Eisenbahnflak Kornwestheim

Am 18. Mai 1944 wurde im Bereich des Luftgaukommandos (LG) VII das Flakregiment 114 (E) aufgestellt. Es ging aus der Leichten Flakabteilung 732 hervor. Sowohl in truppendienstlicher als auch in ausbildungsmäßiger Hinsicht oblag dem Regimentsstab die Führung der Eisenflakabteilungen im LG VII.

Nach der Landung der Alliierten in der Normandie am 06. Juni 1944 wurde das gesamte Regiment nach Frankreich verlegt und kehrte gegen Ende 1944 im Rahmen des deutschen Rückzugs wieder ins Reichsgebiet zurück. Obwohl dem Regiment die Eisenbahnflak des LG VII unterstand, befand sich das Stabsquartier in Nürnberg-Erlenstegen, und damit im Gebiet des LG XIII. Das Regiment war direkt dem Luftgaukommando unterstellt.

Rückkehr aus Frankreich

Nach der Rückkehr aus Frankreich unterstanden dem Regiment die Schweren Eisenbahnflakabteilungen 125 (E), 473 (E), 538 (E) und die Leichte Eisenbahnflakabteilung 710 (E). Einem Bericht zufolge soll im Flakschutz der Stadt Stuttgart die 1/444 eingesetzt worden sein, die Schwere Eisenbahnflakabteilung 444 (E) war aber 1941 im Flakregiment 112 (E) im Luftgaukommando VI (Münster) aufgestellt worden. Unbestritten ist freilich, dass im Gleisdreieck südlich Kornwestheims eine Schwere Eisenbahnflak-Batterie mit vier 10,5 cm-Kanonen auf Eisenbahnwaggons sationiert waren.

Die dünne Aktenlage macht es schwierig, genau zu bestimmen, welcher Einheit die Kanonen der Kornwestheimer Eisenbahnflak zuzuordnen waren. 1941 waren drei Eisenbahnflakregimenter aufgestellt worden, um eine rasche Schwerpunktverlagerung der Heimatverteidigung zu ermöglichen. Sie wurden den LG III (Berlin), VI (Münster) und XI (Hamburg) zugeteilt. Für Süddeutschland war zu diesem Zeitpunkt keine Eisenbahnflak vorgesehen. Erst 1944 wurden zwei weitere Eisenbahnflakregimenter aufgestellt, wovon eines das Flakregiment 114 (E) für den Bereich des LG VII war.

Somit dürfte die am Gleisdreieck von Kornwestheim eingesetzte Eisenbahnflak erst Ende 1944 dort zum Einsatz gekommen sein. Dies passt auch zu den Aussagen von Zeitzeugen. Die Geschütze wurden nach Aussagen von ehemaligen Flakhelfern und Zeitzeugen teilweise weit auseinander gezogen, um bei Tag wenig Zielfläche zu bieten. So soll eine Kanone auf ihrem Waggon teilweise bis nach Neuwirtshaus gezogen worden sein, eine andere bis zum Bahntunnel im Tapachtal.

Sechs Würzburg-Geräte?

Einem C.S.D.I.C.-Bericht vom 02. März 1945 zufolge hatte der Kriegsgefangene Unteroffizier Federmann Ende 1944 sechs neuartige Funkmessgeräte in zwei Reihen zu je drei Einheiten im Bereich zwischen der Bahnlinie und der Hauptstraße zwischen Zuffenhausen und Kornwestheim gesehen. Seine Beschreibung und die von ihm gelieferte Skizze deuten auf Würzburg-Geräte hin, allerdings ist nicht erklärbar, warum dort 2 x 3 solcher Geräte aufgestellt worden sein sollen. Die Standortbeschreibung deutet auf einen Bezug zur Eisenbahn-Flakbatterie hin. Doch selbst für diese und die ortsfeste Schwere Flakbatterie Kornwestheim zusammen wären sechs Würzburg-Geräte nicht nötig gewesen. Ob der Bericht den Tatsachen entsprach, konnte nicht verifiziert werden.

Die Eisenbahnflak am Westbahnhof

Eine einzelne 10,5 cm-Kanone auf einem Eisenbahnwaggon war zum Kriegsende auch am Stuttgarter Westbahnhof eingesetzt. Auch sie müsste zum Flakregiment 114 (E) gehört haben. Sie sollte die Flak im Westen der Stadt verstärken. Um die Kanone vor Luftangriffen zu schützen stand sie tagsüber im Eisenbahntunnel. Bei Fliegeralarm musste der Waggon mit dem Geschütz aus dem Tunnel geholt und die Kanone dann gefechtsklar gemacht werden. Dies erwies sich als relativ schwerfällig, so dass diese Flak wenig zur Abwehr feindlicher Bomber beitragen konnte.