biznis biznis – Wilhelmsplatz

Mitte der 1980er Jahre hatten BIZNIS BIZNIS einen Proberaum im Tiefbunker unter dem Wilhelmsplatz, mitten in der Stadt und in direktem Kontakt zur Altstadt. Der folgende Text wurde uns von Simon Steiner zur Verfügung gestellt:

Mit biznis biznis probten wir ab 1983 in dem Tiefbunker am Wilhelmsplatz, Stuttgart-Mitte. Es befanden sich in den benachbarten Kellerräumen auch noch andere Bands und auch schon Jahre zuvor eine lockere Sessiongroup um Eckhart Holzboog und Sascha Vidakovic und später meiner Wenigkeit, die später in den Güterbahnhof GBH und schließlich in den MBK nach Feuerbach umzog.

Eckhardt Holzboog: “Den Bunker unterm Wilhelmsplatz haben Thomas Hermann (Hermie) und Sascha aufgerissen. Ich meine, der Mietvertrag lief auch über Hermie. Es wurden familiäre Verbindungen aus dem Umfeld zum Rathaus genutzt. Als wir einzogen räumte gerade ein über viele Jahre etabliertes Hippie-Indien Lokal und eine Schreitherapie-Gruppe das Feld.“

Oben, zwischen Platz, Taxistand und Straße waren Geländer und Gitter und eine Türe, die man hochziehen musste. Es ging schmutzige Treppen tief hinunter, es war dunkel, feucht, kalt, muffig und staubig. Der Übungskeller oder Proberaum,  – wie man so schön akademisch-verschult sagt – , war mit vergilbten Eierkartons, stinkenden Elektroöfen und aufgeweichten, löchrigen Teppichen ausgestattet, das schuf ein bisschen Keller-Behaglichkeit und besseren Sound.

Wir waren so was von froh, diesen Tiefbunker benutzen zu dürfen. Strom, Lautstärke, Gäste, die halbe Szene, ja mittendrin in der Stadt! Alles gut!

Oben im La Concha, damals noch in griechischer Hand, konnten wir essen, trinken, rauchen und uns unterhalten, Stücke besprechen oder den Gruppengeist pflegen und unsere Gigs planen. Damit waren wir auch gleich mittendrin in der Szene, die sich dann allerdings Richtung Café Stella verschob.

Ich erinnere mich, dass Udo Schöbel, Maggi Marohn und ich an einem Samstagnachmittag dort im angenehm kühlen Tiefbunker eine Kurzprobe durchzogen und dann abends zur Eröffnung des Cafe Stellas aufspielten. Wir waren aber nur ein Nebenprojekt von biznis biznis. Maggi spielte zuvor mit Udo bei Karl Anton und die Heartbreakers.

biznis biznis waren der Bandleader, Komponist und Gitarrist Udo Schöbel, Doti, die im Exil bediente, als Sängerin (später Cleaning Women), Jason Seizer, Gesang, Querflöte, dem ich dort im Tiefbunker das Saxofonspielen beibrachte, der kleine Panni Panhans alias Potter am Schlagzeug, Bruder von Stups Panhans (El Zechos, Spes), Götz, damals Dotis fester Freund am Bass, ich am Saxofon, Kösel als weiterer Saxofonist und Jochen an der Trompete, später Cleaning Women. Aus einem Teil von biznis biznis entwickelte Udo danach die JAZZBANDNEGER und arbeitet weiter – bis heute – bei CLEANING WOMEN.

Die Kassette (cooler, swingender Wave – Beat) wurde in Reutlingen – im Studio von Hubert Kah aufgenommen und sollte eigentlich als LP, die Peter Reinhardt produzieren wollte, veröffentlicht werden.