler oder heimlicher NS-Gegner war. Sonst hätte er die Intrigen politisch nicht überlebt. Dass die Partei schlicht keinen geeigneten Gegenkandidaten hatte, führte dazu, dass man den zwar in der Kritik stehenden, aber nachweislich korrekten Bürgermeister letztlich im Amt behielt. 1939 sollte sein politisches Ende doch noch kommen. Er wurde aufgefordert, sich eine anderweitige Stelle zu suchen. Der Beginn des Krieges setzte dieser Initiative ein Ende. Käser blieb im Amt.

Todesurteil und Kriegsende

Am 11. April 1945 begannen die Franzosen Asperg zu beschießen. Seit 08. April standen sie an der Enz, ohne übersetzen zu können. Im Ort und in unmittelbarer Nähe standen Geschütze einer deutschen 15-cm-Batterie, der Batteriestab lag auf dem Hohenasperg. Käser, der schon am 5. April eine Verteidigung Aspergs abgelehnt hatte, versuchte nun ganz im Sinne der kriegsmüden und durch die Beschießung aufgebrachten Bevölkerung den Abzug der Batterie zu erreichen. Am 13. April wurde er daraufhin von einem Standgericht der 47. VGD wegen „Zersetzung der Wehrmacht“ zum Tode verurteilt. Vor seiner Überstellung nach Stuttgart konnte er jedoch fliehen. Bei Verwandten in Hößlingswarth konnte er sich verstecken, bis er am 24. April in das inzwischen französisch besetzte Asperg zurückkehrte.

Dort trat die Militärverwaltung bereits am 1. Juni an Käser heran und beschied ihm, dass er zunächst vorläufig im Amt bleibe. Er blieb dort auch, als die Amerikaner am 16. Juli die Verwaltung übernahmen. Am 19. September 1945 wurde in Bietigheim über die Amtsenthebung Hermann Käsers beraten. Die Asperger Gemeinderäte sprachen sich mit 10 „ja“ und einem leeren Stimmzettel für Käsers verbleib im Amt aus. Dennoch wurde Käser von den Alliierten des Amts enthoben.

Comeback

Bis zu den ersten ordentlichen Bürgermeisterwahlen am 07. März 1948 standen zwei kommissarische Bürgermeister der Stadt vor. Bei der Wahl am 07. März gewann Käser mit 2.406 von 2.770 abgegebenen gültigen Stimmen. Am 31. August 1953 ging Hermann Käser in den Ruhestand. Zwei Jahre später wurde er Ehrenbürger der Stadt. Als Träger des Bundesverdienstkreuzes starb er am 10. Juni 1965.