Kampf um Lauffen

Am 04. April 1945 erreichte die Front Lauffen am Neckar. In den Tagen zuvor hatten sich lange Trecks der Wehrmacht vom Zabergäu kommend durch die Stadt gezwängt. Da die Bahnhofstraße wegen eines großen Bombentrichters unpassierbar war, mussten alle Fuhrwerke durchs Scheuerngässle, das somit praktisch ganztägig verstopft war.

Bereits am Ostermontag, den 02. April waren die Hausener gewarnt worden, dass die Front in 1-2 Tagen da sein würde. Entgegen ihren Erwartungen würde sie jedoch nicht von Westen heranrücken, sondern von Norden.

Gegen 18:10 Uhr kündigte sich die Front am 04. April mit den ersten Granateinschlägen im Stadtgebiet an. Die französischen Geschosse galten den noch immer über die Neckarbrücke strömenden deutschen Truppen. Im Abstand von 2,5 bis 5 Minuten schlugen die Granaten ein. Der Beschuss dauerte die ganze Nacht und hörte erst gegen 7:30 h am nächsten Morgen auf.

Lauffen hatte bereits rund 35 Luftangriffe erlebt, die teilweise erhebliche Schäden in der Stadt verursacht hatten. Beim Luftangriff am 13. April 1944 waren 56 Menschen getötet und 108 z.T. schwer verletzt worden. 123 Gebäude wurde z.T. schwer beschädigt und 26 völlig zerstört. Die Hoffnung der Lauffener nach dem Abbau der Scheinanlage „Brasilien“ nicht mehr zum Ziel alliierter Bomber zu werden hatte sich nicht erfüllt. So trafen die Granaten in eine Stadt, die schon erhebliche Schäden aufwies.

Am 05. April sprengten deutsche Truppen alle Neckarbrücken. Die kleine Brücke zwischen Kirche und Burg wurde gänzlich zerstört, aus der großen 225 m langen steinernen Brücke brachen in der Mitte zwei Bogen heraus. Auch die Bahnüberführung über den Hagdohl wurde gesprengt. Durch Artillerie wurde die hintere Gasse in Brand geschossen. Da die Bewohner außerhalb der Stadt in den Feldbunkern waren, konnten die Gebäude nicht gelöscht werden.

Am 06. April rückte die Front ins Stadtgebiet, wo noch immer deutsche Soldaten Widerstand leisteten. Von der Nordheimer Höhe schossen französische Maschinengewehre. Bei Kämpfen bei den Lehmbrüchen der Ziegelei erlitten die Franzosen Verluste, drangen aber am folgenden Tag in die Stadt ein.

Am gegenüberliegenden Ufer waren die deutschen Verbände in Stellung gegangen. So entwickelte sich nach einem eher ruhigen Samstag am Sonntag, den 08. April ein Artillerieduell, bei dem auch die Burg und die Kirche mehrere Treffer erhielten. Die Bevölkerung brachte sich in den Kellern und Stollen in Sicherheit. Zwar wechselten die franzosischen Verbände in der Stadt alle zwei Tage, so dass die Bevölkerung mit Algeriern, Tunesiern, Marokkanern und Nordfranzosen in Kontakt kam. Die Front bewegte sich jedoch nicht.

Am Freitag, den 13. April kam ein deutscher Stoßtrupp mit einem Nachen über den Neckar. Mit Handgranaten gingen die Deutschen gegen die Kirche vor, wo sie die Marokkanischen Truppen vermuteten. Der Vorstoß wurde aber abgewiesen und 6 Deutsche gerieten in Gefangenschaft.

So verlegte sich die Wehrmacht wieder auf Artilleriebeschuss. Am 14. April kamen dadurch 3 Lauffener ums Leben und 7 wurden schwer verletzt. Bis zum Morgen des 19. April dauerte der Beschuss Lauffens durch deutsche Artillerie. Erst dann zogen sich die Wehrmachtsverbände zurück, um einer Umfassung durch die alliierten Truppen zu entgehen.

Den zwei Wochen währenden Kampfhandlungen waren 14 Einwohner zum Opfer gefallen. 11 Menschen in hohem Alter und ein Kind waren durch die Strapazen der Frontsituation gestorben und 2 Eisenbahner waren tödlich verunglückt.

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