Kugelbunker Ostermann

Modell des Ostermann-Kugelbunkers zu Demo-Zwecken in Hamburg. Foto aus der Luftschutz-Rundschau September 1962.

Modell des Ostermann-Kugelbunkers zu Demo-Zwecken in Hamburg. Foto aus der Luftschutz-Rundschau September 1962.

In seiner Ausgabe 44/1959 vom 28.10.1959 berichtete der SPIEGEL über einen Ansatz des Hamburger Konstrukteurs Martin Ostermann. Dem Artikel zufolge soll Ostermann beim Bau des Westwalls beteiligt gewesen und anhand dieser Erfahrungen zu seinen Überlegungen gekommen sein, wie man Menschen im Atomzeitalter vor Luftangriffen schützen könne.

Der Artikel lässt offen, welche Qualifikation Ostermann tatsächlich hatte. Die Art seiner Äußerungen und die Tatsache, dass er sich mit der Konstruktion von Bunkern beschäftigte legen nahe, dass Ostermann Bauingenieur war.

Im Artikel wird er mit den Worten zitiert: „Ich glaube, daß die Bunker alter Bauart im Zeitalter der Atombomben antiquiert sind. Sie widerstanden zwar dem 2000-Atmosphären-Druck einer explodierenden Zweizentnerbombe. Heute muß ein atombombensicherer Schutzraum aber einem Explosionsdruck von vielleicht 30 000 Atmosphären standhalten können.“

Als logische Schlussfolgerungen betrachtete der Konstrukteur die Wahl einer möglichst stabilen Form und die Möglichkeit, dem Druck einer Detonation ausweichen zu können. Beides würde ein kugelförmiger Schutzraum gewährleisten.

Seinen Berechnungen zufolge würde der Kugelbunker keineswegs von der ungeheuren Druckwelle durch die Luft geschleudert, sondern schon nach 10 bis 20 Meter ausrollen und zum Stehen kommen. Durch Luftwirbel auf der der Explosion abgewandten Seite würde der Bunker in seinen Bewegungen gebremst.

Da aber selbst bei einer solchen Bewegung die Insassen unkontrolliert durcheinander geworfen werden würden, konzipierte Ostermann eine Kugel in der Kugel. Die innere Kugel sollte durch entsprechende Gewichte an der Unterseite so gelagert sein, dass sie die Rollbewegung der äußeren Kugel nicht mitmacht. Sie würde also während des Rollvorgangs für die Insassen in quasi unveränderter Position verharren, so dass diese nicht herumgeworfen werden würden.

Zwischen den beiden Kugeln sollte eine Schicht eingebaut sein, die die Insassen vor radioaktiver Strahlung schützt. Der Bunker sollte einen Durchmesser von 6 Metern haben und 10 Personen Platz bieten. Komplett ausgestattet und mit Proviant für 30 Tage wurden die Kosten auf 25.000 DM veranschlagt. Der durchschnittliche Lohn eines Arbeiters lag damals bei 398 DM, ein Schutzplatz im Kugelbunker hätte also ca. 6,3 Monatslöhnen eines Arbeiters entsprochen. Dies war letztlich auch der Grund, warum das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz in Bad Godesberg abwinkte. Der SPIEGEL-Artikel zitierte den Luftschutz-Referenten Klingmüller: „Der vom Bundeswohnungsbauministerium empfohlene unterirdische Bunkertyp, der sich bei Atomversuchen in der Wüste von Nevada bewährt hat, kostet je Kopf nur 1300 Mark.“ – Als technisch realisierbar wurde das Projekt eingestuft.

Tatsächlich blieben im Artikel etliche Fragen unbeantwortet: Wenn zwei ineinanderliegende Kugeln rollen, aber die innere immer in derselben Position verharrt, kann ein Ausstieg nur dann erfolgen, wenn die Öffnungen wieder deckungsgleich liegen. Auch stehen hinter den Berechnungen der „Rollstrecke“ berechtigte Fragezeichen. Und was wäre passiert, wenn sich diverse Kugelbunker beim Rollen gegenseitig behindert hätten? Hätte der Bunker die Insassen auch gegen die enorme Hitze einer nahen Explosion schützen können? …

In einem Übungsgelände für den Zivilschutz in Hamburg war immerhin ein Modell der Konstruktion in Originalgröße aufgestellt, von der die „Luftschutz-Rundschau“ im September 1962 ein Foto veröffentlichte.

Angeblich hatte auch ein Unternehmen aus Hiroshima Interesse an einer Lizenzfertigung bekundet. Ob Ostermann seine Entwürfe in Deutschland noch vermarktete ist unklar. Zu seinem Konzept scheinen keine weiteren Informationen mehr veröffentlicht worden zu sein.

Die meisten während des Kalten Krieges installierten Kugelbunker wurden in unmittelbare Nähe von Wohnhäusern so in das Gartengrundstück eingegraben, dass sie vom Keller des Gebäudes aus zugänglich waren, so wie dieser Kugelbunker in Stuttgart.

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