Flakbatterie S-Vaihingen

Die s/w-Fotos dieser Galerie sind mit feundlicher Genehmigung des Autors dem Buch „Schülersoldaten – Soldatenschüler“ entnommen.

Vom Schloßplatz ging es mit der Straßenbahn nach Vaihingen, von dort aus zu Fuß zur Batterie. „durch die Vaihinger Katzenbachstraße, an halbzerstörten Häusern vorbei, zu der am Ortsrand gelegenen großen Stabsbaracke mit Schreibstube, Küche, großer Kantine, Bekleidungskammer (dort residierte der „Kammerbulle“) und Fourierraum. […] Die Baracken waren ordentlich, der Weg dorthin nach dem Regenwetter fürchterlich. Mit Holzdielen und Schwellen war eine Art Knüppeldamm in den Feldern entstanden, der Schlamm quoll zwischen den Hölzern durch.“  So beschreibt Günter Aichele in seinen Buch „Schülersoldaten – Soldatenschüler“ den Weg, den seine Mitschüler und er beschritten um in die schwere Flakbatterie Vaihingen zu gelangen. Es war der direkte Weg vom Dasein als Schüler in den Krieg.

Die Batterie Vaihingen wurde Erzählungen zufolge zunächst als Scheinanlage errichtet, um gegnerische Flugzeuge über die Stärke und die Standorte der deutschen Flugabwehr zu täuschen. Sie wurde im Rahmen einer Umgruppierung der Flak ca. 1943 besetzt und verstärkte damit die Feuerkraft der  Schweren Flak an der Südostflanke der Stadt Stuttgart zwischen Birkenkopf und Möhringen.

Umgruppierungen waren während des Krieges in den Flakverbänden häufig. Die in den Stellungen eingesetzten Batterien wechselten mehrmals. Trotz der zunehmenden Bedrohung der großen Städte durch Luftangriffe sah die Luftwaffe als verantwortlicher Wehrmachtsteil die Flak in der Heimat auch immer wieder als Reserve für die Front an.

So verlegten z.B. mit dem Beginn des Afrikafeldzugs mehrere Batterien aus dem Großraum Stuttgart in die nordafrikanische Wüste. Auch der Angriff auf die Sowjetunion und der sich daraus ergebende jahrelange Krieg im Osten zog Kräfte aus den Städten im Reichsgebiet ab. Andererseits führte genau dieser Krieg der Verteidigung der Metropolen auch wieder Waffen und Personal zu. Es handelte sich dabei um Beutegeschütze und sogenannte Hilfswillige (HiWis). Dies waren in der Regel russische Kriegsgefangene, die in den Batterien zum Munitionsschleppen eingesetzt waren. 1943 standen in Vaihingen 3 Batterien mit jeweils sechs schweren Flak vom Kaliber 8,8 cm.

Als Günter Aichele am 10. Januar 1944 als 15-jähriger Schüler zur Flakbatterie  4./s.460 kam, verfügte diese  in der Stellung an der Büsnauer Straße über sechs 8,8 cm Kanonen vom Typ Flak 37, und damit über recht moderne Kanonen. Die Bedienungsmannschaften waren schon heterogen. Neben älteren Luftwaffensoldaten waren russische Hilfswillige (HiWis) im Einsatz und nun die von der Schulbank weg rekrutierten Flakhelfer, die als Ersatz für ältere Flakhelfer in die Batterie einrückten.

Eine Spurensuche

Die Batterie befand sich nördlich des Ortsrands an der Büsnauer Straße. Das Gebiet ist inzwischen weitgehend überbaut und durch Infrastrukturmaßnahmen auch großflächig verändert. Als Günter Aichele nach Jahrzehnten versuchte den Standort der Batterie noch einmal aufzusuchen stellte er fest, dass dies keinesfalls einfach ist. Die Erinnerung erwies sich als unzuverlässiger Partner bei der Rekonstruktion von Entfernungen. Immerhin waren die Himmelsrichtungen korrekt in Gedächtnis geblieben und die meisten  Straßennamen haben sich ebenfalls erhalten.

Mit dem Abgleich der Erinnerungen mit Karten, einem historischen Stadtplan, Google Maps und Ortsterminen konnte der einstige Standort der Batterie letztlich bestimmt werden. Im Verlauf der Nachforschungen lieferte Günter Aichele rechte genaue Beschreibungen der Verhältnisse vor Ort: „ Es muss die schräg abbiegende Büsnauer Straße gewesen sein. auf der ging man einige hundert Meter, bis dann rechts das Ende der damaligen Bebauung kam, und da ging es rechts ab auf einem Feldweg zu den rechts von diesem Feldweg liegenden Baracken.“ Und: „unsere Baracken waren rechts (also nord-östlich) von der Büsnauer Straße, zu unseren Geschützen mussten wir die Büsnauer Straße überqueren, die standen also westlich der Büsnauer Straße. Aber die Kommandozentrale sowie die Nachbarbatterie befanden sich rechts von der Büsnauer Straße und etwas weiter von den Häusern weg.“

Es gab drei Batterien in Vaihingen

Günter Aichele erwähnt auch noch den Fußweg zur Nachbarbatterie, die nördlich von seiner Batterie stand. Hermann Queck führt drei Batterien in Vaihingen auf (7./s. 241, 1./s. 460 und 4./s. 460), auch andere Quellen erwähnen mehrere Batterien. Allerdings waren diese drei Batterien nicht alle gleich lang dort stationiert. Die 7./s. 241 war mit Luftwaffenhelfern aus Ellwangen besetzt, die im März 1944 abgezogen wurden. Dadurch reduzierten sich die Geschütze in Vaihingen von 18 (3 Batterien) auf 12 (2 Batterien). Günter Aichele berichtet, dass seine „Vorgänger“ in der Batterie bereits Luftwaffenhelfer aus Stuttgart waren.

Seine Ortsangaben beziehen sich auf die Stellung der 4./s. 460, die im Juli 1944 nach Auschwitz verlegte. Ihre Stellung wurde Anfang Juli 1944 vor dem Abzug nach Auschwitz aufgegeben. Die 1. /s. 460 hingegen blieb bis zum Kriegsende in Vaihingen und war dort noch, wie auch die benachbarten Batterien in Heumaden und Birkenkopf, in Erdkämpfe verwickelt. Am 21. April 1944 wurde sie von französischen Truppen besetzt.

Der genaue Standort der 1. /s. 460 konnte nicht ermittelt werden. Sie lag am Dachswald. Das Batteriegelände ist sehr wahrscheinlich heute vom Areal der Universität überbaut. Über den Standort der 7./s. 241 konnte bislang nichts herausgefunden werden. Sie muss aber unweit der beiden anderen Batterien gelegen haben.

Der Standort der 4./s. 460 ließ sich hingegen lokalisieren, auch wenn das Gebiet der Batteriestellung heute ebenfalls vollständig überbaut ist. Den Angaben von Günter Aichele zufolge standen die Geschütze im Bereich des heutigen Ernst-Barlach-Wegs bis zur B14. Dies war damals reine Ackerfläche. Nördlich der Büsnauer Straße standen die Baracken an jenem Abzweig ins Feld, der sich noch heute dort befindet. Neben einer Wiese, ein paar Gärten und ein paar Obstbäumen befindet sich dort eine Versuchsstelle der Universität. Fundamente oder ähnliche Spuren der Flak-Baracken sind nicht mehr vorhanden.

An die bis zu 18 schweren Geschütze der Vaihinger Flakbatterien erinnert heute nichts mehr. Auch ist ihre Geschichte nur teilweise bekannt. Es ist in erster Linie der Arbeit Günter Aicheles und Hermann Quecks zu verdanken, dass zumindest diese Lokalisierung vorgenommen werden konnte.

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