Bunker-Rock-Geschichte(n)

Im Mai 2010 fand in der Stadtteilbücherei Bad Cannstatt die Ausstellung zum Hochbunker Badstraße statt.

In diesem Rahmen wurden auch die lebensgroßen Fotos gezeigt, die Jonnie Döbele 1973 von Spratzel Strull im Übungsraum im Bunker machte.

Es war unsere erste Zusammenarbeit mit Musikern, die ihren Übungsraum in einem Stuttgarter Bunker gehabt hatten. Aus dieser Präsentation von sowohl Geschichte und Kultur entwickelte sich 2011 „Bunker-Rock“ als gemeinsames Projekt der Forschungsgruppe Untertage e.V. und dem Stadtjugendring Stuttgart e.V.

Dabei wurde immer deutlicher, dass gerade Musik einen erheblichen Anteil an der zivilen Nutzung Stuttgarter Bunker hat und sie auch ein Medium ist, über das sich ein Zugang zur Geschichte der Bunker vermitteln lässt, der über die „trockene Theorie“ der Geschichtsvermittlung hinausgeht.

Wir spürten auch, dass wir dieses Thema fortsetzen wollten, z.B. indem wir beispielhafte Geschichten sammeln, die von Bands und „ihren“ Bunkern handeln.
Denn die Stuttgarter Bunker waren über Jahrzehnte passive Bestandteile der Stuttgarter Musikszene.

Eine Auswahl dieser Geschichten und weiterführenden Informationen werden wir sukzessive hier bereitstellen. Wir möchten auch weiterhin Musiker ermuntern, uns Ihre Bunker-Geschichte(n) zu erzählen. Schickt uns einfach eine Mail.

Bisher konnten wir die Bunkergeschichten dieser Bands/Musiker veröffentlichen:

Biznis Biznis – Wilhelmsplatzbunker

Cleanin‘ Women – Wilhelmsplatzbunker

Exitus – Marienplatz-Bunker

Müll – Diakonissenplatz-Bunker

No Name – Föhrichbunker

Peter Schano – Drei Bunker, mehrere Bands

Schlimme Kindheit – Sattelstraße

Spratzel Strull – Badstraße (Rosensteinbunker)

Eine Konstante, die sich durch viele Gespräche zieht, die wir für unsere „Bunker-Rock“-Beiträge mit Vertretern verschiedener Generationen von Musikern, Bildenden Künstlern und anderen Kulturschaffenden führen ist die Aussage, dass in Stuttgart ja nichts los war und die Stadt eine Diaspora war, als unsere Gesprächspartner anfingen aktiv zu werden.

Tatsächlich gab es aber seit den 1950er/60er Jahren auch in Stuttgart die unterschiedlichsten Subkulturen, die immer wieder beachtliche Ergebnisse hervorbrachten. Dass die Protagonisten und ihr lokales Publikum das oft zunächst selbst nur eingeschränkt wahrgenommen haben und heute noch wahrnehmen, liegt eher an den Rahmenbedingungen der Stadt.

Die eher bürgerlich-konservative Neckarmetropole ist in der Regel nicht Trendsetter, war aber bei deutschsprachigem Hiphop zum Beispiel ganz vorne mit dabei. Ein Problem bei dieser Wahrnehmung ist auch die extreme Lokalbezogenheit. Während Bayern von Dachau bis zum Starnberger See kein Problem damit haben sich als Münchener zu bezeichnen, ist die jeweilige Stuttgarter Szene stets von Anfang an zersplittert. Schon die Fellbacher sind keine Stuttgarter mehr und die Böblinger sowieso nicht, usw.

Oft entstehen die Subkulturen aber in internationalen Metropolen wie New York und London. Wenn sich dann Stuttgarter dafür begeistern, nehmen sie den Kontrast wahr, der darin besteht, dass es in ihrer Heimatstadt eine solche Szene nicht gibt. Und so werden sie in der Regel selbst aktiv und leiten die Änderungen ein. Die Stuttgarter Bunker spielen dabei immer wieder eine Rolle. Bands wie Müll oder Spratzel Strull spielten in den 1970ern eine Musik, die von britischen und amerikanischen Musikern beeinflusst waren und tourten letztlich im In- und Ausland. In ihrer vermeintlich toten Heimatstadt fanden sie treue Fangemeinden.

Als Punk nach Deutschland schwappte, dauerte es wiederum eine gewisse Zeit, bis der Funke auch in Stuttgart zündete. Doch dann entfachte er ein Feuerwerk, dessen Kaskaden bis in die Dörfer des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb reichte. Vieles war kurzlebig, manches existierte sehr lange. Das wiederholte sich bei Hiphop und anderen Subkulturen.

Vom 28.10. bis 19.11.2016 ist in der Galerie Oberwelt e.V. die Ausstellung „Musik im Bunker“ zu sehen, die erstmals in Stuttgart anhand von Beispielen in Bild und Ton die Rolle würdigt, die die Stuttgarter Bunker für die lokale Musikszene seit Anfang der 1970er Jahre spielen.