Westwalltag

Seit 1985 gibt es den Westwalltag. Er wird als Wochenend-Veranstaltung von der Arbeitsgemeinschaft Westwalltag organisiert und beschäftigt sich mit alle Aspekten der ehemaligen Westverteidigung Deutschlands.

Die Arbeitsgemeinschaft funktioniert als loser Zusammenschluss von Interessierten, deren primäres Interesse es war, mehr über die Hinterlassenschaften dieser Verteidigungslinie zu erfahren. Schnell kamen weitere Themen hinzu: Konversion, Museale Aufbereitung, Konflikte und Verträglichkeit von Denkmalschutzgedanken mit der Entwicklung von Gemeinden, Dörfern und Regionen, Naturschutzkonzepte, grenzübergreifendes Forschen und Erinnern, usw.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich manche Aktivisten des Westwalltags zu gefragten Beratern von Gemeinden, Museen, aber auch der Medien, die die Expertise zu einzelnen Ruinen, Bauwerken, Relikten oder Orten suchten.

Mit dem Explorate-Verlag bildete sich in der Mitte der Arbeitsgemeinschaft ein kleiner, aber aktiver publizistischer Arm heraus, der nicht nur seit den frühen Jahren der Gemeinschaft die Dokumentationen zu den jährlichen Veranstaltungen des Westwalltags herausgibt, sondern sich auch zu einem anerkannten Militärverlag entwickelte. Das Verlagsprogramm legt einen klaren Schwerpunkt auf fundierte Fach-Publikationen, die zumindest eine gewisse thematische Nähe zum Westwall haben.

Dass diese thematische Nähe auch Bereiche der Luftwaffe umfasst, ist nicht neu. Zwar war das Konzept der Luftverteidigungszone (LVZ) West in der Militärgeschichte einmalig. Aber in Fachkreisen war es nicht unbekannt. Da die LVZ direkt hinter den Westwall gelegt wurde, haben Militärhistoriker und Heimatforscher letztlich schon seit 1945 immer wieder damit zu tun, Bauwerke eindeutig zuzuordnen. Nicht alles, was die Zeitzeugen dem Westwall zuordnen, war auch eine Maßnahme des Festungsbaus. Und manche Einrichtungen und Stellungen wurden letztlich zum Kriegsende noch eiligst umgewandelt. So wurde aus mancher Flakstellung in den letzten Kriegstagen eine Artilleriestellung für den Erdkampf.

Die Notwendigkeit, sich mit den Verzahnungen dieser Aktivitäten zu beschäftigen, ist inzwischen im Kreis der Festungsforscher unbestritten. Im Laufe ihrer Forschungen stießen sie auf immer neue Verästelungen der Defensiv-Konzepte. So waren in den Grenznahen Gebieten die Maßnahmen der Festungsbauer, der Luftwaffe und der diversen Luftschutzbereiche (ziviler Luftschutz, Werksluftschutz, erweiterter Luftschutz, Produktionsverlagerung, …) mitunter räumlich kaum zu trennen. Dies macht die Interpretation von Relikten beliebig komplex, zumal konzeptionelle Schriften zu solchen Verschränkungen von Maßnahmen nicht existieren. Solche Konzeptionen herauszuarbeiten und damit auch die Geschichte der Relikte aus ihrer Logik heraus zu erklären ist inzwischen ebenfalls ein bedeutender Bereich in der Arbeit des Westwalltags.
2017 kommt der Westwalltag in die Region Stuttgart. Zu den Programmpunkten gehören einzelne Abschnitte der Neckar-Enz-Stellung, aber auch die Luftverteidigung Stuttgarts, der zivile Luftschutz in den Städten der Region und andere lokale Aspekte.

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