Heimatfront

Der Begriff „Heimatfront“ war zu Beginn des Krieges vor allem ein Propaganda-Begriff. Das NS-Regime hatte schon seit dem Machtantritt die Sprache militarisiert und den Überlebenskampf des Deutschen Volkes zum zentralen Begriff erhoben, dem sich praktisch alles unterzuordnen habe.

Nach Kriegsbeginn waren vor allem Fleiß, Disziplin, Aufopferung für die „nationalsozialistische Idee“, penible Befolgung aller Vorschriften und unbedingter Gehorsam Kennzeichen der „Heimatfront“. Gleichzeitig sollte den Soldaten an der Front durch gezielte Maßnahmen vermittelt werden, dass die Heimat an sie denkt, auf sie vertraut und ihr Opfer zu schätzen weiß.

So war die „Heimatfront“ zu Kriegsbeginn in Deutschland vor allem eine ideelle Konstruktion, die die Moral der Truppe und den Zusammenhalt der Bevölkerung stärken sollte. Mit der Intensivierung der britischen Luftangriffe nach der Kapitulation Frankreichs im Sommer 1940 änderte sich das Bild der „Heimatfront“ immer mehr und Themen des Luftschutzes gewannen an Bedeutung.

Bereits unmittelbar nach Machtantritt rückte das NS-Regime Luftschutzthemen immer mehr in die öffentliche Wahrnehmung. 1937 kam die „Volksgasmaske 37“ auf den Markt, deren Erwerb von Partei und Reichsluftschutzbund, aber auch in den Medien massiv propagiert wurde. Luftschutzmaßnahmen, Verdunkelung, Rettung Verschütteter,  Erstversorgung Verletzter Brandbekämpfung und weitere Themen des „Selbstschutzes“ wurden auf Apothekensammelbildchen dargestellt und in der Öffentlichkeit gestreut.

Mit Brettspielen sollte der Bevölkerung die Bedeutung der „Luftgefahr“ und einer starken eigenen Luftwaffe nahe gebracht werden.

Nach dem Ende des deutschen Vormarschs vor Moskau im Dezember 1941 zeigte sich die Heimatfront auch in zunehmenden Sammelaktionen z.B. für das Winterhilfswerk, Tipps und Rezepten zum Sparen von Lebensmitteln, bzw. ihrer möglichst vollständigen Verwertung, Appellen zu Genügsamkeit und Verzicht aber auch zu „Wachsamkeit“ und Denunziation.

Versorgungsengpässe gab es allerdings bereits 1938 in verschiedenen Gebieten am Rhein, wo die große Anzahl der Arbeitskräfte auf den Westwall-Baustellen z.B. zu Fleischknappheit führten. Unmittelbar nach Kriegsbeginn wurde die Lebensmittelindustrie reglementiert, wie aus einem Schreiben des Heilbronner Teigwarenherstellers Knorr hervorgeht.

Als ab 1942/43 die massiven Flächenbombardements der Alliierten gegen deutsche Städte einsetzten, war der städtischen Bevölkerung Deutschlands klar, dass „Heimatfront“ für sie wörtlich zu nehmen war. Sie lebten in einem Frontabschnitt, der jederzeit aus der Luft angegriffen werden konnte.

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