Uhlandshöhe / Sternwarte Stuttgart

Waren die Industriestaaten Europas 1914 noch mit sehr überschaubaren Luftwaffen in den Krieg gezogen, änderte sich die Zahl der produzierten Flugzeuge im Laufe des Krieges rasant.

1910 verfügte Frankreichs Luftflotte über 36 Flugzeuge, 1911 waren es 161 und 1912 bereits 259. Die deutsche Luftwaffe entwickelte sich zunächst langsamer. 1910 standen ganze 3 Flugzeuge zur Verfügung, 1911 waren es 50, 1912 sogar nur 46. Bis zum August 1914 änderte sich das Verhältnis signifikant. Waren in Frankreich nur 165 Flugzeuge einsatzbereit, so konnte das Deutsche Reich an der Westfront auf 190 Flugzeuge und an der Ostfront auf 42 einsatzbereite zurückgreifen.

Die Produktionszahlen waren gegenüber diesen Beständen schwindelerregend. 1.348 Flugzeuge produzierte Deutschland im Jahr 1914, 4.532 im Jahr 1915, 1916 waren es 8.182 und 1917 wurde die Produktionsspitze mit 19.646 Flugzeugen erreicht. Erst 1918 sank die Produktion Deutschlands auf 14.123 Flugzeuge.

Die Zahlen Frankreichs waren ähnlich: 541 im Jahr 1914, 4.489 im folgenden Jahr, 7.549 im Jahr 1916 und 1917 14.915. Erst 1918 lag die Produktionszahl höher als in Deutschland und erreichte 24.652 Flugzeuge. Die britische Flugzeugproduktion wuchs noch explosionsartiger von 245 im Jahr 1914 auf 32.036 im letzten Kriegsjahr.

Luftverteidigung

Die Luftverteidigung wuchs ihrerseits rapide, und so auch der damit verbundene Aufwand. Eine der ersten Maßnahmen zur Abwehr von Fliegerangriffen in Stuttgart war die Aufstellung eines Maschinengewehrs vor dem Neuen Schloss im August 1914.

1915 begann in Württemberg der Aufbau von Flugwachen, die schon im Umland herannahende Flugzeuge sichten und melden sollten. Im Oktober 1915 wurden die Stellungen Gähkopf (Killesberg) und Pragsattel mit ortsfesten Kanonen (erbeutete russische 7,62 cm- Kanonen) zur Ballon- und Fliegerabwehr eingerichtet.

Der erste schwere Flak-Scheinwerfer

1916 wurde auf der Uhlandshöhe ein schwerer Scheinwerfer postiert. 1918 gab es Scheinwerferstellungen an der Kautzenhecke (Haigst), am Bismarckturm, auf der Winterhalde (Cannstatt), in Ruit, Fasanenhof, Solitude und Zazenhausen.

Der schwere Scheinwerfer auf der Uhlandshöhe war offenbar der erste schwere Scheinwerfer, der in Stuttgart gegen nächtliche Fliegerangriffe stationiert worden war. Da die schwere Flak am Gähkopf und Pragsattel stand, wäre ein feindliches Flugzeug im Idealfall also direkt über der Innenstadt / Bahnhofsgegend vom Scheinwerfer aufgefasst und vom Norden bzw. Nordwesten her beschossen worden.

Die exakte Position der Scheinwerferstellung ist nicht bekannt. Sie lag wohl zwischen der Ruine Uhlandshöhe und dem Ort der heutigen Sternwarte, einem Areal, das damals weitgehend unbebaut war und vor allem von der Gärtnerei genutzt wurde.

1919 wurde auf Betreiben des Astronomen und Schriftstellers Robert Henseling (1883–1964) der Verein Schwäbische Sternwarte e.V. als amateurastronomische Vereinigung gegründet und 1920 eingetragen. Der Verein sammelte Spenden für die Errichtung einer Sternwarte. Zu diesem Zweck hielt u.a. auch Albert Einstein Gastvorträge in Stuttgart. Durch die Spendengelder und Eigenleistung der Vereinsmitglieder konnte 1921 der Turm der Sternwarte gebaut werden, die im Januar 1922 bereits den Betrieb aufnehmen konnte. Die Sternwarte wurde auf einer Höhe von 354,4 m ü. NN. direkt neben das 1893 fertiggestellte Städtische Wasserwerk Ost gesetzt.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Führungsbetrieb eingestellt, und die Sternwarte von der Luftwaffe genutzt. Auf dem Dach des Gebäudes wurde eine leichte Flak postiert, die die leichte Flak in der Innenstadt verstärkte und Tieffliegerangriffe von Norden gegen die Innenstadt und die Daimler-Werke bekämpfen sollte.

Die Sternwart überlebte den Krieg praktisch unbeschadet und konnte schon bald nach Kriegsende den Führungsbetrieb wieder aufnehmen, der bis heute angeboten wird, freilich durch die Corona-Einschränkungen unterbrochen.

Infolge einer Brandstiftung am 10. November 2015, bei der u.a. ein Vortragssaal und die Bibliothek zerstört worden waren, war die Sternwarte geschlossen worden und musste umfassend renoviert werden. Erst Im April 2018 war sie wieder sie wieder für öffentliche Führungen geöffnet worden.