Flugplätze der Luftwaffe 1934 – 1945

Jürgen Zapf: Flugplätze der Luftwaffe 1934 – 1945 – und was davon übrig blieb (Gesamtverzeichnis)

VDM Heinz Nickel, Zweibrücken 2010, ISBN 978-3-86619-054-2, 570 Seiten

Sie sind heute Ackerland, Wohngebiete, Segelflugplätze, Privatflugplätze, manche sind zu modernen Flughäfen ausgebaut. Doch ein beachtlicher Teil der Infrastruktur der deutschen Luftwaffe vor 1945 ist inzwischen nicht mehr als solcher erkennbar. Rund 1.000 Flugplätze, Ausweichflächen, Einsatzhäfen etc. unterhielt die Luftwaffe im Reichsgebiet für Jagdflugzeuge, Schlachtflugzeuge, Bomber, Transporter, Aufklärer, für den Erprobungs-  und Schulungsbetrieb. Das Reichsgebiet war mit einem engen Netz von Luftwaffenstützpunkten überzogen.

Jürgen Zapf arbeitet daran, diese Infrastruktur Bundesland für Bundesland zu beschreiben und zu zeigen, was davon noch übrig ist. Sechs Bände hat er bereits veröffentlicht. Alle fürf ostdeutschen Bundesländer und zuletzt Schleswig-Holstein und Hamburg hat er mit je einem Buch gewürdigt.

Dennoch wird es noch Jahre dauern, bis er auch alle westlichen Bundesländer abgearbeitet hat. So wurden die Fragen immer lauter, ob er denn nicht wenigstens in der Zwischenzeit  einen Überblick produzieren könne.

Dieser liegt nun vor als gebundenes Handbuch in einem praktischen Format vor, das auch ins Handschuhfach passt: 21,5 x 15 cm, 570 Seiten stark mit einer Übersichtskarte, auf der alle Einrichtungen verzeichnet sind. Die Kurzbeschreibungen mit GPS-Koordinaten ermöglichen es jedem Interessierten, die Orte selbst aufzusuchen und sich selbst ein Bild zu machen, was der Wandel der Zeit von den Flugplätzen der Luftwaffe übrig ließ.

Dieses Buch war längst überfällig und ist eine hervorragende Ergänzung zur bereits erschienen Literatur. Die Kurzbeschreibungen sind in alphabetischer Reihenfolge der Ortsnamen sortiert. Und das ist der einzige Kritikpunkt, den man anbringen könnte: Wer „mal schnell“ einen Überblick über die ehemalige Infrastruktur einer Region haben möchte, ohne die Ortsnamen zu kennen, muss über die beiliegende Karte gehen. Einen Index nach Bundesländern gibt es nicht. Anhand der Karte lässt sich dies freilich herausfinden, und so ist dieser Kritikpunkt letztlich auch nur ein Luxusproblem. Irgendwann wird Jürgen zapf sowieso zu jedem Bundesland ein Buch veröffentlich haben.

Als Zugabe gibt es einige Fotos, eine Liste mit 87 der 95 Plätze, die in der Anlage zum Befehl „Silberprogramm“ enthalten waren. Dies waren jene Flugplätze, die für den Einsatz von Strahlflugzeugen ausgelegt wurden, bzw. werden sollten. Ein Fabrikationsablauf des Serienbetriebs zur Fertigung der Me 262 mit den Produktionsstätten im Gebiet zwischen Oberstdorf, Leonberg, Schwäbisch Hall, Regensburg und Schwaz ergänzt dieses Thema. Wie dicht das Netz war, zeigt sich am Beispiel Stuttgart: In unmittelbarer Nähe der Landeshauptstadt lagen die Flugplätze Malmsheim (heute teilweise Segelflugplatz), Ludwigsburg (Pattonville, Sonderlandefläche) Nellingen (überbaut), Böblingen (wird derzeit überbaut), Oedheim (Ackerland), Großsachsenheim (Ackerland) und natürlich Echterdingen. Die nächsten Plätze lagen schon bei Pforzheim, Heilbronn, Göppingen und Tübingen. Nicht jeder spielte eine wesentliche Rolle während des Krieges. Doch eine wesentliche Erkenntnis aus der Arbeit von Jürgen Zapf ist die heute nicht mehr vorstellbare und oft kaum zu erahnende Allgegenwärtigkeit von Luftwaffenstützpunkten vor unseren Haustüren.

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