Bahnhof Bad Cannstatt

1941 errichtete die Reichsbahn am Bahnhof Bad Cannstatt einen Bunker für Bahnreisende. Er wurde an der Südseite des Bahnhofs an den Bahndamm angebaut und steht im Hinterhof des Wohnblocks in der Kleemannstraße.

Der Hochbunker ist eine Sonderkonstruktion, die exakt in die örtlichen Gegebenheiten eingepasst wurde. Heute ist der Bunker kaum noch erkennbar. Die markantesten baulichen Elemente, die auf den Bunker hindeuten, sind die beiden überdimensioniert wirkenden Kamine auf dem Dach des Gebäudes westlich vom Südausgang des Bahnhofs, in dem die Fahrrad-Service-Station untergebracht ist. Dies sind die Frischluft-Ansaugkamine der Lüftungsanlage des Bunkers.

Die Außenmauer zum südlichen Bahnhofsvorplatz wurde im Vorfeld der Fußball-WM 2006 mit einer bunten Klinkerfassade versehen, in die eine stählerne Doppeltür eingebaut ist, über die man in den Bunker gelangt. Durch die Verkleidung und die zeitgleich geschaffene Platzgestaltung fällt die Wand kaum auf und wird wahrscheinlich am ehesten für eine Stützmauer gehalten.

Zur Kleemannstraße hin ist die Bunkerfassade hingegen noch im Originalzustand, jedoch teils von Kletterpflanzen bewachsen und selbst auf dem Bunker stehen inzwischen Bäume. Die Wohngebäude an der Kleemannstraße verbergen den Blick auf den Bunker von dieser Seite aus. Lediglich in Richtung des verwilderten Gartengrundstücks zur König-Karl-Straße hin, ist im Grün ein Teil der westliche Außenwand des Bunkers zu erkennen.

Vom Bunker führt etwa in der Bauwerksmitte ein Verbindungsgang im rechten Winkel durch den Bahndamm, von dem aus Treppenzugänge zu allen Bahnsteigen bestanden, so dass Bahnreisende direkt von den Bahnsteigen in den Bunker gelangen konnten. Die Abgänge an den Bahnsteigen sind heute alle zubetoniert, die Treppen und der Zubringertunnel zum Bunker sind im Untergrund der Gleisanlagen aber noch bis heute erhalten.

Der Bunker sollte bis zu 2.000 Bahnreisende aufnehmen können. Von den 2.013 qm Grundfläche nutzte die Bahn fünf Räume mit insgesamt ca. 100 qm für den Bahnhofsvorsteher, den Fahrdienstleiter, den Bahnarzt, Aufsichtsbeamte und Bahnhofspersonal, sowie für die Unterbringung von Feuerwehrgerätschaften.

Der Bunker verfügte über zwei Lüftungsanlagen mit je einem Ansaugkamin, Toiletten, Wasseranschluss, Elektrik und eine Kohleheizung. Zur Wärmedämmung waren an den Decken Heraklith-Platten angebracht. Das war in Stuttgarter Bunkern eher untypisch. Innendämmungen mit Heraklith gab es aber z.B. auch in Bunkern in München.

An der südlichen Außenmauer, also zu den Wohngebäuden in der Kleemannstraße hin, wurden nach dem Krieg Fenster herausgebrochen, um den Bunker als Wohnunterkunft nutzen zu können. Diese Fenster wurden nach dem Ende der Nutzung als Behelfswohnungen Ende der 1940er Jahre wieder mit Ziegeln zugemauert. Zwei Reihen Sandstein am Sockel der südlichen Außenmauer deuten darauf hin, dass diese möglicherweise ursprünglich komplett mit Sandstein verkleidet werden sollte.

Bis etwa 1985 stand der Bunker leer. Heute sind Teile des Bunkers als Lagerraum genutzt. Ein weiterer Teil ist infolge eindringender Feuchtigkeit ungenutzt und steht leer.