Bietigheim Felsenkeller

 

Das Verlagerungsprojekt der Firma SWF

Die Firma SWF wurde 1923 in Stuttgart-Feuerbach gegründet. Die Firmenbezeichnung stand ursprünglich für „Spezial Werkzeugfabrik Feuerbach“. Zur Produktpalette gehörten Schraubendreher, Bohrer und andere Handwerkzeuge. Die Firma hatte ihren Sitz in der Rolandstraße 19.

Ab 1927 lieferte die SWF Fahrtrichtungsanzeiger an die Automobilindustrie. 1936 firmierte sie um in „SWF Spezialfabrik für Automobilzubehör Gustav Rau GmbH“. 1972 wurde das Unternehmen von ITT übernommen. 1998 ging die ITT Automotive an Valeo.

Von Feuerbach nach Bietigheim

Die SWF hatte den Umzug von Feuerbach nach Bietigheim wohl auch aus Sicherheitsgründen vorgenommen. 1941 trat sie an die Stadt Bietigheim heran, auf der Suche nach einem neuen Werksgelände. Am 07.Juli 1941 erkundigte sich die Stadtverwaltung in einem Schreiben unter dem Betreff „Mitteilung über Ihren Bietigheimer-Betrieb, als Werkluftschutzbetrieb“ nach der geplanten Größe des neuen Werkes, der Belegschaftsstärke, und wann der Betrieb aufgenommen werden soll.

1942 wurde der Umzug von Feuerbach nach Bietigheim vollzogen. Die neue Adresse lautete Ludwigsburger Strasse 17. Trotz zahlreicher Alarme und Überflüge war die Stadt an der Enz noch ein sicherer Ort. Im Laufe des Jahres 1944 änderte sich dies freilich. Ab März 1944 hatte man in der Stadt mit dem Bau von Luftschutzstollen begonnen.

Am 09. November 1944 fielen erstmals 14 Bomben auf die Bahnhofsgegend von Bietigheim. Neben dem Bahnhofspostamt wurden auch Teile der Fabrik der SWF beschädigt. Als Folge aus diesem Angriff beantragte die Firma gegen Ende 1944 den Einbau von Verlagerungsräumen im Gewölbekeller der Gaststätte „zum Felsenkeller“ in der Bahnhofstr. 28. Die Räumlichkeiten waren ca. 1870 als Bierkeller geschaffen worden. Das Lokal hatte eine Gartenwirtschaft und war ein beliebtes Ausflugslokal. Auch bei Vereinen war die Gaststätte als Versammlungslokal lange Jahre geschätzt.

Fahrzeugteile statt Bier

Die Genehmigung der Rüstungskommission für das Verlagerungsprojekt der SWF lag zum 04.12.1944 vor. Die Baupläne wurden am 19.12.1944 von der Rüstungs-Inspektion V in Esslingen an die Rüstungskommission Va in Stuttgart zur alsbaldigen Genehmigung geschickt.

Die Planung sah eine schlauchartige Anlage hintereinander liegender Räume vor, die insgesamt 34,70 m lang war. Die Breite betrug zur Straße 7 m, im Felsen 4,70. Nach einem Vorraum, in dem auch die Toiletten untergebracht waren, schloss sich ein Schleusenraum an, auf den der 16,20 m lange Luftschutzkeller folgte, unterteilt in zwei Räume.

Hinter diesem war noch ein Schutzraum im Felsen mit 12 Metern Länge vorgesehen. Der Notausstieg zum Felsenkellerweg war über einen fast 10 m hohen Kamin geplant. Die Grundfläche des Gesamtvorhabens lag bei knapp 187 qm. Die Gesamtbausumme wurde mit 4.500 RM veranschlagt, die Zahl der zu leistenden Tagewerke mit 90. Die Kosten wurden Ende Januar 1945 auf 3.600 RM korrigiert.

Der Architekt veranschlagte 2 Maurer für 3 Wochen für den Innenausbau. Dazu sollten „2-3 Betriebsangehörige oder ausländische Arbeiter in der Selbsthilfe“ kommen. Zur Umsetzung des Vorhabens kam es nicht mehr. Zu sehr überstürzten sich die Ereignisse in den letzten Kriegsmonaten.

Heute erinnert nichts mehr an das einstmals beliebte Ausflugslokal „zum Felsenkeller“ und seine unterirdischen Gewölbe. Beim Abbruch der Gebäude wurden auch die Keller weitgehend entfernt. Doch die noch erhaltenen Unterlagen des Projekts veranschaulichen beispielhaft, dass Größe und Umfang von Untertage-Verlagerungen sehr stark variierten und man sie z.T. sogar inmitten von Städten plante.