Die Luftverteidigungszone West

Wein_LVZFriedrich, Florian und Felix Wein: Die Luftverteidigungszone West zwischen Nagold, Neckar und Schwarzwald

Explorate-Verlag Königsfeld, 2010, ISBN: 978-3-937779-25-6, 248 Seiten

2001 erschien mit ”Bunkerstellungen der Luftverteidigungszone West im Rheinland und Hitlers Hauptquartier in Bad Münstereifel-Rodert“ von Manfred Groß eine umfangreiche Dokumentation über die LVZ in Rheinland, die heute noch immer als Standardwerk gilt.

Es gibt nicht viele Autoren, die sich dieses Teils der Geschichte der Deutschen Westbefestigungen annehmen. Das mag auch daran liegen, dass die LVZ eine Konzeption aus der Vorkriegszeit war, nie richtig fertig wurde und 1944/45 praktisch kaum eine Rolle spielte.

Friedrich Wein hat mit seinen Söhnen Florian und Felix die LVZ im Raum Nagold, Neckar und Schwarzwald aus der Vergessenheit gehoben und eine detaillierte Beschreibung dieser Luftabwehrzone geschaffen. Anhand von zahlreichen Bildern, Kartenmaterial und verständlichen Beschreibungen wird der theoretische Ansatz hinter der LVZ genauso erläutert, wie die einzelnen Komponenten und noch vereinzelt auffindbare Überbleibsel.

Dabei handelt es sich mitunter nur um einzelne Betonreste, z.B. von Ballonsperren, andernorts haben aber bis heute Munitionsbunker, Blockhäuser oder Geschützbettungen überlebt, denen man oft auf den ersten Blick nicht ansieht, dass sie einst Teil einer umfangreichen militärischen Infrastruktur waren, die den Einflug feindlicher Flugzeuge nach Deutschland unmöglich machen sollte.

Freilich ist den Zitaten aus dem Kriegstagebuch des zuständigen Luftgaukommandos VII zu entnehmen, dass die Fertigstellung der LVZ für 1942 vorgesehen war, sie also im September unmöglich den geplanten Ausbau aufweisen konnte. Auch waren die vorgesehen Flak-Kräfte und Bewaffnung zu Friedenszeiten nicht im geplanten Umfang mobilisierbar. Zu Beginn des Krieges waren viele Batterien nicht komplett ausgerüstet.

Daran änderte sich nach Kriegsbeginn nur wenig. Der Mangel beim Heimatschutz wurde zum Normalfall, die Sollstärken wurden nie erfüllt und nach der Kapitulation Frankreichs wurden vor allem die schweren Geschütze abgezogen. Nur punktuell wurden schwere Batterien stationiert, zum Schutz von Städten wie Karlsruhe, Mannheim, Straßburg und wichtiger Rüstungsbetriebe. Die Ausdünnung sollte durch Nebel- und Scheinanlagen, Ballonsperren und intensiverer Tarnung gefährdeter Objekte ausgeglichen werden, um Kanonen für die Front freizusetzen.

So zeugen die Überreste der LVZ in erster Linie von einer Konzeption, die nie vollkommen umgesetzt wurde und von sehr frühen Mangelerscheinungen in der Ausstattung der Wehrmacht, die von den Erfolgen bis 1942 überdeckt wurden. Dann allerdings kamen sie umso deutlicher zum Tragen, und offenbarten wie wenig die Deutsche Armee auf einen längeren Krieg vorbereitet war.

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