Luftangriffe auf Freiburg

Bedingt durch die Nähe zur Grenze hatte Freiburg schon sehr früh die neue Dimension des Krieges kennengelernt. War die Stadt bereits am 06. August 1914 von zwei feindlichen Flugzeugen überflogen worden, ohne dass Bomben fielen, erlebte sie im Dezember des Jahres die ersten Bombenabwürfe. Am 04. Und 09. Dezember warfen französische Flugzeuge Bomben auf den Exerzierplatz im Nordwesten Freiburgs, wobei die Schäden noch überschaubar blieben.

Am 13. Dezember warfen zwei französische Flugzeuge Bomben auf die Innenstadt und töten zwei Einwohner. Als Reaktion wurden auf der Ludwigshöhe am Schlossberg der „ortsfeste Flakzug Nr. 24“ mit mehreren Geschützen stationiert. Im Umkreis der Stadt wurden mehrere Fliegerbeobachtungsstationen eingerichtet, die sich nähernde Flugzeuge melden und entsprechend Alarm auslösen sollten. Solche Maßnahmen waren zu Kriegsbeginn noch relativ selten. Bis 1. September 1915 waren in Deutschland 215 Flugabwehrgeschütze stationiert. Zum 30.09.1918 lag die Zahl bei 896. Im März 1915 konnte die Freiburger Flak ein französisches Flugzeug beschädigen, so dass es bei Bremgarten notlanden musste.

Die mehrfache Verstärkung der Flak im Stadtgebiet brachte zunächst gewisse Erfolge. Mehrmals konnten einfliegende gegnerische Flugzeuge durch Beschuss abgedrängt werden. Im August 1915 hätte die Freiburger Flugabwehr beinahe die Weltgeschichte verändert. Der auf einem Schulungsflug befindliche Leutnant Hermann Göring wurde irrtümlich als Gegner unter Feuer genommen und sein Flugzeug beschädigt. Der spätere „Reichsmarschall“ konnte jedoch unverletzt in Freiburg landen.

Es zeichnete sich allerdings ab, dass die bodengestützte Luftabwehr mit dem Fortschritt der Flugzeugindustrie kaum mithalten konnte. Die Einflughöhen wurden immer größer und überschritten bald die Reichweiten der Flak. Zwar hatte man in Freiburg die Jagdstaffel 4b stationiert, um Luftangriffe auch mit Jagdflugzeugen abwehren zu können. Doch zeigte sich dass die dort aufsteigenden Flugzeuge kaum die Möglichkeit hatten sich schnell genug auf die Flughöhe der Angreifer hochzuschrauben. So erlebte Freiburg während des 1. Weltkriegs 25 Luftangriffe, wovon 11 bei Nacht ausgeführt wurden. 289 Bomben fielen auf die Stadt, töteten 30 und verletzten 94 Menschen.

Die verheerendsten Schäden verursachten zwei schwere Angriffe durch 23 britische und 12 französische Flugzeuge am 14. April 1917, die gegen 12 Uhr und 17 Uhr aus großer Höhe ca. 60 Bomben abwarfen. Bei diesem Angriff starben 13 Menschen, 27 wurden verletzt. Die Sachschäden in Höhe von über einer Million Reichsmark waren für die damalige Zeit erheblich. Die gesamten Schäden durch Luftangriffe in Deutschland wurden auf 23,5 Millionen Reichsmark beziffert, was eine Vorstellung vom Anteil Freiburgs vermittelt. Auch wenn dies in Relation zu den Kriegsausgaben des Reiches geringfügig erscheint, die 1918 180 Millionen Reichsmark täglich erreichten, waren die durch Bombenschäden verursachten Reparatur- und Wiederaufbaukosten in erster Linie von der Stadt selbst zu tragen.

Als eine Folge des Angriffs vom 14. April wurden in Freiburg etwa 70 zumeist öffentliche Kellerräume als öffentliche Unterstände bei Fliegerangriffen ausgewiesen. Weitreichende Verdunkelungsmaßnahmen waren bereits 1915 eingeführt worden.

Eine spätere Analyse ergab, dass die Angriffe der Entente in erster Linie darauf abgezielt hatten, Freiburgs Funktion als Drehscheibe für den Nachschub ins Elsass zu beeinträchtigen. Die Angriffe waren vor allem gegen Verkehrswege (Straßen und Bahnlinien) und zentrale Gebäudekomplexe gerichtet.

Die Erfahrungen des 1. Weltkriegs führten auch nach 1933 zu einer Einstufung Freiburgs als stark gefährdeter Stadt. Im Rahmen des Ausbaus der Luftverteidigungszone West hatte man den Schutz Freiburgs zunächst hoch priorisiert, nach dem weitgehenden Ausbleiben alliierter Luftangriffe diesen aber gegen Anfang 1941 auf ein Minimum zurückgefahren.

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