Wolfbuschschule

Die Gründung der Wolfbuschsiedlung geht in das Jahr 1932 und auf die Notverordnungen der Regierung Brüning zum Bau von Kleinsiedlungen in Randgebieten zurück.

Mit dem Bau der Siedlung wurde aber erst ab 1933 durch die neu gegründete Stuttgarter Siedlungsgesellschaft (SSG) begonnen. Die SSG, die 1991 zur SWSG wurde, zeichnete auch als Bauträger für die Siedlungen in Neuwirtshaus, Steinhaldenfeld und Hoffeld verantwortlich.

Die bereits vor ihrer Machtübernahme auf den Weg gebrachten Siedlungsprogramme kamen den NS-Machthabern ausgesprochen entgegen. Unter ihrer Ägide wurde so werbewirksam Wohnraum für Familien mit geringem Einkommen geschaffen. Die durchaus dem Zeitgeist entsprechenden Siedlungskonzepte mit Kleintierstallungen und Selbstversorgergärten an den Stadträndern erfüllten außerdem in hohem Maße die Forderungen aus Luftschutzkreisen nach einer lockeren, in der Fläche verteilten Bebauung, um Schäden durch Bombenwürfe zu minimieren. Diese Siedlungen waren für die NS-Verantwortlichen somit auch Gegenentwürfe zu urbanen Siedlungskonzepten wie dem Weißenhof oder der Wallmer-Siedlung in Untertürkheim.

Die relativ einfache Bauweise der Siedlungshäuschen im Wolfbusch brachte den Siedlern während des Krieges einen Vorteil gegenüber den Bewohnern Weil im Dorfs. Während letztere bis zum Bau der Luftschutzstollen 1943/44 bei Fliegeralarm die Keller ihrer Häuser oder die ausgebauten öffentlichen Luftschutzkeller aufsuchen mussten, wurde für die Wolfbusch-Siedler 1941 ein Hochbunker errichtet.

Bereits kurz nach Baubeginn der Wolfbuschsiedlung wurde auch mit der Planung einer Schule begonnen, die im April 1936 eingeweiht und nach dem im Jahr zuvor tödlich verunglückten Gründer des Nationalsozialistischen Lehrerbunds (NSLB) Hans Schemm benannt wurde.

Wie bei allen öffentlichen Bauaufträgen dieser Zeit, waren für das Schulhaus von Anfang an Luftschutzräume eingeplant und erstellt worden. Auch ein Versammlungsraum für den Bund Deutscher Mädel (BDM) wurde im Obergeschoß eingeplant. Neben den 5 Luftschutzräumen befand sich im Untergeschoß eine Küche, ein Speisesaal, Waschküchen, Bügelzimmer und Duschen. Im Erd- und Obergeschoß verfügte die Schule über insgesamt 14 Klassenräume mit mindestens 9 x 7 m.

Die Luftschutzräume waren durch zwei Schleusenräume von den anderen Räumlichkeiten des Untergeschosses abgetrennt und grenzten direkt an das Treppenhaus. Aus einem der Schleusenräume führte eine Treppe nach außen, die als Notausstieg dienen konnte. Vier Lüfter der Firma Auer für jeweils 100 Personen versorgten die Räume mit Atemluft. Die Lüfter sind bis heute vorhanden. Die Versorgungsleitungen für Wasser und Heizung liegen im 2. Untergeschoss.

Auf dem Dachboden wurde ein Aufstieg zu einer Luke für einen Brand/Luftraumbeobachter eingebaut, die auch bei der Dachneueindeckung 2010 erhalten blieb. Der Beobachterdienst an dieser Luke wurde während des Krieges von Jugendlichen verrichtet. Bis Mitte 1943 war der Dienst weitgehend ereignislos, da Weilimdorf bis dahin keine Bombenwürfe erdulden musste.

Als auch Weilimdorf von Luftangriffen betroffen wurde, nutzte man die Turnhalle als Lager für die geretteten Möbel von ausgebombten Bürgern. Im Laufe des Krieges wurde der Gauküchenzug in der Schule untergebracht. Am 3. Juni 1944 wurde die Schule als Notkrankenhaus requiriert, um die Ambulanz und Geburtshilfe des zerstörten Wilhelmshospitals aufzunehmen. Auf dem Dach wurde ein großes Rotes Kreuz aufgebracht. Bei dem schweren Angriff auf Weilimdorf am 28. Januar 1945 wurde die Turnhalle getroffen. Ein Übergreifen des Brandes auf das Hauptgebäude konnte von den Diakonissenschwestern verhindert werden.

Das Wilhelmshospital blieb auch die ersten beiden Jahre nach dem Krieg noch in der Wolfbuschschule, bis das Hospitalgebäude am Diakonissenplatz wieder benutzt werden konnte. Für den Schulbetrieb konnte das Schulhaus erst 1949 wieder uneingeschränkt genutzt werden. Mit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs ging auch die Umbenennung der Hans-Schemm-Schule in „Neue Schule“ einher.

Allerdings wurde die Schule bereits im Mai 1952 erneut geräumt und zum Notkrankenhaus umfunktioniert, um z.B. Betroffene der Grippeepidemie 1952/53 aufzunehmen. Mit dem Abebben der Epidemie und den Fortschritten beim Wiederaufbau der Kliniken konnte diese erneute Umnutzung beendet und die Wolfbuschsschule endgültig wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt werden.

Der Schulhauskomplex ist denkmalgeschützt und wird in der Broschüre „Schule als Denkmal“ des Landesdenkmalamts von 2014 als exemplarisch für den Schulhausbau um 1938 beschrieben.