Café Soft – Badstraße

Café Soft ging 1973 aus der Stuttgarter Rockband Drosophila hervor. Die Besetzung bestand aus Roland Baisch (Gesang), Otto Ziegler (Gitarre), Günther Zorn (Gitarre), Peter Maier (Bass), Eberhard Scholl (Schlagzeug).  Zum Line-up gehörte sporadisch auch Volker Walliser am Keyboard. Die Band bekam über das Bundesamt für den Zivilschutz den Raum im Hochbunker Badstraße (Rosensteinbunker) angeboten, den Spratzel Strull von 1971 bis 1973 genutzt hatten.

Eberhard Scholl gab auch Schlagzeugunterricht im Bunker, so dass es wohl mehrere Schüler von ihm gibt, die in dem ehemaligen Hochbunker den Umgang mit dem Schlagzeug erlernten.

Die Entwicklung von Café Soft verlief viel versprechend. Die Band trat regelmäßig auf und stand auch außerhalb Stuttgarts und der Region auf der Bühne. 1974 wurde sie im Rahmen eines Bandwettbewerbs Landessieger Baden-Württemberg und nahm damit an der Ausscheidung zum Bundessieger in der Dortmunder Westfalenhalle teil, wo sie vor ca. 10.000 Zuschauern spielte. Trotz des hohen Potentials konnten die Stuttgarter den Bundessieger-Wettbewerb nicht für sich entscheiden.

Dennoch resultierten aus dem Wettbewerb weitere überregionale Engagements. Der Dortmunder Auftritt stellte allerdings den Höhepunkt ihres Erfolgs dar. Nachdem einzelne Musiker von Café Soft in der Folgezeit ihre Schwerpunkte auf andere Projekte legten, war die Zusammenarbeit in der Band zunehmend schwierig. Sänger Roland Baisch ging nach Amsterdam, um eine Karriere außerhalb der Band zu starten. Er arbeitet heute als erfolgreicher Comedian. Andere Mitglieder stiegen bei anderen Bands ein. Mitte 1975 erfolgte die Auflösung von Café Soft.

Eberhard Scholl spielte zunächst bei der Deutschrockband Cannock und ab 1978 bei El Zechos, einer der dienstältesten Rock-Bands der Stuttgarter Szene. Seit Anfang der 80er Jahre bis heute spielt er Schlagzeug bei den Cleanin‘ Women. Außerdem ist er Mitglied der Formation Paparazzi und trommelt wieder im Bunker: Im Eiernest in Heslach.

Otto Ziegler spielte in diversen Bands, zunächst bei der bekannten Stuttgarter Band Argo, dann bei deren Nachfolgeformation Joy, mit der er 1979 Preisträger der Deutschen Phonoakademie wurde.

Auch Günther Zorn blieb der Musik treu. Mit ex-Café Soft-Basser Peter Maier, Fritz Wagner (Gesang), Peter Birke (Keyboards) und Rolf Ammer (Schlagzeug) spielte er in der Formation Partner der Welt, die 1981 eine 7“ veröffentlichte. Stilistisch war diese Band der Stuttgarter NDW-Szene zuzuordnen. Günther Zorn übernahm 1983 von Tilo Mußer den Schallplattenladen Musikuss, der sich zuletzt mit der Instrumentenhandlung Kaufhaus Schall Geschäftsräume in der Tübinger Straße teilte.

Trotz vielfältiger Aktivitäten in unterschiedlichen Musikprojekten verloren sich die Mitglieder von Café Soft nie aus den Augen. Im Jahr 2008 gründeten Otto Ziegler, Eberhard Scholl und Günther Zorn gemeinsam mit Fritz Wagner, dem Sänger der Café Soft-Vorgängerband Drosophila, und Bassist Horst Rummel die Rockformation Split74. Leider verstarb Gitarrist Günther Zorn nach den ersten Auftritten von Split74, aber die vier verbliebenen Musiker führten die Band weiter und sind bis zum heutigen Tag unterwegs auf Rockbühnen aller Art.

Durch die Ausstellung „Musik im Bunker“ im Kunstraum Oberwelt im November 2016 wurden die Macher des Buch- und Ausstellungsprojekts „Wie der Punk nach Stuttgart kam“ auf Café Soft aufmerksam. Der in der Ausstellung präsentierte Song „Maria“ markierte den Schritt vom eher „konventionellen“ Rock vieler deutscher Bands der damaligen Zeit zu einer musikalischen Ästhetik, die Anleihen bei den Stooges nahm. Er weist aber auch Ähnlichkeiten auf zu der Musik, die etwa Richard Hell ab 1978 machte.

Als ein Beispiel für Stuttgarter Prä-Punk-Wave-Rock wird „Maria“ in einer streng limitierten 7“-Platte veröffentlicht. Das 2. Stück auf diesem Tonträger ist „Ich kann mich nicht erinnern“ vom Tübinger Punk-Urgestein K.G.B.

Die 7“ ist nicht einzeln erhältlich, sondern ausschließlich als Bonus-Single der limitierten Doppel-LP „Stuttgart brennt vor Langeweile – Punk & Underground PLZ 7000 + Umgebung 1978-83“, die über die Crowd-Funding-Aktion des Projekts bestellt werden kann. „Maria“ wurde 1974 im Hochbunker Badstraße aufgenommen.