Stuttgart-Mühlhausen

In den 1930er Jahren war Mühlhausen ein kleiner, weitgehend ländlich geprägter Stadtteil von Stuttgart an der Nordöstlichen Stadtgrenze zu Kornwestheim und Aldingen.

Der größte Industriebetrieb war die frühere Baumwollspinnerei Arnold & Söhne am Neckarufer, in der seit 1936 die Firma Bosch Ankerwicklungen und Dynamos produzierte. In der Aldinger Straße gab es auch ein RAD-Lager. Das Areal des Lagers und der ehemaligen Baumwollspinnerei ist heute mit dem Gewerbekomplex überbaut, in dem u.a. der Kaufland-Markt angesiedelt ist. Das Gebäude der Baumwollspinnerei stand ungefähr an der Stelle des heutigen Parkhauses und der Tankstelle.

In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1943 erreichte der Bombenkrieg auch diesen Teil von Stuttgart. Allerdings war Mühlhausen ein zufälliges Opfer. Der Luftangriff hatte die Stuttgarter Innenstadt, die Bosch-Werke im Stuttgarter Westen und Daimler-Benz in Untertürkheim zum Ziel.

In der mondhellen Nacht wurden aber Teile der Zielmarkierungen falsch gesetzt, so dass  vor allem Wohnviertel in Bad Cannstatt, Münster und Mühlhausen getroffen wurden, sowie das Bahnausbesserungswerk zwischen Untertürkheim und Bad Cannstatt und das Kraftwerk in Gaisburg.

In Mühlhausen  wurden 25 Menschen getötet.  83 Gebäude wurden zerstört und 135 beschädigt. Von den 41 landwirtschaftlichen Betrieben wurden 37 Opfer des Angriffs.

Als Reaktion auf den für den Stadtteil verheerenden Angriff begannen in Mühlhausen die Planungen für mehrere Luftschutzstollen, die in den kommenden Monaten gebaut wurden:

Der Stollen am Klärwerk in unmittelbarer Nähe zur Grenze nach Aldingen,

Der Stollen in der Veitstraße/Zazenhäuser Straße (heute: Ecke Veitstraße / Mönchfeldstraße),

Die aus mehreren Einzelstollen zusammengeführte Anlage Baltenstraße/Engelburg, auch als Pionierstollen 22-87 bekannt.

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