Ordnungspolizei und SHD

Während der von Spartakisten und anderen linken Gruppierungen getragenen Streiks ab November 1918 war in Berlin und anderen Großstädten die Versorgung mit Gas und Wasser immer wieder unterbrochen, so dass die Reichsregierung zunächst eine Abteilung aus technisch versierten, abgemusterten Soldaten aufstellte, die als staatliche Streikbrecher die Arbeit in den bestreikten Versorgungsbetrieben übernahmen. Da die Streiks sich auf immer mehr Städte ausdehnten, wurde im September 1919 die technische Nothilfe gegründet, die im ganzen Reichsgebiet als zwar zivile aber staatliche Organisation eingesetzt werden konnte.

Ab 1923 erweiterte sich die Tätigkeit der technischen Nothilfe immer mehr und sie wurde zu einem Bindeglied zwischen der Reichswehr und den Feuerwehren, das sich zunehmend auf den Katastrophenschutz und – einsatz spezialisierte. In den ersten Nachkriegsjahren war bei Überschwemmungen, Waldbränden, Erdrutschen etc. vor allem die Reichswehr eingesetzt worden, um die Feuerwehren zu unterstützen. Nun entwickelte die technische Nothilfe Gefahrenkarten, Hilfs- Rettungs- und Evakuierungspläne, schuf eine tief gegliederte personelle Organisation und stellte ihren Trupps die notwendige Ausrüstung, von handlichem Werkzeug bis zu speziellen LKW und schwerem Gerät für Großeinsätze.

Bereits in den 1920er Jahren begann die technische Nothilfe auch mit dem systematischen Aufbau eines Gasschutzes. Ausgehend von den notwendigen Maßnahmen bei möglichen Katastropheneinsätzen nach Chemie-Unfällen wurden nun auch Einsätze nach militärischen Gasangriffen auf die Zivilbevölkerung als Szenario gesehen, auf das sich die technische Nothilfe vorbereiten sollte.

Mit der verordneten Vereinigung der existierenden Luftschutzvereine zum Reichsluftschutzbund (RLB) 1933 unter der Verantwortlichkeit des Reichsluftfahrtministeriums (RLM) wurden die Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Luftangriffen zentralisiert. Faktisch wurde damit der zivile Luftschutz der Luftwaffe untergeordnet. Um diese Aufgaben zu erfüllen griff der RLB auch auf die Strukturen und Einrichtungen der Polizei, der Feuerwehren und der technischen Nothilfe zu.

Organisatorisch war der Luftschutz allerdings seit 1936 der Ordnungspolizei unterstellt, der die exekutive Verantwortung bei Einsätzen zukam. Am 01.02.1937 wurde innerhalb der Ordnungspolizei die Position eines Inspekteurs des Feuerlöschwesens geschaffen. Mit diesen Regelungen ging eine kontinuierliche Unterordnung der Feuerwehren unter die Ordnungspolizei einher. Bis Ende des Jahres war der Wandel von der Feuerwehr zur „Feuerlösch-Polizei“ vollzogen, der in der gleichnamigen, ab Oktober 1937 erscheinenden Zeitschrift auch klar nach außen kommuniziert wurde.

1940 wurde der Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) geschaffen, dessen Organisation in der Ersten Durchführungsverordnung zum Luftschutzgesetz in § 2 geregelt wurde. Er verblieb in der Verantwortung der Polizei. Aus der technischen Nothilfe entwickelten sich im Frühjahr 1941 die Technischen Truppen als eine separate Waffengattung der Wehrmacht.

Als am 22. August 1950 das Technische Hilfswerk (THW) gegründet wurde, trat es offiziell die Nachfolge der Technischen Nothilfe an. Auch in seiner Zwischenfunktion zwischen der am 5. Mai 1955 gegründeten Bundeswehr, der Polizei und den Feuerwehren entspricht das THW der technischen Nothilfe.

Zu den Aufgaben des SHD gehörte auch das Anlegen von Löschteichen. Im Stadtpark Zuffenhausen sind bis heute die Reste von zwei Löschteichen erhalten, die 1942 für die Hirth-Motorenwerke angelegt worden waren.

Die Direktion der Feuerschutzpolizei Stuttgart befand sich in der Kasernenstraße 27 (heutige Leuschnerstraße), im Nachbargebäude der Feuerwache 2. In der gegenüberliegenden Turnhalle der Schloßrealschule war 1938 eine Luftschutzrettungsstelle eingerichtet worden.

Nach den Juli-Angriffen 1944 wurde der Einsatzstab der Stuttgarter Feuerwehr zentral in den Hochbunker am Pragsattel verlegt. Der SHD richtete eine Koordinierungs- und Befehlsstelle im Stollen am Killesberg ein, um die Einsätze von dort aus zentral steuern zu können. Es war nicht das letztemal, dass die Feuerwehr in Stuttgart einen Bunker aus dem 2. Weltkrieg nutzte: Bis 2011 hatte die Freiwillige Feuerwehr, Abteilung Kommunikation ihre Zentrale im Hochbunker Sickstraße.