Heimatfront 1. Weltkrieg

Während durch militärische Fehleinschätzung Anfang August 1914 russische Verbände zunächst nach Ostpreussen vorstoßen konnten, fanden die Kampfhandlungen im Westen schon von Beginn an auf französischem Boden statt.

Dadurch blieben die Länder Baden und Württemberg von direkten Kampfhandlungen verschont. Die schon von Beginn an mit erheblichem artilleristischem Aufwand betriebenen Offensiven erfüllten allerdings das gesamte Grenzgebiet mit Kanonendonner. Doch dies war nicht die einzige Auswirkung dieses Krieges, die man im südwestdeutschen Hinterland spürte.

Keine der großen Industrienationen, die sich im August 1914 in den Krieg stürzten war auf lange Kampfhandlungen vorbereitet. Das deutsche Reich hatte allerdings einen deutlichen Nachteil. Die unmittelbar einsetzende englische Seeblockade schnürte Deutschland von Importen ab. Andere Rohstoffe, die vor dem Krieg auf dem Landweg eingeführt worden waren kamen von Ländern, die nun Kriegsgegner waren, wie etwa Holz aus Russland.

Auch zahlreiche ausländische Arbeitskräfte waren vor dem Krieg saisonal vor allem in der Landwirtschaft, aber auch in der Industrie eingesetzt worden und standen nun nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung.

Das durch die Industriealisierung wirtschaftlich rapide wachsende Kaiserreich war auch von Lebensmittelimporten abhängig, die nicht vollständig kompensiert werden konnten. Trotz Bezugsscheinen und Rationierung wurde der Hunger im Verlauf des Krieges zum Dauerzustand für die deutsche Bevölkerung.

Hinzu kam eine neue Front, die es in keinem vorangegangenen Krieg je gegeben hatte: Bereits wenige Tage nach Ausbruch des Krieges machten alle großen kriegführenden Nationen deutlich, dass sie die gegnerische Zivilbevölkerung im Hinterland mit Luftschiffen und Flugzeugen angreifen konnten. Die Jubelmeldungen über deutsche Angriffe auf Paris und London wurden vor allem im westlichen Grenzgebiet des deutschen Reiches begleitet von Angriffen britischer und französischer Flugzeuge auf deutsche Städte. Im Südwesten waren dies vor allem Freiburg und Karlsruhe, aber auch Stuttgart wurde mehrfach angegriffen.

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