Karl Strölin 1890 – 1963

1950 veröffentliche Karl Strölin seine Sicht auf das Kriegsende in Stuttgart

1931 trat Karl Strölin bei der Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl als Kandidat der Nationalsozialisten gegen den Amtsinhaber Karl Lautenschlager an. Er erhielt knapp 26.000 Stimmen, Lautenschlager wurde mit mehr als 115.000 Stimmen wiedergewählt. Der Amtsinhaber hatte die Geschicke der Stadt – von Konservativen und Nationalliberalen unterstützt – seit 1911 gelenkt.

Strölin zog zunächst bei nachfolgenden Kommunalwahlen in den Stuttgarter Gemeinderat ein und wurde Vorsitzender der NSDAP-Fraktion. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ am 30. Januar 1933 setzte er Lautenschlager ab und übernahm nun selbst das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters.

Nachdem Stuttgart im Wettbewerb um den Standort für die Reichsparteitage Nürnberg unterlegen war, bemühte sich Strölin um den Ehrentitel „Stadt der Auslandsdeutschen“, den Stuttgart schließlich auch erhielt.

In Strölins Amtszeit fiel die eine Intensivierung der Eingemeindungspolitik, die schon unter Lautenschlager begonnen wurde: Feuerbach, Weilimdorf, Mühlhausen und Zazenhausen, 1944 auch noch Möhringen wurden aus der Selbstständigkeit in Stuttgarter Stadtteile überführt.

Mit einem umfangreichen Wohnungsbauprogramm entstanden im ganzen Stadtgebiet neue Siedlungen, wie etwa Wolfbusch, Rotweg, Neuwirtshaus, u.a. So wundert es nicht, dass gerade in diesen Siedlungen schon teilweise bei der Konzeption die Standorte für Luftschutzbunker einbezogen wurden. Alle wesentlichen Beratungen und Entscheidungen zum Bau von Luftschutzanlagen in der Stadt fanden unter der Beteiligung des Oberbürgermeisters statt.

Überliefert sind auch die Berichte Strölins an den Gemeinderat über die Folgen der Luftangriffe auf die Stadt, die ein recht gutes Bild der Zerstörung aus Sicht der Stadtverwaltung bieten.

Da er Kontakte zum Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler hatte, der maßgeblich am Bombenanschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt war, erfuhr die zunächst erfolgreiche Parteikarriere Strölins ein abruptes Ende. Zwar wurden bei einer Hausdurchsuchung keine belastenden Hinweise gegen ihn gefunden. Er wurde aber dennoch 1944 unter Aberkennung seines Parteiranges aus der NSDAP-Reichsleitung entlassen. Allerdings behielt er das Amt des Oberbürgermeisters von Stuttgart.

Es kann davon ausgegangen werden, dass es zu dieser Zeit zum Bruch mit Wilhelm Murr kam. Während unter der Regie des inzwischen zum Gauleiter ernannten Murr an den Stadtgrenzen und sogar im Stadtgebiet noch 1945 Gräben ausgehoben wurden, um die zur „Festung“ erklärte Stadt zu verteidigen, entschloss sich Strölin zur Geheimdiplomatie. Er nahm heimlich Kontakt zur französischen Armee auf und bot die friedliche Übergabe Stuttgarts an.

In seinem 1950 veröffentlichten Buch „Stuttgart im Endstadium des Krieges“ beschreibt er das Zerwürfnis mit Wilhelm Murr und die für ihn durchaus lebensgefährliche Situation sehr rational und ohne Abstand zur NS-Ideologie. Vielmehr handelte er vollkommen pragmatisch. Nachdem der Krieg nun verloren war, schien ihm die weitere Zerstörung der Stadt unsinnig und im Hinblick auf die Zeit nach dem Krieg als schädlich und kontraproduktiv. Damit fand er sich in Interessensgleichheit mit vielen Industriellen der Stadt, die ihrerseits ebenfalls ein vitales Interesse am Erhalt der noch verbliebenen Produktionsmittel und Infrastruktur hatten.

Während so am 21. April 1945 die französischen Truppen weitgehend kampflos die Stuttgarter Gebiete am linken Neckarufer mit der Innenstadt besetzen konnten, sprengten Wehrmachtseinheiten auf Befehl Wilhelm Murrs am gleichen Tag die Neckarbrücken in Bad Cannstatt und lieferten sich mit den Franzosen einzelne Rückzugsgefechte. Am 22. April übergab Strölin Stuttgart offiziell an die Alliierten und schlug als seinen Nachfolger Ernst Klett vor. Strölin lebte bis zu seinem Tod am 21. Januar 1963 in Stuttgart.