Die Schlacht um Heilbronn

Alle Bilder: NARA / U.S. Signal Corps.

 

Am 04. Dezember 1944 wurde Heilbronn von 292 britischen Bombern angegriffen. Sprengbomben und der entfachte Feuersturm zerstörten ca. 62% des Stadtgebiets. 6.530 Menschen kamen ums Leben. Viele erstickten oder verbrannten in den Kellern, in die sie sich geflüchtet hatten.

Die Stadt hatte die bisherigen Kriegsjahre weitgehend unbeschadet überstanden. Zwischen August und November 1941 erlebte sie vier Luftangriffe, die wohl wesentlich auf die Scheinanlage bei Lauffen zurückzuführen waren. Die von der RAF den Piloten für diese Angriffe gegebenen Ziele waren Karlsruhe (zweimal), Mannheim und Nürnberg gewesen.

Der Angriff vom 07. Mai 1942 ist nach heutigen Erkenntnissen eindeutig der Scheinanlage zuzuordnen. Er hatte eigentlich Stuttgart gegolten, traf aber Heilbronn, wo 7 Menschen starben und 150 Häuser getroffen wurden. Dennoch kehrte bald wieder die Normalität des Kriegsalltags ein.

Diese relative Ruhe im Krieg spiegelt sich auch an den Umschlagszahlen des von 1931 – 1935 erstellten Kanalhafens wider. Dort wurden in den Jahren 1939 bis 1944 jeweils zwischen 1,7 und 1,9 Mio. Tonnen Güter umgeschlagen. 1945 waren es ganze 45.000 Tonnen.

Vom 27. Dezember 1944 bis 31. März 1945 erfolgten 49 Luftangriffe auf Heilbronn, die den Rangierbahnhof, die Neckarbrücken und das bis 25. März funktionierende Gaswerk zerstörten.

Die US-Army erreicht die Stadt

Am 02. April 1945 erreicht die 100. US-Infanterie-Division Heilbronn. Die Soldaten sind kampferprobt. Sie hatten im Winter drei Monate lang um Bitche im Elsass gekämpft. Den rund 8.000 bis 9.000 Amerikanern stehen etwa 1.000 bis 1.200 deutsche Soldaten gegenüber. Sie gehören unterschiedlichsten Verbänden an, die sich häufig als Restverbände aus anderen Frontabschnitten herausziehen konnten und nun bei Heilbronn eine neue Front aufbauen sollen. Es sind Gebirgsjäger, Volksgrenadiere, Pioniere, die Ausbildungs- und Ersatzbataillone 119 und 380.

Für die Amerikaner geht es in Heilbronn nicht nur um die Stadt, sondern auch um den Neckar-Übergang. Südlich von Lauffen stoßen französische Verbände zum Neckar vor. Die Befehlshaber befinden sich in einem inoffziellen Wettbewerb, wer als erster über den Neckar setzt. Der Wettbewerb ist freilich ungleich. Anders als die Amerikaner haben die Franzosen kaum geeignetes Pioniergerät dabei.

Die Heilbronner Bevölkerung ist in die Keller und Bunker geflüchtet. Am Morgen des 03. April gegen 3 Uhr stoßen amerikanische Soldaten bei der Neckargartacher Brücke durch und rücken in das Industriegebiet vor, ein Stoßtrupp von 15 – 20 Mann. Es gibt mehrere Tote, die anderen geraten in deutsche Gefangenschaft.

Rund 24 Stunden später setzt eine Kompanie mit 14 Sturmbooten über, zwei weitere Kompanien folgen. Sie besetzen das Kraftwerk rücken bis zur Neckarsulmer Straße, zum Pionierpark und zum Salzwerk vor.

Gegenangriff und Häuserkampf

Der deutsche Gegenangriff erfolgt am Tage. Mit Artillerieunterstützung greift die deutsche Infanterie von Norden, Süden und Osten an. Die heftige Gegenwehr überrascht die Amerikaner, die in der von den Luftangriffen schwer zerstörten Stadt Schwierigkeiten haben sich an die Situation anzupassen. Die Deutschen verwickeln sie in einen zähen Häuserkampf. Der Versuch in der Nacht zum 5. April mit einer Fähre Panzer über den Neckar zu bringen scheitert im deutschen Artilleriefeuer.

Die 10. US-Panzerdivision erhält daraufhin Befehl nördlich Heilbronns über den Neckar zu setzen und über Mergentheim und Crailsheim in den Rücken der deutschen Verteidiger Heilbronns vorzustoßen. Damit liegt die Last der Kämpfe im Stadtgebiet wieder alleine auf der 100. Infanterie-Division.

Im Salzwerk entfaltet sich der ganze Horror dieses Kampfes. In den Kellern und Bunkerräumen des Salzwerks drängten sich mehrere hundert Zivilisten, die auf das Ende der Kämpfe warteten. Unterdessen spitzen sich diese in den Stockwerken darüber zu. In den Treppenhäusern kommt es zu Nahkämpfen, eine Etage wird von Deutschen gehalten, die nächste von den Amerikanern. Nach heftigem Artilleriebeschuss und verbissenen Gefechten kapitulieren die deutschen Verteidiger des Salzwerkes am 05. April gegen 15 Uhr.

Die Kämpfe in der Stadt gehen unvermindert weiter. Am 07. April bauen amerikanische Pioniere eine Pontonbrücke, die von der deutschen Artillerie zerschossen wird. Am folgenden Tag gelingt die Überfahrt mit 24 Panzern und 9 Pak, bevor auch diese Brücke von deutschen Granaten zerstört wird.

Panzer in der Innenstadt

Erst am 10. April endet der deutsche Beschuss der Brückenbauer. Doch selbst die Panzer bringen keinen schnellen Durchbruch. Die engen Straßen liegen voller Trümmer. In den Ruinen haben sich die Deutschen verschanzt. Beide Seiten setzen Scharfschützen und Flammenwerfer ein. Ein US-Panzer wird abgeschossen. In manchen Straßen wird um jedes Haus gekämpft.

Erst am 12. April ist die Innenstadt völlig in amerikanischer Hand. Die Wehrmacht hält noch die Kasernen im Süden Heilbronns und die Hügel im Osten. Vor den Kasernen liegen 300 m offenes Gelände. Doch hier können die amerikanischen Panzer ihre Wirkung entfalten. Artillerie schießt ein Gebäude in Brand. Die Schlieffen-Kaserne wird gegen 14 Uhr besetzt. Etwa eine Stunde später stürmen die US-Truppen die Priesterwald-Kaserne nach Artillerievorbereitung.

Während die Amerikaner an diesem Nachmittag nach dem früheren Oberbürgermeister Emil Beutinger schicken, der 1933 von der NSDAP abgesetzt worden war, um ihm die Verwaltung der eroberten Stadt zu übertragen, beginnt der Angriff gegen Sontheim. Dort haben sich 200 deutsche Soldaten verschanzt. Erst nach 18 Stunden Kampf können die Amerikaner den letzten Heilbronner Stadtteil übernehmen.

Inmitten der Kämpfe ließ NSDAP Kreisleiter Richard Drauz am 6. April vier Heilbronner Bürger erschießen, die weiße Flaggen gehisst hatten. Mehrere andere entkamen Drauz und seinen Helfern im Chaos, bevor sich der Kreisleiter mit seinem Trupp absetzte.

Bilanz

Bei der Schlacht um Heilbronn starben nach offizieller Darstellung mindestens 318 Menschen. Die 100. US-Infanterie-Division nennt 60 Tote, 250 Verletzte und 112 Vermisste.

Auf Deutscher Seite werden die Zahlen mit 212 toten Wehrmachtssoldaten angegeben. 51 Zivilisten kamen in den 10-tätigen Kämpfen ums Leben, darunter auch die vier Opfer des Kreisleiters Drauz. Demnach läge die Zahl der Toten bei 323. Aber auch eine große Zahl der Vermissten wird man zu den Toten zählen müssen.

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