Kampf um Nußdorf

Die Federzeichungen von W. Hakius, Nußdorf sind der „Nußdorfer Kriegschronik 1945“ entnommen, die Ostern 1949 in zweiter Auflage erschien.

Nußdorf hatte den Krieg bis zum Februar 1945 unversehrt überstanden. Am 23. Februar erfolgte der verheerende Angriff auf das 16 km entfernte Pforzheim und er war in Nußdorf zu spüren. Fenster zersprangen, Türen und Fensterläden wurden zugeschlagen. Zwar fiel keine Bombe auf Nußdorf, doch 20 Minuten lang war das Dorf dem Luftdruck der Detonationen ausgesetzt. Der Himmel färbte sich glutrot und ein feiner Ascheregen fiel auf die Umgebung Pforzheims, so auch auf Nußdorf. Ihm folgte ein Zug verstörter, traumatisierter und teils kaum bekleideter Menschen, die aus der brennenden Stadt flohen.

In den folgenden drei Wochen konnten die Nußdorfer die Angriffe der Tiefflieger beobachten, die vor allem gegen die Bahnlinie Vaihingen-Mühlacker und gegen den Flugplatz Großsachsenheim vorgingen, aber auch gegen die umliegenden Dörfer. So war überraschte es nicht, als am 14.03. die ersten beiden Nußdorfer bei Aurich durch Tiefflieger ums Leben kamen. Eine Frau mit ihrer kleinen Tochter. Es blieben nicht die einzigen.

Ab 02. April zogen zurückweichende deutsche Truppen durch das Dorf. Am 04. April erging der Befehl an den Volkssturm nach Gmünd abzurücken. Er betraf alle waffenfähigen Männer. Beim Verlesen des Befehl kommt es auf dem Rathausplatz zum Tumult und zu Handgreiflichkeiten gegen den Volkssturmführer und den Ortsbauernführer. Der Volkssturm aus Nußdorf rückt nicht ab.

Am 06. April rücken SS-Polizei und Wehrmacht (Teile des Gren.Rgt. 225) in Nußdorf ein. Bürger, die Panzersperren beseitigen wollen werden mit dem Tode bedroht und müssen die Sperren wieder schließen.

Mit Brand- und Sprenggranaten setzte am Abend des 07. April der Beschuss Nußdorfs durch die Franzosen ein. Da eine Granate mitten in die Menge der Einwohner einschlägt, die einen Brand zu löschen versuchen, fordert der Feuerüberfall 10 Todesopfer.
In den folgenden Tagen arbeiten sich die Franzosen an Nußdorf heran, besetzen Großglattbach und Aurich und richten sich dort ein. Auch die Wehrmacht bezieht Stellung. Hinter dem Schloßgarten werden Granatwerfer in Stellung gebracht, am Eberdinger Weg und am Weissacher Loch stehen deutsche Kanonen. Am Waldrand sind Granatwerfer und MG in Stellung. Am mittleren Dettenackerweg stehen sieben deutsche Panzer.

Die französische Artillerie steht im Raum Großglattbach – Pinache und in Vaihingen / Enz. Bei Illingen stehen französische Panzer, die in die Beschießung eingreifen. Die Bevölkerung Nußdorfs lebt überwiegend in den Kellern.

Am 11. April wird Nußdorf von Jagdbombern angegriffen, die flächig Brandbomben werfen. In der Pfalz, der Vaihinger Straße, der Rappen- und Pappelgasse, entlang der Hauptstraße, der Kirch- und der Kreuzstraße stehen Häuser in Flammen. Im Spritzenmagazin eingelagerte Munition explodiert. Da die Leitungswasserversorgung zusammengebrochen ist, versuchen die Einwohner mit Most und mit Mistbrühe zu löschen. Schloßherr Freiherr von Reischach-Scheffel versucht, auf die militärische Führung einzuwirken, dass sie den Kampf beende, bevor das Dorf völlig zerstört ist. Doch die Wehrmacht beharrt darauf, Nußdorf zu halten.

Inzwischen hat auch der Artilleriebeschuss wieder eingesetzt. Am 12. April schlagen Granaten im Vieh ein, das man im Schloßgarten zusammengetrieben hatte.

Die SS befiehlt die Räumung des Dorfes. Von 950 Einwohnern bleiben am 13. April nur etwa 180 in Nußdorf, das weiter gehalten werden soll. Auch am 14. und 15. April lodern Brände durch Artillerieeinwirkung. In der Nacht zum 15. April waren die SS und Wehrmacht jedoch weitgehend aus Nußdorf abgerückt. Sie ließen nur eine schwache Verteidigung aus wenigen Dutzend Soldaten rund um Nußdorf zurück. Diese sind wohl auch der Grund, warum am 16. und 17. das Gelände rund um das Dorf unter heftigem Granatwerferbeschuß liegt.

Inzwischen schlagen auch die ersten Granaten in Weissach ein, wo viele Nußdorfer Zuflucht gesucht hatten. Andererseits weicht die Wehrmacht zurück, so dass die Nußdorfer versuchen, am 18. April ins Dorf zurückzukehren. Die verstärkte Aktivität der zurückweichenden deutschen Truppen und der ins Dorf strebenden Einwohner zieht erneut stärkeren Beschuss nach sich. In der Nacht kehren einige Nußdorfer ins Dorf zurück. Sie erleben am folgenden Tag den schwersten Beschuss, dem das Dorf bislang ausgesetzt war und flüchten in die Keller.

Bis zum Nachmittag schwillt der Beschuss an, dann mischen sich auch Schüsse von Maschinengewehren in den Lärm. Die ca. 30 deutschen Verteidiger am Dorfrand setzten sich unter dem Druck des gegnerischen Feuers ab. Gegen 18:00 h rücken am 19. April französische Truppen in Nußdorf ein. Sie finden ein weitgehend zerstörtes Dorf vor, dessen noch intakte Gebäude von der SS verwüstet worden waren. Am 20. April schlägt eine letzte deutsche Artilleriesalve im Dorf ein und tötet ein Kind.

Den Kämpfen um Nußdorf fielen 19 Einwohner und eine evakuierte Frau aus Duisburg zum Opfer. Durch Luftangriffe im März 1945 starben vier Einwohner. 6 deutsche Soldaten, die in Nußdorf fielen, sind auf dem Friedhof beigesetzt. Von 447 Haupt- und Nebengebäuden wurden 309 total zerstört.

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